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Wunstorf 20 Jahre Bürgermeister: Das hat sich mit Eberhardt verändert
Umland Wunstorf 20 Jahre Bürgermeister: Das hat sich mit Eberhardt verändert
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19:04 14.03.2019
Schützenfeste gehören zu den Amtspflichten eines Bürgermeisters. Quelle: Peter Steffen
Wunstorf

Am Nachmittag des 15. März 1999 hat Rolf-Axel Eberhardt die Wunstorfer Bürgermeisterkette überreicht bekommen. Damit steht er jetzt seit zwanzig Jahren an der Spitze der Stadtverwaltung und ist zugleich höchster Repräsentant Wunstorfs. „Mir war klar, dass wir die mobilisiert haben, die einen Wunstorfer wollten“, sagte der CDU-Politiker nach seinem deutlichen Wahlsieg gegen den Potsdamer Dezernenten Hans-Joachim Bosse (SPD). Wie hat sich Wunstorf mit diesem Wunstorfer an der Spitze verändert? Wir haben es uns näher angesehen.

Die Entwicklung der Schulen hat nach dem Ende der Orientierungsstufen viele heiße Debatten gekostet – bis hin zu Demonstrationen. Wegen Raummangels im Hölty-Gymnasium gründete die Stadt 2007 zunächst ein eigenständiges Gymnasium in Steinhude. Doch dann wirkte sie ab 2010 die Gründung der Gesamtschule aus, von Eberhardt und der CDU zunächst skeptisch betrachtet. Außerdem gingen die Schülerzahlen nach insgesamt 5275 im Jahr 1998 bis 2017 auf 4640 zurück. Das Gymnasium ist mittlerweile zur zeitweisen Außenstelle des Hölty-Gymnasiums geworden, die Graf-Wilhelm-Schule in Steinhude soll auch auslaufen. Die Scharnhorstschule an der Aue, ebenfalls eine Haupt- und Realschule, hat das schon hinter sich.

Wahlen, Weichenstellungen und Buntes: Das Amt eines Bürgermeisters bringt vielfältige Aufgaben mit sich.

Das Hölty-Gymnasium konnte sich mit dem Sportforum über eine neue Halle freuen, und in allen Grundschulen soll nach dem Beginn in Klein Heidorn in den nächsten Jahren der Ganztagsbetrieb kommen. Die Entscheidung resultiert daraus, dass Betreuungsangebote für zunehmend viele Eltern wichtig sind. Waren 2006 noch 1437 Kinder in Wunstorfer Kitas untergebracht, waren es 2018 1828.

Neue Arbeitsplätze sind entstanden

Wirtschaftlich sind das weiter wachsende Gewerbegebiet und die trotzdem sehr gut funktionierende Innenstadt zwei große Trümpfe für die Stadt. Sichtbar wird das an der Statistik der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Wunstorf. Von 10.622 Ende 1998 ist die Zahl auf 11.892 Mitte 2017 angestiegen. In der Industrie sind allerdings zum Beispiel mit Kettler und Vion auch Kapitel geschlossen worden. Die Gelände dort mit neuem Leben zu füllen, ist ein zäher Prozess, der wohl auch auf das Kaliwerk Sigmundshall nach dem Ende des Abbaus wartet.

Ein wichtige Entscheidung für Wunstorf war der Erhalt des Fliegerhorstes, der zeitweise auf der Kippe stand. Statt dessen wurde das Lufttransportgeschwader 62 Hauptstandort für das neue Flugzeugmuster Airbus A400M. Der Bund hat in den vergangenen Jahren erheblich investiert und damit wohl sichergestellt, dass dort noch lange Arbeitsplätze verbleiben.

Neue Perspektiven gab 2010 auch der Start für die Stadtwerke Wunstorf, mit dem das bisherige Gaswerk auch in den Strommarkt einsteigen konnte. Die größten Anteile daran halten die städtischen Bäderbetriebe, deren Entscheidungen oft in der Bevölkerung umstritten sind. So ist das Hallenbad 2009 zwar mit einer neuen Saunalandschaft als Wunstorf Elements neu eröffnet worden. Allerdings wurden die Freibäder in Luthe und der Kernstadt geschlossen, das Bokeloher ist reparaturanfällig und öffnet morgens nicht mehr. Während sich in Luthe 2004 erfolgreich eine Genossenschaft als neuer Träger bildete, ist für das 2013 geschlossene Gelände in der Kernstadt noch kein großer Wurf in Sicht.

Neue Baugebiete sind lange nur sparsam entstanden, allerdings ist die Kernstadt mit neuen Wohnquartieren deutlich nach Süden gewachsen. Nach 17.689 Wohnungen 1998 ist die Zahl bis Ende 2017 auf 20.505 gestiegen. Auch die Einwohnerschaft Wunstorfs ist größer geworden, von 40.848 Ende 1998 auf 41.652 im Jahr 2018. Als ab 2015 viele Flüchtlinge nach Wunstorf kamen, konnte die Stadt recht lange darauf verzichten, Heime einzurichten – jetzt sind es zwei.

Tourismus hat einen Schub bekommen

Um Menschen in die Urlaubsregion Steinhuder Meer zu locken, war die Gründung der Tourismusgesellschaft über die Stadtgrenzen hinweg 2005 ein wichtiger Schritt. In Steinhude entstand mit dem Scheunenviertel bereits zur Expo 2000 eine neue Perle. Auch an anderen Stellen investierte die Stadt für den Tourismus und übernahm auch die Verantwortung für den Strandterrassen-Platz und die Promenade. Der Lohn für die Fortschritte: Verzeichneten die Statistiker für das Jahr 1998 noch 33.979 Übernachtungen im Wunstorfer Stadtgebiet, waren es 2018 schon 117.736. Der Bürgermeister hat sich auch dafür eingesetzt, dass es nach einer Pause wieder einen Steinhuder Freyfischer gibt – er hofft auf einen ähnlichen Werbeeffekt wie beim Oldenburger Kohlkönig.

Obwohl der CDU-Mann Eberhardt sich schon seit 2001 nicht auf eine eigene politische Mehrheit im Rat stützen kann, gelingt die Zusammenarbeit mit den Gremien in der Regel. Er hat sich von vornherein als Gegner eines Blockdenkens präsentiert. „In Wunstorf läuft das anders“, sagt er gern nach einstimmigen Voten und denkt dabei an härtere Kämpfe in anderen Städten. Mit den Verhältnissen über Wunstorf hinaus beschäftigt Eberhardt sich regelmäßig unter anderem im Präsidium des Niedersächsischen Städtetags und als Sprecher der Regionsbürgermeister.

Nach der sonst meist üblichen Harmonie war er umso mehr sichtlich angegriffen, als die AfD in der letzten Haushaltsdebatte mit schrillen Tönen die sonst eher harmonische Stimmung deutlich störte. Stichwort Schulden: Nach 33,9 Millionen Euro am Ende des Jahres 1998 lag die Stadt Ende 2017 bei 35,1 Millionen. Dabei konnte die Verwaltung das Geld in den vergangenen Jahren meist gar nicht so schnell investieren, wie sie wollte.

Gewachsen ist die Hoffnung, dass die berühmten Wunstorfer Staus ein Ende finden. Für das Jahrhundert-Projekt Nordumgehung hat die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr das ganze Planfeststellungsvefahren in Eberhardts Amtszeit über die Bühne gebracht. Doch den ersehnten Spatenstich dafür wird der Bürgermeister wegen des Rechtsstreits vielleicht nicht mehr erleben. Dafür kann er im Sommer 2021 noch einmal schön beim nächsten Stadtjubiläum mitfeiern, bevor seine Amtszeit dann im November endet.

Bei einer Feierstunde in der Abtei wird Eberhardts 20-jährige Amtszeit am Mittwoch, 20. März, gewürdigt. Im Mittelpunkt stehen auch Kurt Rehkopf für 50 Jahre und Christiane Schweer für 25 Jahre im Rat.

Eberhardt gewinnt drei Wahlen deutlich

Seine drei Bürgermeisterwahlen konnte Rolf-Axel Eberhardt deutlich für sich entscheiden. Besondere Spannung gab es dabei bei der ersten 1999, weil nach dem Ende der Amtszeit von Stadtdirektor Eckhard David erstmals ein hauptamtlicher und direkt gewählter Bürgermeister gesucht wurde. Eberhardt war bis dahin Davids Stellvertreter und setzte sich in der CDU damals gegen den Ratsherrn Bernd Heidorn durch. Die SPD nominierte Hans-Joachim Bosse, der nach seiner Zeit als Kämmerer in Neustadt Wirtschaftsdezernent in Potsdam geworden war. Doch mit seiner stärkeren Wunstorf-Erfahrung setzte Eberhardt sich am 31. Januar durch –mit 64,5 Prozent der Stimmen. Am 15. März übernahm der neue Bürgermeister als Repräsentant der Stadt und Verwaltungschef seine Amtskette. Dabei wurde neben David auch der letzte ehrenamtliche Bürgermeister Georg Beier (CDU) verabschiedet.

Auch bei der Wahl am 10. September 2006 hatte Eberhardt mit dem Grünen-Politiker Karl-Heinz Girod einen Gegenkandidaten und konnte sein Ergebnis dabei steigern: Sogar 80,8 Prozent der Wähler gaben ihm ein Mandat für weitere acht Jahre. Das lief 2014 aus, doch für die Wahl am 25. Mai stellte niemand sonst einen Kandidaten auf. Trotzdem holte Eberhardt einen etwas geringeren Stimmenanteil, wofür vor allem Steinhude und Bokeloh eine Rolle spielten. Mögliche Gründe waren die Debatte um ein Ende des Steinhuder Gymnasiums und das Aus für das Frühschwimmen im Bokeloher Freibad.

Von Sven Sokoll

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