Um halb acht sind die Sektgläser alle, zwanzig Minuten später stellen sich die Frauen im Männerklo an, weil sie alle Hoffnung aufgeben müssen, in ihrem jemals rechtzeitig dranzukommen: Es herrscht Ausnahmezustand im hannoverschen Kuppelsaal. Seit Karajan und Bernstein tot sind, ist man großen Andrang in der Klassik nicht mehr gewohnt. Da kann so einer wie David Garrett schon mal alles durcheinanderbringen.
Mit Leichtigkeit hat der blonde Geigenengel den größten klassischen Konzertsaal Deutschlands ausverkauft, 3000 Menschen sind gekommen, um ihn zuzujubeln. Das fällt zunächst fast atemlos euphorisch aus. Als Garrett zum ersten Mal die Bühne betritt, geht ein Raunen durch den Saal: Er ist es, er ist es wirklich! Dann aber weicht das Erlebnis gelassener Routine. Garrett spielt die Stücke, die auch auf seiner neusten CD zu hören sind: Er hat Klassikhits wie die „Humoresque“ von Dvorák, Rachmaninows „Vocalise“ oder Montis „Czardas“ höchstselbst für Orchester (in Hannover ist das die Staatskapelle Weimar unter der Leitung von George Pehlivanian) arrangiert und den Stücken so jeden rhythmischen Biss genommen. Doch weil er selbst die Solostimme spielt und so gut aussieht und so nett ist, nimmt ihm das keiner übel.
Nach der Pause darf das Orchester zunächst allein die Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“ zum Besten geben, ehe Garrett für Mendelssohns Violinkonzert zurückkehrt. In den letzten, leisen Töne des Orchestersstücks hört man schon, wie er hinter der Bühne noch einmal seine Stimme übt. Dass ein vermeintlich so cooler Typ Nerven zeigt, ist dann auch im Violinkonzert zu hören: Wahrscheinlich hat er es bei seinem Mendelssohn-Debüt als 13-Jähriger sicherer gespielt als heute. Doch auch das macht ihn irgendwie sympathisch – und richtig spielen können schließlich auch viele andere Geiger, ein so großes Publikum begeistern dagegen nicht. Als Dank für den Applaus gibt Garrett die üblichen zwei Zugaben. Als nach dem „Karneval in Venedig“ das Licht im Saal angeht, fordert auch niemand weitere ein. Es war wohl schön genug.
von Stefan Arndt
7
Kommentare
trauriges Phänomen Cat – 26.01.10
Meinen Sie eigentlich all die vielenMenschen die David Garretts Konzerte
besuchen sind ohne Musikverstand, gehörlos und dumm? Oder lassen sich
durch Schönheit einlullen? Ich glaub
die Musik bewirkt bei den meisten Besuchern ganz etwas anderes, etwas
was Sie leider wohl nicht verstehen.
Es ist wohl besser,Sie gehen zu Ihren "Supergeiger" und wir vielen
Kunstbanausen geniessen David Garrett
Konzert Haz-Leserin – 25.01.10
Ich möchte niemanden angreifen, aber ich denke, die Diskussion gleitet etwas niveaulos ab und über die zahlreichen Rechtschreibfehler sowie Satzbau- und Interpunktionsfehler Ihrer Beiträge möchte ich mich nicht auslassen. Aus meiner Sicht war es ein unterhaltsamer Abend und deshalb habe ich die Veranstaltung auch besucht, das Orchester spielte wunderbar und David G. überzeugte mit Charme. Problematisch war aus meiner Sicht jedoch das etwas sonderbare Publikum, das mit ständiger Fotografiererei, Husterei und ihren Getränken das Gesamtambiente des Kuppelsaals schon etwas störten. Wie wäre es mit einem "Konzert-Knigge"? :)Garrett und Fans xy – 25.01.10
Wenn hier alle so viel Ahnung von Musik haben wie von Rechtschreibung und Artikulation, dann gute Nacht. Sicher gibt es bessere Geiger als Garrett, aber als Gesamtpaket funktioniert das einfach. So ist das!Peinlich war vor allem das lahme Publikum!!!
@_- R.W. – 24.01.10
Solche Kommentare sind einfach nur lächerlich und nix dahinter. Vielleicht sollten Sie Ihr Selbstbewußtsein mal überdenken.Letztendlich... markman – 24.01.10
... ist es doch egal, welche Güte dieser David hervorbringt. Es gibt eine Nachfrage nach diesem Angebot und diese wird so gestillt.Ein Großteil dieser spielt weder ein Instrument noch Noten lesen. Aber wenn Sie diese Musik so mögen, dann hat das Management das Richtige gemacht.
Nicht derjenige, der am besten spielen kann, hat den größten Erfolgt. Dazu gehört schon ein wenig mehr. Oder hat ein Abiturient mit einem Notenschnitt von 1,0 per se die Befähigung zu einem spitzen Job?
konzert von David Annette – 23.01.10
Also liebe Leute die Ihr alle so abwerdend über David redet, ich gehe sehr gerne zu seinen Konzerten und dass in Hannover gestern war doch wirklich toll.Wer das so jämmerlich dastellt hat ja wohl kein Nivau und ich frage mich,ob diese Leute wirklich Ahnung von klassischer Musik haben???Wer weiß,die Geschmäcker sind doch verschieden.Und ich höre mir auch andere Geiger an wie kendey oder Daniel Hope und die spielen auch super.
Also David Garrett zu seinen Konzerten werde ich immer wieder gehen.
empörung _ – 23.01.10
es ist erbärmlich, dass menschen ihr nicht vorhandenes selbstbewusstsein mit solchen enorm dummen kommentaren aufmöbeln wollen.@leser R.W. – 23.01.10
Damit ich Ihren Komentar besser verstehen kann, gestatten Sie mir bitte eine Frage: Haben sie Musik und Gesang studiert und spielen Sie ein Instrument? Wie auch die zuhörende Mehrheit, wird auch Musik in verschieden Kategorien eingeteilt. Es ist schon ein Unterschied einer Dixieland-Band oder einem Orchester in der Oper zu lauschen. Musik drückt Stimmungen aus und so sollte es auch beim Zuhörer wahrgenommen werden. Was also ist so verwerflich daran, wenn es jemenden gelingt da ins Schwarze zu treffen. Sicherlich gibt es eine Menge Schrott-Musik, die mit Kunst nun wirklich nichts zu tun hat und die jeder normale Mensch nur im Suff ertragen kann. Aber so sind nun mal die Menschen. Übrigens trifft man in der Oper jede Menge wohlbetuchte Spinner, die glauben, sie hätten das ganz große Musikwissen. Sind aber über ihre Schulausbildung im Blockflötenunterricht nie hinaus gekommen. Musik sollte doch einfach nur Freude machen. Für den der spielt und für den der zuhört.In diesem Sinne, ein harmonisches Wocheende.
trauriges Phänomen leser – 23.01.10
Auch wenn einige Fans aufschreien mögen und das "elitär" oder sonstwas finden - aber die Leute, die zu David Garrett gehen, haben wahrscheinlich vorher noch nie andere Geiger gehört (wenn man von André Rieu absehen mag) und sind in Bezug auf klassische Musik wahrscheinlich weitgehend ahnungslos. Das ist kein Vorwurf, aber das Phänomen, dass jemand aufgrund seines Aussehens und einer geschickten Marketing-Strategie den kommerziellen Erfolg hat, der Hunderten besserer Musiker verwehrt bleibt, ist schon traurig. Und das sagt viel aus über das "Kulturland Deutschland", wo die Leute dank meist mangelhafter Schulbildung im Bereich Musik immer weniger mit dem anfangen können, worauf andere Länder neidisch wären.Aber immerhin, lieber David Garrett als Paul Potts. Auch diesen finden alle nur deswegen so toll, weil er so eine rührende Vorgeschichte mitbringt, nicht etwa weil er singen kann - das kann wahrscheinlich jeder zweite Gesangsstudent an der Hochschule besser. Aber woher soll man das wissen, wenn man sich noch nie getraut hat, seinen Fuß in die Oper zu setzen...
Mittelmäßig? tl – 23.01.10
Ich glaube ihr habt hier alle keine Ahnung. Mittelmäßiger Geiger? Dass er eine gute Marketing-Abteilung hat stimmt wohl, ihn deswegen aber künstliche schlecht zu machen, muss dann aber nicht sein. Ist das vielleicht der Neid. Ihr spielt bestimmt viel besser...3- Liga Oper – 23.01.10
Was erwartet Ihr? Der Mann spielt für Leute, die größtenteils keine Ahnung von Musik haben. Das ist Schlager Klassik. Warum die bösartige Kritik???Der Mann ist gut. Ein Wolfgang Petry der klassik. Wo ist das Problem??
David Bongartz dr-yes – 23.01.10
Klar der David Bongartz macht Musik für den Musikantenstadl der Klassik.Nur Kommerz. - Schade eigentlich -
SUPERGEIGER :-[ Pianist – 23.01.10
Naja SUPERGEIGER.Eher mehr ein ober mittelmässiger Geiger, mit gutem Aussehen und gutem Marketing.
Lichtjahre entfernt von einem SUPERGEIGER!
Aber Brot und Spiele für das Volk!
Ein SUPERGEIGER war z.B. Yehudi Menuhin und im Vergleich zu ihm liegen Welten.
danke Nicole – 23.01.10
Es War toll!!!