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Welcher Schutz ist erforderlich?

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14:17 22.05.2019
Von Fall zu Fall: Eine Außendämmung eignet sich nicht immer. Für Häuser mit denkmalgeschützten Fassaden, Ziegelbauten oder Fachwerkgebäude bietet sich eine Innendämmung an. Quelle: Xella Deutschland GmbH/VDPM/dpa-mag
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Nach Erhebungen der Deutschen EnergieAgentur (dena) lassen sich Energieverluste durch die Dämmung von Außenwänden und Fenstern um rund zwei Drittel reduzieren. Aber was ist besser, Außen- oder Innendämmung? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. „Die Außendämmung ist bauphysikalisch die erste Wahl“, meint Hans-Joachim Riechers, Hauptgeschäftsführer des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel. Durch die außen liegende Dämmung bleibt die gesamte Wandkonstruktion im Winter warm und kann Temperaturschwankungen im Innenraum ausgleichen. Im Sommer werden die Außenwände vor starker Überhitzung durch die Sonne geschützt. Das führt dazu, dass die Innenräume nicht so schnell aufheizen und ein gleichmäßiges Innenklima entsteht.

Energieverlust vorbeugen
„Eine Außendämmung legt sich wie ein Mantel um das Mauerwerk und schützt es dadurch“, sagt Christian Stolte von der dena. „Da die Wand gut eingepackt ist, bleibt sie wärmer, und es kommt nicht zu Kondensation und damit zum Feuchtigkeitsanfall an der Wand.“ Auch Wärmebrücken, also Stellen, an denen die Wärme nach außen dringt, werden besser verhindert als bei einer Innendämmung.
Trotz dieser Vorteile ist die Außendämmung aber nicht für jedes Gebäude geeignet. „Sie verändert das äußere Erscheinungsbild des Hauses erheblich“, sagt Ines Prokop vom Verband Beratender Ingenieure (VBI). Häuser mit denkmalgeschützten Fassaden, Ziegelbauten oder Fachwerkhäuser würden mit einer Außendämmung ihren Charakter verlieren. „Für sie bietet sich eine Innendämmung an.“
Sie kann auch für Besitzer einer Eigentumswohnung eine Lösung zur Dämmung der eigenen vier Wände sein, wenn nicht die gesamte Eigentümergemeinschaft einer Dämmung der Fassade zustimmt. Für Gebäude mit Grenzbebauung oder unbeheizten Anbauten ist Stolte zufolge eine Innendämmung oft die einzige Lösung.

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Innendämmung ist aufwendiger
In den vergangenen Jahren haben sich Innendämmung und Wärmedämmputz zu ernst zu nehmenden Alternativen zur Außendämmung entwickelt. „Von den massenhaft eingesetzten Wärmedämmverbundsystemen an der Außenfassade kommt man langsam ab“, sagt Prokop. Denn es zeigten sich deutliche Nachteile: „Die Ästhetik lässt zu wünschen übrig. Außerdem können sich mit der Zeit Algen bilden, die Fassade vergraut, und die Befestigungssysteme zeichnen sich ab.“
Doch die Innendämmung ist in der Regel deutlich aufwendiger. „Die bauphysikalischen Verhältnisse sind viel komplexer“, sagt Riechers. Das Problem: Bei einer Innendämmung bleibt der Wandkörper kalt. Er kann also nicht ausgleichend auf das Raumklima wirken. Gelangt feuchte Innenraumluft in die Wand, kondensiert sie, und es entsteht Feuchtigkeit. „Zudem stellt jede an die Außenwand angrenzende Innenwand, Geschossdecke oder Bodenplatte eine Wärmebrücke dar, die sich nicht vollständig vermeiden lässt und im Vergleich zur Außendämmung höhere Verluste verursacht“, ergänzt Stolte.

Experten zurate ziehen
Umso wichtiger ist es, im Vorfeld von einem Experten bauphysikalische Berechnungen vornehmen zu lassen. „Jedes Gebäude ist anders. Welche Materialien und welche Dämmstärken infrage kommen, hängt immer vom konkreten Fall ab“, erklärt Ines Prokop. In der Regel sollte im Hausinneren die Dämmstärke gering gehalten werden, damit nicht zu viel Wohnfläche verloren geht. Je besser die Dämmwirkung ist, desto dünner kann dann auch die neue Dämmschicht sein. „Um Tauwasserschäden zu vermeiden, müssen die Nutzer für ein angepasstes Heizungs- und Lüftungsverhalten sensibilisiert werden“, sagt Prokop.

dpa/tmn

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