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Neues Immobiliengesetz zum Käuferschutz verfehlt Ziel

Neues Immobiliengesetz zum Käuferschutz verfehlt Ziel

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13:26 19.06.2020
Quelle: iStockphoto.com/venuestock
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Ein eigenes Heim steht bei vielen jungen Paaren und Familien ganz oben auf der Wunschliste. Doch aufgrund der stetig steigenden Immobilienpreise, besonders in den Städten, ist dieser Traum oft außer Reichweite. Das liegt unter anderem daran, dass über die Jahre hinweg nicht nur die Immobilienpreise gestiegen sind, sondern auch die nicht durch Kredite finanzierbaren Kaufnebenkosten. Zu diesen gehört auch die Maklerprovision.

Entlastung für angehende Eigentümer?

Ab 2021 müssen Immobilienkäufer nur noch maximal die Hälfte der Maklerprovision übernehmen. In dem vom Bundestag verabschiedeten „Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser“, dem am 5. Juni 2020 auch der Bundesrat zugestimmt hat, ist festgelegt, dass die Maklerkosten nur noch bis zu einer Obergrenze von 50 Prozent an den Käufer weitergegeben werden dürfen. Beauftragt der Verkäufer den Makler, dann kann die Beteiligung sogar noch geringer ausfallen. „Durch die neuen Regeln erleichtern wir jungen Menschen und Familien die Bildung von Wohneigentum“, erklärte Justizministerin Christine Lambrecht (SPD). Außerdem verpflichtet das neue Gesetz den Käufer erst dann zur Zahlung, wenn der Verkäufer seinerseits nachweist, dass er den Anteil an der Maklerprovision gezahlt hat. 

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Vereinheitlichung soll Vorteile schaffen

Bisher war in Deutschland nicht einheitlich festgelegt, wer für diese Kosten aufkommt. Regelungen waren von Bundesland zu Bundesland anders. In Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gab es bereits ähnliche Maßnahmen. Immobilienanwärter aus Niedersachsen, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Hessen mussten jedoch oft die ganze Maklerprovision bezahlen und sollten aus diesem Grund am meisten von dem neuen Gesetz profitieren. Zwar sind die Courtagen verhandelbar, doch oft betragen sie 4 bis 6 Prozent des Kaufpreises. Das bedeutet, dass Immobilienkäufer in diesen Bundesländern noch einmal bis zu 7,19 Prozent des Kaufpreises aufbringen mussten, allein um den Makler zu entlohnen. Dazu kamen weitere Kaufnebenkosten wie zum Beispiel die Grunderwerbssteuer.

Laut dem Gesetzentwurf der Bunderegierung zielen die beschlossenen Änderungen bezüglich der Maklerkosten darauf ab, „durch bundesweit einheitliche und verbindliche Regelungen die Transparenz und Rechtssicherheit bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser zu erhöhen und die Käufer vor der Ausnutzung einer faktischen Zwangslage zu schützen“. Eine Senkung der Kaufnebenkosten beim Erwerb einer Immobilie soll die Folge sein – so zumindest die Theorie. Doch wird das in der Praxis auch tatsächlich so funktionieren? 

Zusätzliche finanzielle Belastung für Immobilienkäufer

Was als Entlastung gedacht war, könnte am Ende sogar dafür sorgen, dass die oft jungen Paare und Familien, die sich für eine Immobilie interessieren, für deren Erwerb noch tiefer in die Tasche greifen müssen als bisher. Denn Immobilienverkäufer haben immer noch die Möglichkeit, die ihnen entstehenden Maklerkosten einfach über den Verkaufspreis auf die Käufer abzuwälzen. Diese „verborgenen“ Maklerkosten würden die Kaufpreise weiter ansteigen lassen und somit automatisch auch die prozentual berechneten Kaufnebenkosten in die Höhe treiben. Angehende Immobilienbesitzer wären gezwungen, noch höhere Kredite aufzunehmen, für die sie wiederum mehr Zinsen zahlen müssten.

Schon vor der Verabschiedung des Gesetzes warnte die FDP-Bundestagsabgeordnete Katharina Willkomm vor diesem Szenario: „Die Verkäufer werden ihren Anteil auf den Kaufpreis aufschlagen – das Gesetz wird keine Entlastung bringen.“ Das neue Gesetz könnte also gerade für all diejenigen, zu deren Vorteil es verabschiedet wurde, am Ende zu einem großen Nachteil werden, während Immobilienverkäufer und Immobilienmakler noch mehr Geld verdienen.

Beispielrechnungen

Man beachte: Durch den höheren Immobilienpreis wird nicht nur die Maklerprovision teuer, auch alle anderen Kaufnebenkosten werden erhöht.

So sieht das auch Taner Tavli, Immobilienmakler bei City Immobilienmakler in Hannover. „Verkäufer werden ihren Provisionsanteil auf den Immobilienkaufpreis draufschlagen und ihn somit indirekt weiterhin auf die Käufer abwälzen. Die Gefahr ist groß, dass die Preise steigen“, prognostiziert der Experte und gibt zu bedenken: „Die Käufer werden die Einzigen sein, die aus dieser Gesetzesänderung einen Nachteil ziehen. Diese Preiserhöhungen bedeuten, dass sich für Immobilienverkäufer de facto nichts ändert. Der Staat nimmt durch sie mehr Grunderwerbssteuer ein, die Immobilienmakler erhalten höhere Provisionen und die Banken verdienen mehr an Krediten. Die Käufer aber müssen mehr bezahlen – und damit hat dieses Gesetz sein Ziel eindeutig verfehlt.“

Kontakt

Quelle: City Immobilienmakler GmbH

Immobilienmakler
Taner Tavli
Region Hannover

City Immobilienmakler GmbH
Sokelantstr. 5
30165 Hannover 

TEL.: 0511 13221100
FAX:  0511 13221120
MOBIL: 0176 61476279

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