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Spielzeit Juni 2019 Kurioses und Morbides unter der Zuckerkruste
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15:02 25.04.2019
Bei den Proben zu  „1-2-3… Ein Walzertrauma“: Denis Piza und Laura Viganó. Quelle: Gert Weigelt

1-2-3 … EIN WALZERTRAUMA

Ballett von Jörg Mannes
Musik: Johann Strauss, Wolfgang Rihm, Neue Wiener Concert Schrammeln u. a.

Choreografie Jörg Mannes Bühne Thomas Rupert Kostüme Rosa Ana Chanzá Licht Sascha Zauner Dramaturgie Brigitte Knöß
Ballett der Staatsoper  Hannover
Uraufführung Sonnabend, 18. Mai, 19.30 Uhr

Mit sarkastischem Vergnügen greift der Ballettdirektor in den reichen Fundus persönlicher Erinnerungen an seine Geburtsstadt Wien. Ihr Charme und ihre Walzerseligkeit treten ebenso in Erscheinung wie ihre Morbidität und ihr bissiger Humor.
Der Walzer war in seinen Anfängen als derb und unmoralisch verschrien. Mancherorts galt sogar Tanzverbot, denn man „walzte“ paarweise in geschlossener Haltung. Und doch setzte sich der Tanz der einfachen Leute schließlich gegen das aristokratisch formelle Menuett durch: Beim Wiener Kongress 1814 hielt sich die internationale Gesellschaft im Arm und drehte sich im Dreivierteltakt auf dem Tanzparkett. Der Walzer war à la mode. Und noch 200 Jahre später klingt vielen das Kommando „Alles Walzer!“ wie eine Verheißung. In jeder Ballsaison strömen Menschen aus aller Welt in die Donaumetropole, um wenigstens einmal ihren Walzertraum zu erleben.
Er ist nicht nur Wiener, sondern auch ein ehemaliger Zögling der renommierten Ballettschule und Tänzer im Ensemble der Wiener Staatsoper – dem Ballettchef Jörg Mannes liegt der Walzer im Blut. Doch in seinem neuen Ballett geht es weniger um die schwarz-weiße Opernball-Variante, als vielmehr um den wandelbaren Charakter und den Farbenreichtum des Walzers, wie Mannes’ Musikauswahl von Johann Strauss über Arnold Schönberg und Sergej Prokofjew bis zu Wolfgang Rihm deutlich macht. Um sein Wiener Stimmungsbild anzureichern, entschied sich der Choreograf für musikalische Heterogenität. Ludwig van Beethoven ist in der Playlist ebenso vertreten wie Ernst Molden, die Neuen Wiener Concert Schrammeln und Filmmusiken von Jóhann Jóhannsson und Max Richter.

Im Ballettstudio: Michéle Stéphanie Seydoux und Steffi Waschina Quelle: Gert Weigelt

Seiner Heimat fühlt sich Mannes noch immer verbunden, obwohl er sie schon mit Anfang Zwanzig verlassen hat. Er gibt zu, bei Besuchen manches zu genießen, was er früher als nebensächlich ansah. Aber die Stadt als solche habe sich in seiner Erinnerung absolut nicht verklärt, wie er selbst ohne Bedauern feststellt: „Wien hat eine Schauseite, die man als Außenstehender für ihren wahren Charakter hält. Erst bei näherer Betrachtung erkennt man unter der Oberfläche dieser glänzenden Zuckerkruste einen Zustand der Verkommenheit, von Schimmel und Verfall. Dieser grundsätzliche Widerspruch manifestiert sich in Parallelwelten, die allerdings recht friedlich koexistieren.

O du lieber Augustin

Volkslied –  Wien um 1800

O du lieber Augustin, Augustin, Augustin,
O du lieber Augustin, alles ist hin.
Geld ist weg,  Mäd’l ist weg,
Alles hin, Augustin.
O du lieber Augustin,
Alles ist hin.
Rock ist weg, Stock ist weg,
Augustin liegt im Dreck,
O du lieber Augustin,
Alles ist hin.
Und selbst das reiche Wien,
Hin ist’s wie Augustin;
Weint mit mir im gleichen Sinn,
Alles ist hin!
Jeder Tag war ein Fest,
Und was jetzt? Pest, die Pest!
Nur ein groß’ Leichenfest,
Das ist der Rest.
Augustin, Augustin,
Leg’ nur ins Grab dich hin!
O du lieber Augustin,
Alles ist hin!

Dazu gehören das ironische Spiel mit der Doppelbödigkeit, ein lustvoller Umgang mit der allgegenwärtigen Morbidität und ein sarkastischer Humor, der Tod und Teufel nicht fürchtet.“ Weit entfernt von Nostalgie erzählt Jörg Mannes in seinem neuen Ballett keine „Wiener G’schichten“. Stattdessen ermöglichen seine persönlichen Bezüge einen besonderen Blick auf die Stadt. Ihre omnipräsente Geschichte, Kunst, Literatur und Musik ebenso wie Filmzitate lässt Mannes schlaglichtartig aufscheinen. Aus der Vielzahl seiner Impressionen und Erinnerungen entstehen Figuren, Bilder und Szenen, überraschende Einsichten und Ausblicke eröffnen sich.

Österreichs heimliche Hymne: An der schönen blauen Donau

Konzertwalzer von  Johann Strauss,  Sohn (1867)
Text von Franz von Gernerth (1890)

Donau so blau,
so schön und blau
durch Tal und Au
wogst ruhig du hin,
dich grüßt unser Wien.
Dein silbernes Band
knüpft Land an Land,
und fröhliche  Herzen schlagen
an deinem schönen Strand. (Ausschnitt)

Auf der Suche nach Echtheit trifft Mannes’ schwarzer Humor den schönen Schein und entdeckt Falschheit und Vergänglichkeit ebenso wie Kurioses und Liebenswertes – damals in der k.-u-k.- Monarchie genauso wie hier und jetzt.
Mit „1–2–3 … Ein Walzertrauma“ hat der Ballettdirektor wieder einmal ein ausgesprochenes Ensemblestück geschaffen. Jörg Mannes Begeisterung für die 13-jährige kreative Zusammenarbeit ist unüberhörbar: „Es lag mir daran, das reiche Potenzial meiner Kompanie zur Geltung zu bringen. Die Vielfalt an Fähigkeiten und an Farben, über die die Tänzerinnen und Tänzer verfügen, lustvoll auszuloten, ist immer wieder eine Herausforderung, aber vor allem ein großes Vergnügen. Natürlich hoffe ich, dass es uns gelingt, diese gemeinsame Erfahrung, die wir tagtäglich miteinander teilen dürfen, auch an unser Publikum weiterzugeben.“   Brigitte Knöß

Tanzende Irrlichter

Der Club TANZ feiert mit NachtSchattenGeschöpfe Premiere.

Der Club TANZ probt im Ballettsaal der Staatsoper. Quelle: Louise Dunger

Nachts im verzauberten Wald, die Nebelschwaden wabern zwischen den Bäumen umher und einige Irrlichter blinken zwischen den Zweigen auf. Welche Geschöpfe der Nacht verbergen sich sonst noch in dieser zauberhaften Umgebung und treiben hier ihr Unwesen? Dieser Frage gehen 15 Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren seit September beim Club TANZ nach. Wöchentlich treffen sie sich mit Tanztheater- pädagogin Bettina Stieler im kleinen Ballettsaal der Staatsoper.
Für ihre neue Produktion „NachtSchattenGeschöpfe“ ha- ben die Jugendlichen zu Beginn eigene persönliche Geschichten geschrieben, die sie dann in Soli, Duetten und größeren Formationen tänzerisch umsetzten. Entstanden sind einzelne Szenen, wie „Gestengeschichten“ oder „Zauberwald“. In diesen Szenen tollen die Unwesen spielerisch im Wald herum, oder halten ihre mysteriösen Rituale ab. Doch bei den heimlichen nächtlichen Herrschern des Waldes kann die Stimmung blitzschnell umschlagen. Dann wirken sie plötzlich bedrohlich und belegen sich gegenseitig mit Flüchen, die sie zu Marionetten machen.

Premiere ist am 10. Mai, um 18 Uhr, auf der Probebühne  2. Vorstellungen am 11. Mai um 18 Uhr und am 12. Mai  um 17 Uhr.

Die Krönung der Poppea hat am 7. Juni im Opernhaus Premiere.

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Abschied von Heini

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