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Algorithmische Kompositionen

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15:50 02.06.2020
Komplizierte Musikmuster werden zu Bewegung: Die Tänzerinnen Lou Thabart und Natasa Dudar in "Toothpicks" Quelle: Ida Zenna
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Ein Tanzstück, das als Austausch von Machtdynamiken zwischen zwei Individuen strukturiert ist und die in der Ballettszene üblichen Geschlechterkonventionen bewusst ablehnt: „Toothpicks“ ist ein siebenminütiges Duett, das ursprünglich für eine Ballettgala choreografiert wurde, die im vergangenen Sommer im Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg uraufgeführt wurde. „Mein Ansatz zusammen mit den beiden Tänzerinnen Lou Thabart und Natasa Dudar, derzeit Tänzerinnen am Leipziger Ballett, bestand darin, mit der Homogenität und den Stereotypen zu brechen, die bei dieser Art von klassischen Ballettveranstaltungen üblich sind.“ 

Francisco Baños Diaz betrachtet sich selbst als einen multidisziplinären Künstler. „Ich bin Choreograf und Tänzer, aber seit sechs Jahren auch Musiker und DJ. Aus diesem Grund habe ich ein tiefes Interesse und Verständnis für Prozesse in der elektronischen Musik. Besonders interessieren mich komplexe Vorgänge, wie die algorithmische Komposition in der Musik, in eine Art menschliche Körperlichkeit zu übersetzen.“ Die Choreografie „Toothpicks“ ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Rian Treanor, einem britischen experimentellen Musiker, dessen Schwerpunkt auf unkonventioneller elektronischer Tanzmusik liegt. Treanor arbeitet wie viele Künstler der Post-Internet-Ära, indem er bereits vorhandene Elemente rekontextualisiert und kombiniert. Klänge, die bereits vor 20 oder 30 Jahren existierten, werden durch computergestützte algorithmische Komposition verarbeitet und in neue zeitgenössische Formen zurückgebracht. Für „Toothpicks“ dekonstruierte Treanor die 80er-Jahre-Pop-Hymne „Oh Yeah“ von Yello und arrangierte Samples, bis der Song nicht mehr wiederzuerkennen war.

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„Meine Aufgabe war es, die Choreografie mit einem ähnlichen Ansatz anzugehen. An den dekonstruierenden Prozess in der Musik angelehnt, gestalte ich verschiedene Aufgaben, bei denen die Tänzerinnen diese komplizierten Musikmuster so präzise wie möglich verkörpern. Das erfordert viel Vertrauen und Ausdauer, bis diese maschinenähnliche musikalische Qualität in den Bewegungen erreicht ist. Dieser Prozess verdeutlicht den Kontrast zwischen der Zerbrechlichkeit der menschlichen Körperlichkeit und der Komplexität dieser mathematischen, computergenerierten Muster.“

Francisco Baños Diaz wurde 1991 in Murcia (Spanien) geboren. Er begann sein Tanzstudium in seiner spanischen Heimatstadt und setzte es drei Jahre lang an der Nationalen Ballettschule Kanadas (Toronto) fort. Als Tänzer arbeitete er bereits von 2011 bis 2015 an der Staatsoper Hannover und ist nach vier Jahren am Leipziger Ballett derzeit wieder am Staatsballett Hannover unter der Leitung von Marco Goecke engagiert. 

Als Choreograf wurden seine Stücke unter anderem am Grand Theater Luxemburg, im Lofft Theater Leipzig und beim Balance Festival Leipzig aufgeführt. Als DJ ist er derzeit Mitglied von „soft spot“, einem DJ-Kollektiv aus Frauen, Männern und LGBTIQA+ in Hannover, das sich zum Ziel gesetzt hat, Räume für experimentelle, elektronische Klänge & queer-feministische Politik auf und abseits der Tanzfläche zu öffnen.

Weitere Informationen

Der 34. Internationale Wettbewerb für Choreographie der Ballett Gesellschaft Hannover findet dieses Jahr vom 1. bis 7. Juni online statt unter www.ballettgesellschaft.de. Mehr dazu auf lesen Sie hier.

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