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Auf den Gipfel!

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18:10 27.09.2019
Constantin Trinks Quelle: Nancy Horowitz

2. Sinfoniekonzert

Anton Bruckner (1824–1896)
Sinfonie Nr. 8 c-Moll (Fassung Robert Haas)
 
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Dirigent: Constantin Trinks

Sonntag, 27. Oktober, 17 Uhr
Montag, 28. Oktober, 19.30 Uhr
Einführung mit Constantin Trinks jeweils 45 Minuten vor dem Konzert 

Die Sinfonien Anton Bruckners sind monumentale Gipfel des Konzertrepertoires, Mark- und Prüfstein für jeden großen Klangkörper. Ihre Aufführungen können religiöse oder mindestens meditative Dimensionen annehmen. Lauscht man einer Bruckner-Sinfonie, macht man die Erfahrung von Zeit – ihrer Ausdehnung, ihrer Unterteilung in musikalische      Entwicklungen. Lauscht man einer Bruckner-Sinfonie, macht man auch die Erfahrung von Raum – des Klangraums Orchester mit seinen verschiedenen Gruppen, aber auch des Raumklangs, der durch Brucknersche Klangballungen oft genug an seine Grenzen kommt. Welch ein Glücksmoment, wenn dieser Gipfel unter sachkundiger Führung erklommen wird und sich die Aussicht auf die weite musikalische Landschaft bietet. Dies gilt erst recht für Bruckners Achte, die längste zu Lebzeiten des Komponisten veröffentlichte Sinfonie – wenn ihre Einspieldauer auch die erstaunliche Spannweite von 75 (Eugen Jochum) bis 104 Minuten (Sergiu Celibidache) aufweist.
Für ihre Form hat Anton Bruckner bemerkenswerte Abweichungen von der eigenen sinfonischen Norm gefunden. Dynamische Kontraste werden schroff gegeneinandergestellt, Steigerungswellen abgebrochen, Bezüge der Tonarten bis zur Unkenntlichkeit ausgeweitet, Rhythmen entfalten ein Eigenleben. Aus dem prachtvollen Orchesterklang treten ungewöhnliche Farben hervor, wie etwa die einzigen je von Bruckner geforderten Harfen. Auch die Übereinanderschichtung der Hauptthemen aller vier Sätze zum Schluss des großen Finales offenbart zwar handwerkliche Meisterschaft, ist aber zugleich unerhört und radikal. So erscheint heute die ganze Sinfonie: radikal in der Ausdehnung und in der Aussage, radikal im Anspruch an Kondition und Konzentration von Orchester, Dirigent und Publikum. Aber auch ein Glücksfall für alle drei, zumal bei einem so Bruckner-
erfahrenen Klangkörper wie dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover.
Am Pult steht Constantin Trinks, der nach der gefeierten Eröffnungspremiere „La Juive“ nun als Konzertdirigent zu erleben ist. Bei Bruckners Achter kommt seine große Affinität zur deutschen Romantik zum Tragen. Carl Maria von Weber, Richard Wagner und Richard Strauss sind die Fixsterne seiner musikalischen Arbeit, in der er Einsichten der historischen Aufführungspraxis mit einer starken romantischen Linie zu verbinden sucht. Hierbei verdankt er den Dirigenten Thomas Hengelbrock und Christian Thielemann wichtige Anregungen.
Nach festen Positionen in Saarbrücken und Darmstadt ist Trinks inzwischen international als Opern- und Konzertdirigent unterwegs, von Seattle bis Tokio, von Oslo über München, Dresden und Wien bis Rom.  

Swantje Köhnecke

Typisch Bruckner: Die Frage nach der Fassung

Neun Sinfonien hat Anton Bruckner (Bild) geschrieben, und bei jeder einzelnen stellt sich die Frage nach der Fassung. Denn Bruckner war lange Jahre so erfolglos (und dadurch so verunsichert), dass er regelmäßig versucht hat, seine Sinfonien in Überarbeitungen zu verbessern. So sind die Erstfassungen seiner Sinfonien meist ursprünglicher, origineller, aber auch ungeglätteter und schroffer als die Überarbeitungen.
Der Fall der Achten liegt komplizierter. Von ihr gibt es mindestens drei Fassungen: zwei Fassungen aus Bruckners Hand, die erste von 1887, die zweite von 1890. In letzterer wurde das Werk 1892 durch die Wiener Philharmoniker uraufgeführt – einer der größten Triumphe seines Lebens.
1939 erschien die sogenannte „Mischfassung“ des Bruckner-Forschers Robert Haas. Ihr haben so unterschiedliche Dirigenten wie Herbert von Karajan oder Pierre Boulez den Vorzug gegeben. Auch Constantin Trinks hat sich für diese Version entschieden und schätzt an ihr die Verbindung beider original Brucknerschen Fassungen. Dies geschieht ungeachtet der politischen Orientierung des Herausgebers: Robert Haas (1886–1960), Herausgeber der ersten Gesamtausgabe der Bruckner-Sinfonien und Autor einer Bruckner-Monografie, war strammer Nationalsozialist. Bereits 1933 wurde er in Österreich NSDAP-Mitglied, nach dem Krieg wurde ihm deshalb die Lehrerlaubnis entzogen.

Typisch Hannover? Bruckner beim Staatsorchester
Elfmal erklang Bruckner in den letzten 25 Jahren im Sinfoniekonzert, die monumentale Achte zuletzt im Juli 2005, unter der Leitung von Stefan Blunier. Das Orchester kann auf eine lange Geschichte mit Bruckners Werken zurückblicken, bereits zu Bruckners Lebzeiten kamen seine Werke im Opernhaus aufs Programm. Die groß dimensionierte Achte wurde zum ersten Mal im Jahr 1913 gespielt, unter der Leitung von Kapellmeister Karl Gille. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich eine regelrechte Bruckner-Tradition, mit zwei Aufführungen unter der Leitung des Komponisten Paul Hindemith, 1956 (Nr. 6) und 1958 (Nr. 4), sowie schließlich in der Zeit des Generalmusikdirektors Günter Wich Anfang der 1960er-Jahre, für den Bruckner ein Schwerpunkt im Konzertrepertoire war.

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