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Auf ein Wort

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Quelle: Regina Brocke

Wie wählen Sie die Choreografinnen und Choreografen für Ihre mehrteiligen Ballettabende aus?
Künstlerische Entscheidungen werden manchmal aus einem Impuls, aus einem kleinen Blitzerlebnis heraus getroffen. Zum Beispiel, wenn ich eine Arbeit von jemandem sehe, die mich sofort anspricht, die mir in ihrer Ehrlichkeit und Ästhetik sofort ein Erlebnis bietet.

Die Tanzlegende Jiří Kylián kennen Sie schon länger?
Meine Beziehung zu Kylián ist auch eine freundschaftliche. Als ich jünger war, war er ein Mentor für mich. Das war für mich damals, als junger Choreograf, ein großes Geschenk, dass er meine Arbeit goutiert hat und sie bis heute mag. Er ist ein Meister, ich bin mit seiner Arbeit groß geworden. Seine Arbeit hat uns alle beeinflusst und den Tanz verändert, deshalb möchte ich sie hier zeigen.

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Sie haben Juliano Nuñes für seine Neukreation „Moonlight“ die „Carte blanche“ des Abends gegeben. Warum?
Ich habe Juliano Nuñes eine „Carte blanche“gegeben, also Handlungsfreiheit gegeben, weil sie das Kreativste und Aufregendste ist, das man einem jungen Choreografen geben kann. Ich habe in meinem Leben viele solcher Chancen bekommen. Alle haben eigene Ideen, alle wollen sich verwirklichen und ich habe die Möglichkeit zur Umsetzung bekommen, als ich jung war. Deshalb ist es für mich heute besonders wichtig, selbst „Carte blanches“ zu geben.

Ist Rastlosigkeit ein Phänomen der heutigen Zeit?
Sicherlich sind wir heute rastloser als früher. Früher hat man wochenlang auf einen Brief gewartet, heute geht alles viel schneller. Rastlosigkeit ist vielleicht auch gar nicht nur negativ konnotiert, sondern heißt auch, immer wieder etwas zu suchen. Rastlos zu sein, weil man es nicht gefunden hat und sehr wahrscheinlich auch niemals finden wird. In der Rastlosigkeit liegt ja auch ein großer Hunger, immer wieder etwas neu zu entdecken, immer wieder zu spielen und immer wieder etwas zu formen.

„Rastlos“ ist die erste Premiere dieser Saison. Worauf kann sich das Publikum nach der langen Tanzpause freuen?
Die Ansprüche im Moment sind ganz andere geworden. Worauf wir uns im Moment immer wieder freuen können, ist, dass überhaupt wieder etwas stattfindet; dass wir tanzen können, dass wir uns begegnen dürfen. Tanz würde auch in den letzten Trümmern einen Weg finden. Tanz ist Leben, Tanz ist Bewegung. Das ist eigentlich das Wichtige – dass der Tanz immer weitergeht. Wir sind sehr dankbar in diesen Zeiten, im Rahmen des neuen Ballettabends „Rastlos“, Tanz auf Weltniveau präsentieren zu dürfen.

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Spielzeit Oktober 2020 - Szene - Magische Welten