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Die Blechbläser des Staatsorchesters spielen Rautavaaras "Requiem in our time" Quelle: Ralf Mohr

Vom 15-köpfigen Kammerorchester über ein Blechbläserensemble mit Schlagzeug bis zum Klangkörper aus 23 Solostreichern: In seinem zweiten Sinfoniekonzert als Chefdirigent des Niedersächsischen Staatsorchesters macht Stephan Zilias aus der Corona-Not eine Tugend und bringt das große Orchester in Gruppen auf die Bühne. 49 Musikerinnen und Musiker aus allen Instrumentenfamilien spielen in diversen Formationen.
Zu hören sind kleiner besetzte Kostbarkeiten, die im Sinfoniekonzert selten Raum haben: ein stilistisch abwechslungsreiches, vielfarbiges Programm des 20. Jahrhunderts. Dabei machen alle drei Komponisten – so unterschiedlich sie in Alter, Herkunft und Klanglichkeit auch sind – die musikalische Vergangenheit lebendig und lassen hören, wie alte Musik und alte Formen zeitgenössisch klingen können, in ihrer Zeit. Für unsere Zeit wird die Musik gegenwärtig in der live musizierten Aufführung – im Jahr 2020 auch keine Selbstverständlichkeit!
Richard Strauss’ „Metamorphosen“ für 23 Solostreicher, 1945 komponiert, sind ein Alterswerk und Abgesang auf die Spätromantik angesichts einer in Trümmern liegenden Welt nach dem Zweiten Weltkrieg. Als großer Klagegesang strömt seine Musik dahin und mündet im Zitat der ersten Takte des Trauermarschs aus Beethovens 3. Sinfonie, „In Memoriam!“. Für die Geigerinnen und Bratschisten, Cellistinnen und Kontrabassisten des Staatsorchesters wäre die solistische Aufstellung mit jeweils einem eigenen Pult und einer eigenen Stimme bis vor Kurzem ungewohnt gewesen; seit Ausbruch der Pandemie haben die Distanzregeln fürs Orchesterspiel daraus geübten Alltag gemacht.
Ähnlich stimmungs- und wirkungsvoll ist das „Requiem in our time“ für 13 Blechbläser, Pauke und Schlagwerk, das der finnische Komponist
Einojuhani Rautavaara nur acht Jahre später als Student in Helsinki schrieb. Im Gedenken an seine früh verstorbene Mutter entstand die Folge von vier geistlich anmutenden Sätzen: Hymnus, Credo et dubito („Ich glaube und zweifle“), Dies Irae und Lacrymosa, die sich an Form und Ausdruck der lateinischen Totenmesse anlehnt.
Igor Strawinsky hat in seinem langen Komponistenleben die verschiedensten musikalischen Vorbilder und Einflüsse verarbeitet. Das Konzert wird gerahmt von zwei Werken seiner neoklassizistischen Phase: das Konzert „Dumbarton Oaks“ für Kammerorchester und die Orchestersuite aus seiner Ballettmusik „Pulcinella“. Während Ersteres die moderne Variante eines heiteren barocken Concerto grosso zu sein scheint, verarbeitete Strawinsky in „Pulcinella“, 1920 in Paris uraufgeführt, konkrete Musikstücke des 18. Jahrhunderts in der Tradition der Commedia dell’arte. Dachte Strawinsky noch, es handele sich um Musik von Giovanni Battista Pergolesi, stellte sich später heraus, dass die Quellen, die Choreograf Sergei Diaghilew aus Bibliotheken in London und Neapel mitgebracht hatte, aus der Feder von unbekannteren Komponisten stammten. Strawinsky kleidet die historische Musik in ein modernes Gewand – die Form bleibt dieselbe, doch Farbe, Dichte, Rhythmik und Harmonie sind verwandelt.

Swantje Köhnecke

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Die Konzerteinführung und ein Podcast mit Chefdirigent Stephan Zilias zum Konzert sind online auf der Internetseite der Staatsoper zu hören.

Weitere Informationen

2. Sinfoniekonzert „IN OUR TIME“
Igor Strawinsky (1882-1971)
Konzert für Kammerorchester Es-Dur „Dumbarton Oaks“
Richard Strauss (1864-1949)
„Metamorphosen“ für 23 Solostreicher
Einojuhani Rautavaara (1928-2006)
„A Requiem in our time“ op. 3 für 13 Blechbläser und Schlagzeug
Igor Strawinsky
„Pulcinella“-Suite
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Dirigent: Stephan Zilias
Sonntag, 1. November, 11 und 17 Uhr, Opernhaus
Montag, 2. November, 19.30 Uhr, Opernhaus

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