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Chansons liebt sie besonders

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10:26 31.01.2020
Carmen Fuggis debütiert in Georg Kreislers One-Woman-Musical Heute Abend: Lola Blau im Ballhof Zwei. Quelle: Sven Marquardt
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HEUTE ABEND: LOLA BLAU

von Georg Kreisler

Musikalische Leitung: Maxim Böckelmann Inszenierung: Claudia Isabel Martin Bühne, Kostüme: Julia Berndt Lola Blau: Carmen Fuggis Dramaturgie: Julia Huebner Musiktheatervermittlung: Kirsten Corbett

Lola Blau: Carmen Fuggiss
Am Klavier: Maxim Böckelmann

Premiere: Sonnabend, 29. Februar, 19.30 Uhr, im Ballhof Zwei

Lyrisch und witzig, komplex und quicklebendig – seit 1993 begeistert Carmen Fuggiss das Publikum als Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover. In dieser Saison steht sie bereits als spröde spanische Hofdame Gräfin Inez Ramirez in „Märchen im Grand Hotel“ und als flinke Ärztin Berta in „Der Barbier von Sevilla“ auf der Bühne. Jeder dieser kleinen, aber feinen Partien hat sie die nötige komische Schärfe und Grandezza verliehen. Nun folgt ein Abend, der nur für sie ins Programm genommen wurde: Die Sängerin ist in der Titelpartie von Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ im Ballhof Zwei zu erleben.

Für Carmen Fuggiss ist es nicht die erste Begegnung mit Georg Kreisler, dem sprachmächtigen Grandseigneur des schwarzen, oft apokalyptischen Chansons. Einzelne seiner Lieder hat sie bereits mit großer Freude gesungen, darunter ihren Favoriten „Der Tod, das muss ein Wiener sein“ – diesen berühmten Titel interpretierte Carmen Fuggiss bei einem Silvesterkonzert. Denn an das Ende eines Wiener-Walzer-seligen Konzerts zum Neujahrswechsel gehöre auch eine Portion Kreisler, findet sie. „Für die düstere, schwarzhumorige Seite.“ Außerdem hat sie ein Faible für das Österreichische: „Bei dem Akzent, da werde ich schwach.“

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Lange Zeit war die Sopranistin auf das klassische Repertoire festgelegt. Ihr „künstlerisches Hauptleben“, wie sie es selbst nennt, war von Mozart und Strauss geprägt. Am häufigsten hat sie die Partie der Zerbinetta, die spielfreudige Koloratur-Komödiantin mit den atemberaubenden Spitzentönen aus Richard Strauss’ Künstleroper „Ariadne auf Naxos“ gesungen. Daneben war sie in Uraufführungen Neuer Musik zu erleben, etwa in „Die Eroberung von Mexiko“ und „Hamletmaschine“ von Wolfgang Rihm, in Stücken von Aribert Reimann und Luigi Nono.

Deshalb war es für Carmen Fuggis  zunächst eher befremdlich, Chansons zu singen: „Aber inhaltlich-darstellerisch ist die Zerbinetta für mich eher ein moderner, weiblicher Charakter, wie er in Operetten und Chansons der 1920er und frühen 30er vorherrschte. Spielerisch und selbstbestimmt.“

Ihre Einstiegsdroge in die Chanson-Arbeit, gesteht Carmen Fuggiss, war der Fred-Raymond-Klassiker „Bei dir war es immer so schön“. Beim gemeinsamen Musizieren mit ihrem Ehemann, dem britischen Dirigenten und Pianisten Jonathan Seers, habe sie Spaß daran bekommen, andere Farben und Facetten auszuprobieren.

„Die klassischen Lieder bei einem Liederabend erreichen das Herz, die Chansons sind für den Esprit, den Humor, den wachen Geist“, findet sie. In „Lola Blau“ berührt Carmen
Fuggiss die Geschichte einer aufstrebenden jungen Künstlerin, die mit großer Lebenslust hinaus in die Welt ziehen möchte. Aber mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ist Lolas Zukunft zerstört. Zwar kann sie sich ins Exil retten, doch die Entwurzelung der Künstlerin ist vorprogrammiert.

 Und manchmal verschwimmen Realität und Fiktion in der Oper: Auf der Bühne des Linzer Theaters, wo die Titelfigur Lola in Kreislers Stück ihr bereits besiegeltes Engagement 1938 als Jüdin nicht mehr antreten kann, durfte Carmen Fuggiss real einen großen Erfolg feiern – in ihrer Paraderolle als Zerbinetta. Im Ballhof trifft die Künstlerin Carmen Fuggiss nun auf Kreislers Künstlerin Lola Blau.Julia Huebner

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