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Spielzeit „Da schlummert ein utopisches Potenzial!“
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„Da schlummert ein utopisches Potenzial!“

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16:43 30.09.2019
Ruby Commey und Caroline Junghanns Quelle: Kerstin Schomburg

THE WRITER

von Ella Hickson

Regie: Friederike Heller

Deutschsprachige Erstaufführung:
9. Oktober, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus

Frau Heller,  „The Writer“ wird zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum aufgeführt und ist letztes Jahr sehr erfolgreich in London gelaufen. Wie sind Sie zu diesem Stück gekommen?

Wie das so ist: Ich habe dies und das gelesen, wir haben über verschiedene Stoffe und Titel gesprochen und dann kam dieses Stück aufs Tapet. Es hat mich gepackt. Ich habe mich schon beim ersten Lesen richtig amüsiert.

Das Stück gilt als das Stück der Stunde zur #MeToo-Debatte, es geht um Machtmissbrauch am Theater und um den Versuch, diesen Strukturen im Schreiben zu entkommen. Das hört sich erst mal nicht amüsant an. Woher kam die Freude beim Lesen?

Aus den tollen Dialogen. Das Stück lebt von den starken Schlagabtäuschen der Figuren, aber auch von seinen offensiven strukturellen Setzungen. Man denkt, dass man die Situation verstanden hat, dann schlägt es einen Haken und man verliert die Orientierung, und wenn man glaubt, jetzt habe man es wirklich verstanden, steht man plötzlich buchstäblich im Wald. Das Stück ist wie ein schillernder Kreisel.

Ella Hickson verarbeitet in „The Writer“ ihre eigenen Erfahrungen als junge Autorin im Theaterbetrieb …

Dem Stück wurde der Vorwurf der Nabelschau gemacht, aber wir spielen auch im Alltag eine Rolle und das Stück ist eine Metapher dafür, wie wir uns sozial verhalten und welchen komplexen Fragen wir in unserer Welt ausgesetzt sind.

Haben Sie jemals die Diskussionen, die im Stück geführt werden, mit Menschen geführt, mit denen Sie im wirklichen Leben zusammenarbeiten?
Ja! Grade jetzt auf den Proben. Man denkt, man arbeite zum Thema Gendergerechtigkeit, und stellt dann fest, dass man es mit Intersektionalitätsfragen zu tun hat. Ich habe oft den Satz der Figur des Schauspielers im Kopf: „Wir hatten eine Menge faszinierende Diskussionen über Intersektionalität.“ Beim ersten Lesen bin ich da drüber gerutscht und dachte, das sei so ein Satz, den man am Theater so sagt. Aber der geht genau auf die Zwölf. Während ich mich mit dem einen Thema beschäftige, vernachlässige ich, mich mit anderen Problemen von marginalisierten Bevölkerungsschichten auseinanderzusetzen. Da Integrität zu bewahren ist schwierig.

Bietet „The Writer“ dafür Lösungen an?

Unter der Oberfläche des Stückes entdecke ich in den Proben eine Argumentation, die nicht ausgeführt wird, die aber total spannend ist. Die Autorin setzt sich in Diskussionen mit dem Regisseur immer wieder für eine Lösung ein, die sich von binären Kodierungen löst. Es geht also nicht um Mann und Frau, nicht um Macht und Ohnmacht, nicht um schwarz und weiß, nicht um richtig und falsch. Das ist ein utopisches Potenzial, was in dem Stück schlummert, aber die Autorin kriegt es selber noch nicht zu Ende formuliert. Sie bleibt in dem Kampf gegen die Abhängigkeiten stecken. Im Moment glauben wir, dass die Hoffnung in der Figur der Schauspielerin liegt. Ihr gelingt es am ehesten, die Forderungen der Autorin mit Leben zu füllen.

Interview: Friederike Schubert

Zum Stück

Mit „The Writer” hat die britische Autorin Ella Hickson das Stück der Stunde geschrieben und das, obwohl (oder gerade weil) sie von sehr persönlichen Erfahrungen berichtet. Wie werden kreative weibliche Stimmen von mächtigen Männern ausgenutzt? Auf welche Weise dominiert der sogenannte „Male Gaze“ – die männliche Sichtweise – die Art, wie wir Kultur konsumieren? Gleichzeitig geht es um die große Frage: Wurde die Kunst vom Kommerz geschluckt?

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