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„Das Miteinander wird gestärkt“

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1) „Hannover hat einen Plan“: Kulturamtsleiter Benedikt Poensgen. 2) Der Kulturentwicklungsplan nach dem Motto von Kurt Schwitters: „Vorwärts nach weit“. Quelle: Rainer Dröse
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Herr Poensgen, in Zeiten von Corona hat die Stadt jüngst das Pilotprojekt „Theater für Hannover“ gestartet. Was verbirgt sich dahinter?
Die Initiative ging von Detlef Simon, Matthias Brodowy und dem Theater am Küchengarten aus. Wegen der geltenden Abstandsregeln konnten sie – wie andere Veranstalter auch – ihre geplanten Vorstellungen nicht mehr kostendeckend in ihren eigenen kleinen Häusern geben. Deshalb haben wir ihnen angeboten, den großen Saal im Pavillon zu bespielen, der wiederum für die ursprünglich geplanten Großveranstaltungen unter Einhaltung der Hygienevorschriften zu klein gewesen wäre. Für kleine Formate wie Comedy oder Kabarett mit rund 100 bis 150 Zuschauerinnen und Zuschauern hingegen ist der große Saal optimal. Wir haben explizit vereinbart, dass der große Saal auch den freien Theatern offen steht.

Wie lange soll das Projekt laufen?
Wir planen jetzt erst einmal bis Dezember. Die Stadt trägt derzeit 50 Prozent der Kosten, der Pavillon muss sich um weitere Förderung bemühen. Aber wir wissen natürlich, dass die Probleme der Künstlerinnen und Künstler nicht im Dezember enden, Corona wird uns mit Sicherheit noch weiter begleiten. Die Ensembles der Off-Theater-Szene suchen ebenfalls nach Aufführungsorten, die sie auch unter Pandemiebedingungen nutzen können. Wir werden sie bei der Suche nach kreativen Lösungen gerne unterstützen.

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Unabhängig von Corona hat die Stadt in diesem Sommer einen Kulturentwicklungsplan vorgelegt. Was bedeutet das für Hannover?
Der Kulturentwicklungsplan ist aus einer jahrelangen Vorbereitungs- und Beteiligungsphase heraus entstanden und umfasst den Zeitrahmen bis 2030. Hier wird eine Entwicklungslinie beschrieben, nicht jede Maßnahme ist daher konkret einem Jahr zugeordnet. Die finanzielle und personelle Ressourcenplanung wird Anfang Oktober festgelegt, dann stellt sich auch heraus, mit welchen Schwerpunkten wir konkret starten können. Diese Entscheidung fällt bewusst vor dem 28. Oktober, wenn die Entscheidung über die Kulturhauptstadt Europas 2025 verkündet wird. Damit zeigen wir, dass Hannover einen Plan hat – unabhängig davon, wie die Entscheidung der Jury ausfällt. Natürlich ist die Kulturhauptstadtbewerbung ein Meilenstein, schließlich war sie von Anfang an eingebettet in eine Gesamtstrategie. Das hat in der Stadt zu einer enormen Vernetzung geführt: Hannover ist zusammengerückt. Allein das ist schon ein riesiger Gewinn.

Es geht also um Nachhaltigkeit?
Genau. Es geht darum, neue Räume kulturell zu bespielen, das kommt einer Kulturstadt wie Hannover generell zugute. Es gibt daher zahlreiche Schnittmengen und Gemeinsamkeiten zwischen dem Kulturentwicklungsplan und der Kulturhauptstadtbewerbung. Das Miteinander in der Stadt wurde wesentlich gestärkt – auch spartenübergreifend. Das hat uns auch während der Pandemie gestärkt.

Welche Entwicklungen zeichnen sich für die freien Theater ab?
Zunächst ist es uns wichtig, dass wir die bestehenden Strukturen erhalten und weiterentwickeln können. Das ist unser Fundament. Zwar sind wir bei den freien Theatern inzwischen gut aufgestellt, doch es fehlt etwa noch eine Gastspielförderung oder auch die Förderung von Wiederaufnahmen. Es ist doch nicht sinnvoll, immer nur in neue Produktionen zu investieren, während erfolgreiche Stücke in Vergessenheit geraten. Deshalb suchen wir nach Möglichkeiten, damit sich die freien Theater ein Repertoire aufbauen können. Und natürlich geht es auch um einen Generationenwechsel an einzelnen Spielstätten.

Gibt es auch Konzepte für die freie Tanzszene – die Stadt beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit diesem Thema?
Die Landeshauptstadt Hannover hat ja bereits die Tanzförderung mit einem eigenen Etat ausgestattet, den es vorher in dieser Form nicht gab. Inzwischen erreichen uns auch immer mehr qualifizierte Anträge, da merkt man eine deutliche Entwicklung innerhalb der Szene. Ein eigenes Tanzhaus ist wohl visionär, aber wir wollen die bestehenden Kulturorte weiterentwickeln. Hier ließe sich auch mit wenig Aufwand einiges erreichen. Es geht uns um langfristige und verlässliche Konzepte – auch in den einzelnen Stadtteilen. Nur so ergibt sich ein Gesamtbild.

Inzwischen hat auch die Digitalisierung einen Schub bekommen. Was bedeutet das künftig für den Kulturbetrieb?
Ich freue mich, dass die freie Szene sehr aktiv ist mit ihrem Projekt FTH.tv. Im hiesigen Kulturbereich sind die freien Theater derzeit tatsächlich Vorreiter. Wir arbeiten an einer digitalen Kulturstadt als Modellprojekt und unterstützen die Entwicklung einer Kultur-App. Die Stadtverwaltung plant, im Digitalbereich eine Offensive umzusetzen.Interview:

Karin Dzionara

Auf dem Weg zur Kulturhauptstadt

Hannover präsentiert sich als „Agora of Europe“. Und die Agora macht Theater – über alle Grenzen hinweg: Es wird Theaterstücke geben, die sich mit Ausgrenzung beschäftigen, im Naturtheater wird das Verhältnis von Mensch und Natur hinterfragt und es werden von Hannovers Theatern aus mit lokalen, regionalen, landes- und europaweiten Kooperationen theatrale Bögen bis in die arabische Welt gespannt und am Ende ist alles ein tierisches Theater.   So hat Lena Kußmann, derzeit Sprecherin der Freien Theater Hannover (FTH), Regisseurin und Schauspielerin sowie Mitglied der künstlerischen Leitung des Theaters an der Glocksee, die Stadt auf ihrem Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2025 bereits in der ersten Bewerbungsphase erfolgreich in Szene gesetzt und führt auch Regie für die künstlerische Bewerbungslinie in der zweiten Runde.
Die nächsten Termine – alle virtuell: am 19. Oktober Jury-Visit, am 26. Oktober
Jury-Präsentation, am 28. Oktober Jury-Entscheidung. Unter www.khh25.de

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