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Der Gott des Tanzes

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12:24 29.11.2019
Bei der Arbeit: Rosario Guerra Quelle: Michèle Seydoux

NIJINSKI

Ballett von Marco Goecke

Musikalische Leitung: Valtteri Rauhalammi, Florian Groß
Choreografie: Marco Goecke
Bühne, Kostüm: Michaela Springer
Licht: Udo Haberland
Dramaturgie: Esther Dreesen-Schaback
Tanzvermittlung: Bettina Stieler
Choreografische Einstudierung: Fabio Palombo
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover, Staatsballett Hannover
Premiere: 13. Dezember, 19.30 Uhr, im Opernhaus

Wie verkörpert man einen Duft? Waslaw Nijinski konnte es. Als Geist der Rose („Le Spectre de la Rose“) tanzte er in die Träume einer jungen Frau, die vor dem Einschlafen an einer Rose gerochen hatte. Nijinskis ausdrucksstarke Art zu tanzen elektrisierte ganz Europa. Frauen und Männer waren verrückt nach ihm. Große Künstler malten und zeichneten ihn. Seine Auftritte mit den Ballets Russes, einem der bedeutendsten Ballettensembles des 20. Jahrhunderts, markieren einen Umbruch im Tanz. „Der Geist der Rose“ war noch in der klassischen Tradition verwurzelt, obgleich es ungewöhnlich war, dass ein „Ballerino“ der Star war. In „Petruschka“, nach der Aufsehen erregenden Musik des jungen Igor Strawinsky, tanzte Nijinski eine Puppe mit steifen Fingern und reduzierten Bewegungen – eine expressionistische Gegenbewegung zum klassischen Ballett. Den Faun, der sich nach einer Nymphe verzehrt, verkörperte er zu den schwülen, impressionistischen Klängen Claude Debussys in „L’Après-midi d’un faune“. Der Skandal war ein doppelter: Zum einen kam die Erotik der Szene offen zum Ausdruck – in zahlreichen Kunstwerken festgehalten sind die am Körper herabgestreckten Arme als Andeutungen eines Penis’. Zum anderen brach die Choreografie mit den konventionellen Schritten des klassischen Balletts und führte gestische Bewegungen ein – die Zeit des Ausdruckstanzes begann.

Abschied von der Mutter
Marco Goecke erzählt wichtige Stationen aus Nijinskis Leben. Er beginnt mit dem Abschied des jungen Waslaw von seiner Mutter, die der Junge für seine Ausbildung an der Ballettakademie verlassen muss. Um Nijinski gruppieren sich wichtige Figuren wie Sergej Diaghilev (der Gründer der Ballets Russes), Nijinskis Frau Romola, aber auch die Göttin des Tanzes Terpsichore – die Muse und Verführerin zugleich ist.
Wichtiger als die Biografie ist das Porträt eines Künstlers, dessen Leben von Begabung und seelischer Dunkelheit gezeichnet ist. Sein Leben bestand nicht nur aus den etwa zehn Jahren des Erfolgs mit den Ballets Russes, sondern auch aus dem Verlust der russischen Heimat während der Oktoberrevolution, den Zeiten im Sanatorium, der Insulin-Schockbehandlung und aus der Erfahrung zweier Weltkriege. Marco Goecke streift die großen Partien Nijinskis und lässt sie in die Geschichte einfließen. Der Abend erzählt damit auch von einer großen Ära des Tanzes.
Zur Choreografie erklingen Frédéric Chopins Klavierkonzerte e-Moll und f-Moll, die das Niedersächsische Staatsorchester Hannover unter der musikalischen Leitung von Valtteri Rauhalammi spielt. In Chopins Klavierwerken und ihrer verschlungenen Dramaturgie lässt sich die Biografie Nijinskis und seine zerklüftete Seelenlandschaft spiegeln. Die Musik ist leidenschaftlich, melancholisch, aber auch kraftvoll und selbstbewusst.

Ein dramatischer Lebenslauf
Am 12. März 1889 wird Waslaw Fomitsch Nijinski als Sohn polnischer Eltern in Kiew geboren. Als Neunjähriger kommt er an die Kaiserliche Ballett-Akademie in St. Petersburg und tanzt früh Solopartien im Kaiserlichen Theater. Nijinski wird Mitglied der Ballets Russes, die der Impresario Sergej Diaghilew ins Leben gerufen hat, und wird bei ersten Gastspielen in Paris über Nacht zum Star. Von 1909 bis 1917 treten die Ballets Russes in ganz Europa, den USA und in Südamerika auf. Das Ballett „Le sacres du printemps“ mit Musik des jungen Igor Strawinsky gerät in Paris zum Skandal. Auch „L’après-midi d’un faune“ (Nachmittag eines Fauns), in dem Nijinski tanzt und choreografiert, wird vergöttert und verdammt. Als bisexueller Künstler (er unterhält jahrelang ein Verhältnis mit Diaghilew) entscheidet er sich für die Ehe mit der ungarischen Tänzerin Romola de
Pulszky, mit der er zwei Kinder bekommt. Nijinski leidet unter psychischen Problemen, deren stärkste Ausprägungen heute vermutlich als Schizophrenie bezeichnet würden. 1919 tanzt er ein berühmt gewordenes Solo „Hochzeit mit Gott“ als Privatvorstellung, in der seine Gemütsverfassung auf verstörende Weise deutlich wird. In den weiteren 30 Jahren seines Lebens wird er mehrfach therapeutisch und mit Medikamenten behandelt. 1942 kann ihn seine Frau mithilfe der ungarischen Nationalbank in ein Sanatorium einweisen. Dem Befehl der Nationalsozialisten, alle Psychiatriepatientinnen und Patienten ermorden zu lassen, entgeht das Ehepaar durch die Flucht in die Höhlen des ungarischen Ortes Sopron. Nijinski und Romola ziehen nach Ende des Krieges nach London, wo der „Gott des Tanzes“ 1950 stirbt.

Esther Dreesen-Schaback

Ballettdirektor Marco Goecke über "Nijinski"

„Eigentlich ist es ja ein Unding, über andere Menschen ein Stück zu machen. Es ist unmöglich, sich in jemanden hinein zu versetzen und noch schwieriger ist es, wenn es kein überliefertes Filmmaterial gibt. Deswegen ist ‚Nijinski‘ auch keine Biografie im herkömmlichen Sinn. Ich denke, eine Biografie muss für alle gültig sein. Man muss einen Zugang zu ihr bekommen und damit meine ich nicht, dass man das Ballett einfach anschaut und versteht. Das soll ja kein Kino werden! Man muss sich selbst in ihr wiederfinden können. Ich habe vieles in das Stück einfließen lassen, was mich während seiner Entstehungszeit selber emotional beschäftigt hat. Gerade das Tanzen und Choreografieren, was einen großen Teil von Nijinskis Leben ausmachte, begegnet uns Künstlerinnen und Künstlern jeden Tag. Es geht demnach auch um mich, aber auch um die Tänzerinnen und Tänzer. Wir alle finden uns in diesem Ballettabend wieder, auch jede Zuschauerin und jeder Zuschauer.”

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