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„Der Tanz ist eine globale Comunity“

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14:26 01.05.2020
In Landerers Stück „Hikikomori” (2019) geht es um den Verlust von Nähe. Quelle: Karl-Bernd Karwasz
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TanzRAUM Nord

Unter der künstlerischen Leitung von Felix Landerer und dem Bremer Choreografen Helge Letonja gründete sich in diesem Jahr mit „of curious nature“ (OCN) ein Ensemble, das bis 2021 insgesamt acht abendfüllende Produktionen erarbeiten wird. Das Team wird sich zwischen Bremen und Hannover mit lokalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern vernetzen. OCN ist das Herzstück des Tanzentwicklungskonzepts TanzRAUM Nord, mit dem der zeitgenössische Tanz in Norddeutschland gestärkt werden soll.  

Herr Landerer, Ihre neue Arbeit trägt den Titel „37 minutes of presence“ – ein Zeitfenster der Gegenwart. Wie weit waren Sie schon in den Proben? 

Noch nicht sehr weit. Wir haben etwa zwei Wochen geprobt. Es war sehr inspirierend und umso trauriger, dass wir nach einem vielversprechenden Beginn gleich wieder pausieren mussten.

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Worum geht es in „Cheer“, einem Doppelabend mit zwei unterschiedlichen Produktionen?

Neben meiner Arbeit habe ich Alexandra Waierstall als Gastchoreografin eingeladen, die mit dem neu gegründeten Ensemble „of curious nature“ ihr Projekt „There/after“ neu bearbeitet. Dieses Stück befasst sich mit der Idee von Neubeginn, mit den unendlichen Möglichkeiten, einen anderen Weg einzuschlagen. Vor dem Hintergrund der uns drohenden Szenarien geht es auch um das Thema Hoffnung. In meiner Arbeit befassen wir uns mit Begriffen wie Freude, Ekstase und dem Jagen des Moments. Ich möchte ein Stück entwickeln, in dem die Tänzerinnen und Tänzer diese Zustände auf der Bühne entstehen lassen und erfahren können. Ein durchaus schwieriges Unterfangen, da natürlich durch die Beobachtung des Zuschauers Intimität verloren geht. Diese Intimität für die performative Erfahrung herzustellen, ist vielleicht die größte Herausforderung. 

Beide Stücke erarbeiten Sie mit Tänzerinnen und Tänzern von „of curios nature“ (OCN). Wie setzt sich dieses neue Ensemble zusammen? 

OCN ist eine Kooperation von Landerer&Company und steptext dance project aus Bremen. Über eine Förderung von Tanzpakt Stadt Land Bund und die jeweils lokalen Förderer, in unserem Fall dem Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover, dem Land und der Stiftung Niedersachsen, haben wir ein festes Ensemble von insgesamt zehn Tänzerinnen und Tänzern aufbauen können, das sowohl in Bremen als auch in Hannover arbeitet. Ein sehr herausforderndes und spannendes Projekt, das nicht nur ein wunderbares Ensemble zusammengebracht hat, sondern das neben der Arbeit der künstlerischen Leiter Helge Letonja in Bremen und mir in Hannover auch neue Impulse in der norddeutschen Tanzlandschaft setzen soll.

Sie selbst sind seit vielen Jahren international unterwegs und arbeiten als Gastchoreograf an unterschiedlichen Häusern. Wie erleben Sie die Zeit des Abstands?

Persönlich so wie vermutlich die meisten, als verunsichernd und als ein neues Kapitel, dessen Ausgang und Auswirkungen vor allem auf die Kultur nicht abzusehen sind. Wir hatten Glück in dieser ersten Phase, da unsere Förderer bis jetzt das Ensemble schützen, aber wer weiß, wie es in drei Monaten oder einem Jahr aussieht. Es gibt auch in Hannover viele Künstler, die jetzt direkt vor dem Aus stehen, Solokünstler, für die die bisherigen Maßnahmen nicht greifen. Dazu kommt, dass der Tanz eine globale Community ist und dass viele Freunde und Künstler, die in anderen Ländern arbeiten, von einem Tag auf den anderen keine Lebensgrundlage mehr haben. Kultur ist systemrelevant und ich hoffe, dass die Politik weiß, um was für ein fragiles Konstrukt es sich auch bei der deutschen Kulturlandschaft handelt und dass diese dringend Hilfe braucht, um nicht zu verschwinden. 

Theater braucht Nähe, trotzdem entwickeln sich derzeit neue digitale Formen, um die verordnete Distanz zu überwinden. Was könnte das für künftige Produktionen bedeuten – analog und digital?

Die Nähe und das Teilen von Erfahrungen sind wichtige Faktoren im Theater. Es ist natürlich toll, dass wir trotz dieser Isolation an Dingen partizipieren können. Insofern ist es spannend, über diese Medien zu arbeiten, und es werden sicherlich neue Formate entstehen. Aber der Besuch im Theater und die damit verbundene Auseinandersetzung mit Themen, anderen Meinungen und vor allem das Spürbare ist dadurch nicht zu ersetzen. 

Landerer&Company hat ein neues Format mit dem Titel „Shorts“ entwickelt, das in der Eisfabrik über die Bühne gehen soll. Ist das eine Plattform für Nachwuchskünstlerinnen und -künstler? 

Genau. Wir haben mit unserem offenen Probenkonzept sehr gute Erfahrungen gemacht. Das wollen wir auch mit Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern teilen. Insofern ist „Shorts“ ein Konzept, das daran anschließen soll. Es sind prozessorientierte kurze Arbeitsphasen, wo die Künstler - und hoffentlich auch bald wieder das Publikum - eingeladen sind, sich auszuprobieren. Die Choreografen bekommen die Möglichkeit, mit dem Ensemble Ideen zu entwickeln, ohne den Druck des Erfolgs. Die Zuschauer sind eingeladen, in die „Küche“ zu schauen, Fragen nach künstlerischen Rezepten und handwerklichen Aspekten zu stellen. Hoffentlich entsteht daraus ein inspirierender Austausch - und mehr Nähe zur Kunstform Tanz.

Dz

Die Premiere von „Cheer“ findet Ende Mai zunächst ohne Publikum statt und ist als Livestream zu sehen. Aktuelle Informationen zu den Projekten unter www.felixlanderer.de

Der Choreograf

Felix Landerer Quelle: Marc Seestaedt

Felix Landerer war von 2001 bis 2006 Ensemblemitglied des Niedersächsischen Staatstheaters unter der künstlerischen Leitung von Stephan Thoss. Im Anschluss arbeitete er als freier Choreograf zunächst für und mit Commedia Futura in der Eisfabrik. 2010 gründete er Landerer&Company. Für seine Arbeiten im In- und Ausland wurde der gebürtige Hannoveraner mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Seit 2011 ist Landerer Hauschoreograf des Scapino-Ballets Rotterdam und arbeitet als Gastchoreograf in Göteborg, St. Gallen und Oregon.

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