Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Spielzeit Die Kosten des Krieges auf dem Schauplatz der Familie
Anzeigen & Märkte Themenwelten Spielzeit

Die Kosten des Krieges auf dem Schauplatz der Familie

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:09 02.12.2019
Seyneb Saleh und Sabine Orléans - beide sind als Iphigenie im Schauspielhaus zu sehen. Quelle: Kerstin Schomburg

IPHIGENIE

von Euripides und Johann Wolfgang von Goethe
Regie: Anne Lenk
Mit Sebastian Jakob Doppelbauer, Philippe Goos, Torben Kessler, Miriam Maertens, Sabine Orléans, Seyneb Saleh
Premiere: Premiere am 8. Dezember, 19 Uhr, im Schauspielhaus

Kein Wind, keine Welle, nichts. Das Meer liegt bewegungslos im Hafen von Aulis und hält die griechische Flotte am Ufer zurück, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich gen Troja zu segeln, die Stadt niederzubrennen und die geraubte Helena heimzuholen. Doch Göttin Artemis verweigert ihren Segen für die Reise und damit auch dem Heer den Wind. Sie will ein Opfer: das Kind des Heerführers Agamemnon, Iphigenie. Was ist schon ein Kind im Vergleich zu Ruhm und Ehre für Griechenland? Also bestellt Agamemnon Iphigenie mittels einer List ins Lager. Doch alsbald wächst in ihm der Zweifel: Soll seine Tochter sterben, damit eine andere Frau heimgeholt werden kann? Was ist er zu geben bereit für Land, Sieg und Ruhm? Und gibt es überhaupt eine Sache, die heiliger sein kann als ein Kind?
Absurd und ausweglos ist die Situation, in die er sich manövriert hat. Der unbedingte Siegeswille regiert unter den Truppen. Agamemnon kann nicht zurück, das Heer würde ihn und die Seinen zu Tode bringen. Also muss Iphigenie geopfert werden.
Jenseits des Schlachtfeldes des trojanischen Krieges zeigt Euripides die Kosten dieses Krieges auf dem Schauplatz der Familie. Als Rache für die Opferung der Tochter wird die Mutter ihren Ehemann erschlagen, der Sohn den Vatermord rächen, seine Mutter töten und von Erinnyen verfolgt nach Tauris segeln, um die Schwester heimzuholen, von der eigentlich der Brudermord nach taurischem Gesetz verlangt wird. Nicht nur das Opfer an sich ist hier fragwürdig, „es ist vielmehr das Indiz für die (…) Fragwürdigkeit der Weltordnung insgesamt“, wie der Literaturwissenschaftler Hans Thies Lehmann es trefflich benennt. Gewalt folgt auf Gewalt und fräst sich durch Generationen hindurch in die Körper und Seelen. Euripides rüttelt uns auf, die wir in einer an allen Ecken brennenden Welt leben und nicht gewillt sind, unseren Lebensstil wirklich infrage zu stellen, um die Brände zu löschen.
Einen Ausweg aus dieser Spirale bietet erst Goethe, der die durch Artemis vom Opferaltar gerettete Iphigenie weiterdenkt. Man mag seinen Vorschlag arglos finden, doch vielleicht ist die Arglosigkeit gerade der Schlüssel der Veränderung. Goethe setzt auf Dialog. Einen Dialog, der durch wirkliches Zuhören und wirkliches Sprechen gekennzeichnet ist, der die Kraft hat, zu Veränderungen im Gegenüber zu führen, Denkraster zu durchbrechen und etwas Neues entstehen zu lassen kann. Denn Iphigenie wiederholt nicht den Lauf der Geschichte: Sie, die jetzt Opferpriesterin ist, durchbricht den Kreislauf der Gewalt. Wärme, Vernunft, Integrität, sie sind zum Greifen nahe – das Leben kann beginnen.

Die Regisseurin

Anne Lenk inszeniert die Geschichte Iphigenies von der Opferung in Aulis bis hin zur Selbstermächtigung in Tauris. In der Grausamkeit der Geschichte sucht sie analytisch und genau nach deren Zartheit und innerer Logik, ihrer systemischen Verwurzelung und der Möglichkeit, dieses System zu zerschlagen. Das familiäre Schlachtfeld betreten Seyneb Saleh als aulische und Sabine Orléans als Iphigenie auf Tauris.

Spielzeit Dezember 2019 - Oper/Schauspiel - Jung

Vorstellungen und Einblicke für Lehrkräfte

29.11.2019

Das Lettische Nationalballett bringt Astrid Lindgrens berühmte Geschichte erstmals als Tanzstück auf die Bühne!

29.11.2019
Spielzeit Dezember 2019 - Schauspiel - Weihnachten im Wald

Im Schauspielhaus und am Ballhof: Sonderaktionen für Kinder und Familien.

29.11.2019