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Die Macht der großen Gefühle

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3 Poems
Quelle: Pierre Rezus

Der Ort des Spielerischen, des Anarchischen steht still. Seit einem Jahr sind die Theater mehr oder weniger durchgängig geschlossen und wenn sie öffnen, gelten nicht nur für die Zuschauenden strenge Hygieneregeln, sondern auch auf und hinter der Bühne, auf den Probebühnen und in den Büros herrscht Abstand und Maskenpflicht. Die Pandemie fordert neben extrem genauer Planung vor allen Dingen eins: Vernunft. Aber was ist vernünftige Kunst?
Als die Schließungen beschlossen wurden, als die Verunsicherung groß und die Solidaritätsbekundungen noch größer waren, haben wir uns ohne Wenn und Aber den Bestimmungen gefügt. Haben unsere Arbeit niedergelegt und hingenommen, dass sie für die Gesundheit der Gesellschaft hintenanstehen muss. Wir haben Solidaritätsbekundungen und kleine digitale Experimente aus den eigenen vier Wänden in die Welt geschickt, aber vor allen Dingen waren wir alle unglaublich vernünftig. So vernünftig in der Tat, dass künstlerische Konzepte sich dem Diktat des Ein-Meter-Fünfzig-Abstandhaltens unterwarfen und wir manche Probe hinter der Frage nach der Sicherheit für alle Beteiligten verschwinden ließen. Die am Schauspiel Hannover arbeitenden Künstlerinnen und Künstler sind auch bei den vorsichtigen Öffnungsversuchen sehr darauf bedacht, den Regeln Folge zu leisten und das heißt unter anderem, dass niemand so arbeiten kann, wie wir es im „Davor“ gewöhnt waren: stündlich werden Proben für eine 15-minütige Lüftungspause unterbrochen, egal ob sich grade auf der Bühne etwas entwickelt oder nicht, die auf der Bühne agierenden Personen dürfen sich nicht berühren, müssen auch auf der Bühne den Abstand von 1,5 Metern einhalten, bei exzessivem Sprechen oder Singen sind es sogar drei Meter, Requisiten dürfen nicht von einer Person zur nächsten gegeben werden ohne dass sie zuvor desinfiziert wurden, Flüssigkeiten dürfen nicht von mehreren Personen berührt werden.
Aber nicht nur die Personen auf der Bühne sind betroffen: Wie arbeitet die Maskenabteilung aus anderthalb Metern Entfernung? Wie die Ankleiderinnen? Wer kann, wer will das Risiko einer Ansteckung tragen? Wer im Namen der Kunst fahrlässig handeln?
Theater ist ein Ort der Stellvertreterinnenschaft. Wir spielen im „Als-ob“ der Bühne Szenarien durch, die man in der Realität nicht nachvollziehen kann oder will. Durch das Zuschauen und Mitfühlen wird das Moment auch für die Personen im Publikum erlebbar. Das ist Katharsis. Für die Zuschauenden gleich wie für die Agierenden und die Produzierenden. Diese Reinigung fehlt. Seit einem Jahr sind wir gesellschaftlich ungeduscht.

Quelle: Sönke Behrens

„Bitch, I’m a Goddess“ sollte ein Exzess werden. Gemeinsam mit dem Team des NNT Groningen mit Musikerinnen und Musikern, mit Tänzerinnen und Tänzern, Schauspielerinnen und Schauspielern unterschiedlichster Hintergründe sollte Begegnung und dionysische Maßlosigkeit zelebriert werden. Aber vernünftig ist eine internationale Zusammenarbeit Anfang 2021 nicht. Gemeinsam mit Guy Weizman entschieden wir uns also, uns von unseren ursprünglichen Plänen zu verabschieden und nach neuen (Theater-)Mitteln und Wegen zu suchen.
Entstanden ist ein dreiteiliger Theaterfilm basierend auf zwei Gedichten der niederländischen Autorin Judith Herzberg und dem vierten bakkischen Lobgesang aus Euripides „Bakkhai“. Die Verfilmung der beiden Herzberg-Gedichte „Lamentations“ und „Love Songs“ entstanden in den Niederlanden mit Teilen des Nite Ensembles. Für „Dogs of Madness“ kamen Guy Weizman und sein Team im März für zwei Wochen nach Hannover. Hier entstand der Mittelteil des Theaterfilms, der sich auf die Suche nach der Grenzenlosigkeit macht.
Trauer – Exzess – Liebe, so könnte man die Kapitel in jeweils einem Wort zusammenfassen. Sie alle kreisen um Gefühlszustände jenseits der Vernunft. Sie suchen, jeder Teil auf seine eigene Art und Weise, nach Schlupflöchern im vernunftdiktierten System. Nach dem Moment, in dem wir uns auch in diesen Zeiten verlieren können. Die Antworten und Entwürfe dafür sind extrem unterschiedlich. Manche sind geprägt durch eine große Ruhe, durch hohe Intensität. Andere suchen Neugeburt, Wahnsinn, Individualität oder Willkür. Wohin führt die Suche in Extremen?  Am Ende steht in „3 Poems“ die Liebe. Sie ist in all ihrer Ambivalenz, in all dem Schmerz, dem Exzess und der Trauer, die sie mitunter beinhaltet, vielleicht unsere einzig mögliche Antwort auf diese Situation – und das ist vielleicht der anarchischste Anfang.

Weitere Informationen

3 POEMS
Dreiteiliger Theaterfilm von
Guy Weizman in Koproduktion mit dem NNT Groningen
Premiere: 29. April, 19.30 Uhr
Livestream unter www.schauspielhannover.de,
24 Stunden verfügbar. Karten im Vorverkauf zwischen 10 und 20 Euro.

Digitale Bühne im April

12. und 14. April, 19.30 Uhr
Alice im W-LANd.
Eine interaktive Live Performance der Playstation 3
Online / Zoom / Anmeldung erforderlich / Eintritt frei
13. April, 19.30 Uhr
Theater Mon Amour
Lesung und Gespräch - mit Sonja Anders und Torben Kessler
in Kooperation mit dem Freundeskreis Hannover e.V.
Online-Veranstaltung auf Zoom / Eintritt frei / Anmeldung erforderlich
17. April, 19.30 Uhr
Woyzeck
von Georg Büchner
Live-Stream unter www.schauspielhannover.de / Premiere / Karten sind im Vorverkauf erhältlich
 
21. April, 19.30 Uhr
Auf einen Tee mit ...
Mit der Galerie Brutal und dem Kulturhafen e. V.
Livestream unter www.schauspielhannover.de / live / Eintritt frei
 
22. April, 19.30 Uhr
Jetzt mal anders
Kultur aus Niedersachsen im Gespräch
Sonja Anders trifft Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums
Live-stream unter www.schauspielhannover.de / live / Eintritt frei
 
23. April, 19.30 Uhr
Pub Quiz. Home Edition
Rätselspaß am Freitagabend
Onlineveranstaltung auf Zoom / Eintritt frei / Anmeldung erforderlich
 
29. April, 19:30 Uhr
3 Poems
Dreiteiliger Theaterfilm von Guy Weizman in Koproduktion mit dem NNT Groningen
Livestream unter www.schauspielhannover.de / Premiere /
24 Stunden verfügbar / Karten sind im Vorverkauf erhältlich

Zukunftstag digital

Die Zukunft kann kommen! Interessierte Jugendlichen ab zwölf Jahren bekommen am 22. April von 9 bis 13 Uhr einen digitalen Einblick in den Arbeitsalltag an Schauspiel und Staatsoper. Kolleginnen und Kollegen verschiedener Abteilungen stehen am „Zukunftstag 2021“ Rede und Antwort zu ihren Berufsbildern und Werdegängen. Im Schauspiel wird das Klassenzimmerstück „Oskar und die Dame in Rosa“ mit einem Crashkurs und theaterpädagogischen Übungen vorgestellt. In der Oper werden die Teilnehmenden in einem Workshop selbst aktiv, setzen sich mit ihren eigenen Stärken auseinander und gehen der Frage nach, wie man einen erfüllenden Beruf finden kann.

Anmeldung für Schauspiel oder Oper auf staatstheater-hannover.de oder interaktion@staatstheater-hannover.de.

Spielzeit Februar 2021 - Szene - Sprechstunde
Spielzeit Februar 2021 - Nachgefragt