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Quartiertheater
Am Start: Julia Gentili, Tim von Kietzell und Inka Grund. Quelle: Arne Gutknecht

Ein Theater erfindet sich neu. „Wir präsentieren uns im neuen Raum, mit neuem Design, neuer Website und neuem Namen: Quartier Theater.“ Das Führungsteam vom ehemaligen Theater Erlebnis hat die langen Monate des Lockdowns genutzt, um einen Transformationsprozess zu starten. „So ein Neuanfang kostet Kraft“, bestätigt Inka Grund. „Und wir wollen, dass diese Kraft auch nach außen getragen wird.“ Mit einer Renovierung der Innenräume und der Fassade. Aus Grau und Gelb wird Blau und Terra. „Wir werden bunter. Und wir wollen dem Publikum in der Nordstadt zeigen: Seht her, das ist unser, das ist euer Theater.“

Vor mehr als 20 Jahren wurde das Theater Erlebnis gegründet, seit 2014 probt und spielt das Ensemble in dem umgebauten Weinladen in der Kornstraße 31. Oft sind die Theatermacherinnen und Theatermacher im Stadtraum unterwegs, auf Plätzen, in Parks oder im Bunker am Weidendamm. Aber auch in Schulen, Kindertagesstätten oder Kirchengemeinden. „Als wir nicht mehr spielen durften, haben wir uns in Ruhe gefragt: Was macht uns aus und wie wichtig ist die Nordstadt für unsere Arbeit?“ Schließlich war der umgebaute Laden zunächst nur als Probenraum gedacht, inzwischen hat er sich als Bühne im Stadtteil etabliert. „Diese Verortung ist uns wichtig. Denn wenn wir auswärts spielen, kommen immer häufiger Studierende aus der Nachbarschaft vorbei. Das ist eine tolle Entwicklung. Nun wollen wir verstärkt vor Ort aktiv werden. Im Quartier.“

Die Schauspielerin und Regisseurin Inka Grund, die seit Jahrzehnten auf den freien Bühnen der Stadt aktiv ist und sich auch einige Jahre lang als Sprecherin des Freien Theaters Hannover (FTH) engagiert hat, und Tim von Kietzell aus dem Gründungsteam des ehemaligen Theaters Erlebnis haben inzwischen Verstärkung bekommen: Neu im Leitungsteam ist die Modedesignerin und Theaterpäda-
gogin Julia Gentili. Die Theatermacherin, Jahrgang 1987, leitet auch den Generationenwechsel ein. „Wir wollen uns noch stärker dem jungen Publikum zuwenden“, erklärt Inka Grund. „Und wir freuen uns, dass wir bundesweit Anfragen von Künstlerinnen und Künstlern bekommen, die bei uns auftreten möchten. Auch das macht uns Mut.“ Mittlerweile wird das Theaterteam mit einer Grundförderung der Stadt unterstützt, das hilft dabei, die Mietkosten zu stemmen, und gibt mehr Sicherheit, um die Projekte zu realisieren. „Wir öffnen uns für alle“, betont die gestandene Theaterfrau. „Wir lieben das analoge Theater, wir machen aber auch digitale Angebote. Ich glaube, nach einem Jahr des Abstands hat jede und jeder von uns schon einmal gezoomt. Selbst die Großeltern mit ihren Enkeln.“
Auch deshalb plant das Quartier Theater zur Neu-Eröffnung im April eine Online-Premiere mit dem Titel „#bubble – optimize my life“. Ein Stück von und mit sieben Akteurinnen und Akteuren, unter ihnen auch das Leitungstrio. Die neue Produktion ist ein digitales Live-Theater mit Publikum. „Wir schaffen einen virtuellen Zuschauerraum mit verschiedenen Interaktionen. Wer das nicht mag, kann sich stumm schalten und  zurücklehnen.“ Erzählt wird die Geschichte einer sogenannten Selbstoptimierung im Netz: Wer bin ich? Und was bewegt mich? Bin ich so viel wert wie die Zahl meiner Likes oder Followerinnen? Was kann passieren, wenn ich vom Algorithmus kuratiert werde? Ein Ich, das durch Posts und Kommentare erschaffen oder auch vernichtet wird? Das Publikum soll Zeuge dieses Prozesses werden. „Wir zeigen einen Theaterabend über das vermeintlich Reale im Digitalen. Offen für Menschen mit und ohne Instagram-Account.“

Dz
Online-Premiere ist am 30. April,
20 Uhr. Weitere Live-Termine im Netz folgen.
Karten und Infos unter www.quartier-theater.de.

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