Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Spielzeit Ein Plädoyer für den Feminismus
Anzeigen & Märkte Themenwelten Spielzeit

Ein Plädoyer für den Feminismus

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Hand mit Blumen

On ne naît pas femme, on le devient.“ Als Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man gemacht.

Dieser unerfreuliche Befund von Simone de Beauvoir gegen Ende der 1940er Jahre hat leider nur wenig von seiner Aktualität eingebüßt: Was eine Frau ist, was sie darf und wie sie zu sein hat, wird oftmals aus männlicher Perspektive definiert. Auch 70 Jahre später finden Frauen überwiegend männlich dominierte Strukturen vor, die von und für Männer gemacht wurden. Das Schauspiel Hannover will darüber diskutieren und lädt auf seiner digitalen Zoom-Bühne zur Podiumsdiskussion „Feminismus geht uns alle an!“. Zu Gast sind Fatma Aydemir, Mahret I. Kupka, Anna Mülter, Noa K. Winter und Hengameh Yaghoobifarah.

Feministisches Denken bedeutet vor allem eines: Aufklärung. Wer dabei an den verstaubten Biologieunterricht aus der Schulzeit zurückdenkt, kann nur mit dem Kopf schütteln. Was wissen wir wirklich über das sogenannte „weibliche Geschlechtsorgan“? Was ist der Unterschied zwischen Vulva und Vagina? Können wir darüber sprechen? Wir können. Und wir werden. Aufgrund der großen Nachfrage zeigt das Schauspiel Hannover die Aufzeichnung von „Der Ursprung der Welt“ als kostenlosen Videostream auf der Website. Ein aufklärender und mutmachender Theaterabend nach dem gleichnamigen Comic von Liv Strömquist, der von Regisseurin Franziska Autzen im Ballhof Eins auf die Bühne gebracht wurde.

Mit den Augen einer Außenseiterin
Dort wird auch die Premiere von „Bilder deiner großen Liebe“ des 2013 verstorbenen Autors Wolfgang Herrndorf aufgeführt, der die Welt aus den Augen einer 14-Jährigen beschreibt und uns mitnimmt auf einen abenteuerlichen Roadtrip. Für das Publikum wie für das Team um Regisseur Markus Bothe ist dieser Text über die Konfrontation einer Einzelnen mit der Welt ein echter Glücksgriff, kann das berührende Romanfragment doch als Fortsetzung des Erfolgsromans „Tschick“ verstanden werden. Bildmächtig und poetisch werden Freiheit und Fantasie einer jugendlichen Außenseiterin beschworen, deren Weg das Publikum per Livestream am Premierenabend direkt mitverfolgen kann.
Als eine der bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit legt Carolin Emcke den Finger in die Wunde gegenwärtiger Entwicklungen und macht dabei auf Widersprüche und Kontraste unseres Zusammenlebens aufmerksam. Nicht nur am Schauspiel Hannover dient ihre Gedankenwelt und ihr wachsamer Blick auf unsere Gesellschaft als Anstoß künstlerischer Auseinandersetzung. Im März wird sie digital zu Gast sein und exklusiv aus ihrem persönlich-politischen Journal „Tagebuch in Zeiten der Pandemie“ lesen, das zeitgleich im Buchhandel erscheint. Anschließend diskutiert Carolin Emcke mit dem Publikum via Zoom.

Valzhyna Mort (links) und Katja Lembke Quelle: Tanya Kapitonava/Landesmuseum Hannover

Begegnung und Austausch
Bündnisse bilden und Standpunkte nicht verhärten. So beschreibt Schauspiel-Intendantin Sonja Anders das Konzept ihrer Gesprächsreihe „Jetzt mal Anders“. Nach dem geglückten Kick-off mit Björn Thümler, Minister für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen, geht das Format in seine zweite Runde. Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover, ist im März zu Gast auf der Cumberlandschen Bühne und spricht in lockerer Studioatmosphäre über Niedersachsens Kulturlandschaft und dessen Perspektiven. Auf ähnliche Mission begeben sich auch Leyla Ercan, Jonathan Heidorn und Barbara Kantel. Mit ihrer Gesprächsreihe „Auf einen Tee mit …“ möchten sie den Durst nach Begegnungen und Austausch stillen. Dafür heißen sie verschiedene Künstlerinnen, Kulturschaffende und Aktivistinnen willkommen. Den ersten Tee trinken sie mit den Kunstschaffenden von Keller3 und Tanke e.V. Beide Gesprächsreihen werden auf der Homepage des Schauspiel Hannover gestreamt und können live verfolgt werden.
Ein weiterer Ausdruck des gelebten kunst- und kulturüberspannenden Dialogs ist das Gastspiel des Freien Theaterkollektivs „vorschlag:hammer“, das mit seiner digitalen Performance „Twin Speaks“ etwa auch den Messengerdienst Telegram als Bühne nutzt und die Ebenen zwischen Fernsehfilm, Dokufiktion und Mystery eindrucksvoll miteinander verzahnt.

Facetten des Begehrens
Für ein Theater mit allen Sinnen steht das wachsende Audioprogramm am Schauspiel Hannover. Aus den Lautsprechern und Kopfhörern dringen anlässlich des Weltfrauentags die Gedichte und Kurzgeschichten der weißrussisch-amerikanischen Lyrikerin Valzhyna Mort, die immer noch als Geheimtipp in der Literaturszene gilt. In ihren Texten setzt sich sie offensiv und selbstbewusst mit Themen wie weiblicher Lust, Körper, Natur und den unterschiedlichen Facetten von Begehren auseinander. Die Ensemblemitglieder Alrun Hofert, Viktoria Miknevich und Nils Rovira-Muñoz lesen ausgewählte Gedichte Valzhyna Morts ein. Durch Ensemblemitglieder zum Leben erweckt und mit eigenen Kompositionen unterlegt, wird auch Georg Büchners „Lenz“ zu einem mitreißenden Hörerlebnis. Gelesen von Anja Herden, Irene Kugler, Sebastian Nakajew und Hajo Tuschy, wird dieses Porträt eines haltlosen jungen Menschen als Hörspiel auf der Homepage und dem Spotify-Kanal des Schauspiel Hannover abrufbar sein.
Gewissermaßen als Echo auf den im Februar stattgefundenen Black Her*His*Story Month sei auf die zweiteilige Lesung „Deutsch sein und schwarz dazu“ von Theodor Michael hingewiesen, die von Ensemblemitglied Nicolas Matthews konzipiert und umgesetzt wurde.
Ende März verdichtet sich das „Writers Studio“ zu einem einwöchigen digitalen Festival junger Gegenwartsdramatik und veranschaulicht die wundersame Metamorphose szenischen Schreibens, hin zu modernem Sprechtheater am Puls der Zeit. Das Schauspiel Hannover freut sich in Kooperation mit dem Literaturinstitut der Universität Hildesheim darüber, neue szenische Texte zu präsentieren. Sieben junge Autorinnen und Autoren haben über ein Semester lang intensiv an Stückentwürfen gearbeitet, die nun auf der digitalen Bühne präsentiert werden. Szenisch eingerichtet vom jungen Regieteam des Schauspiels und gelesen von Schauspielerinnen und Schauspielern des Ensembles, gibt es an sieben Tagen in sieben Formaten siebenmal neue Dramatik. Nimm das! Auf den digitalen Brettern ist also einiges los. Ob Kunst, Diskurs oder Interaktion, der März-Spielplan am Schauspiel Hannover ist auf alle Fälle eines: feministisch, modern, kritisch und empowernd.

Sönke Behrens

Unterwegs

Angebote für Lehrkräfte und Schulklassen im Lockdown

Die „Flaniergänger:innen von Hannover“ sind interaktiv und vermittelnd unterwegs. Im Moment erlebt die alte Tradition des Spaziergangs eine echte Renaissance. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Künstlerische Vermittlung und Interaktion treffen sich mit Lehrkräften an der frischen Luft, um über die Themen Schauspiel, Pandemie und Schule und über alles, was in diesem Schuljahr noch möglich ist, in den Austausch zu kommen. Der 45-minütige 1:1-Flaniergang beginnt um 15.30 Uhr am Ballhofplatz, im März immer montags, dienstags, mittwochs und donnerstags.
„Time out“ heißt das neue Onlineformat, das die Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen des Schauspiel Hannover anbieten. Der digitale Workshop umfasst etwa drei Unterrichtsstunden, dazu gehören das gemeinsame Anschauen einer Inszenierung sowie theaterpädagogische Übungen und Interventionen zur Thematik und Ästhetik.
Auch das Festival „Jugend spielt für Jugend“ wird stattfinden – sowohl im virtuellen Raum auf Zoom, Telegram, TikTok oder Padlet, als auch in einzelnen Workshops vor Ort. Vom 29. Juni bis zum 3. Juli wird es diesmal ein reines Workshop-Festival.

__
Anmeldung und weitere Informationen über schule@staatstheater-hannover.de

Auch für das Klassenzimmerstück "Oskar und die Dame in Rosa" können Lehrerinnen und Lehrer eine digitale Vorstellung zum Klassenpreis kaufen, die theaterpädagogisch begleitet wird.

Spielzeit Februar 2021 - Szene - Sprechstunde
Spielzeit Februar 2021 - Nachgefragt