Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Spielzeit „Ein Sehnsuchtsort für viele Menschen“
Anzeigen & Märkte Themenwelten Spielzeit

„Ein Sehnsuchtsort für viele Menschen“

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:29 24.10.2019
Im Grand Hotel wird munter gesteppt. Quelle: Andreas J. Etter

Märchen im Grand Hotel

von Paul Abraham

Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Carlos Vázquez, Florian Groß
Choreografie: Andrea Danae Kingston
Bühne: Okarina Peter, Timo Dentler
Kostüme: Heike Seidler
Licht: Sascha Zauner
Video: Sascha Vredenburg
Musikalische Arrangements: Kai Tietje
Dramaturgie: Julia Huebner
Musiktheatervermittlung: Kirsten Corbett
Die Infantin Isabella Mercedes Arcuri Großfürst Paul Daniel Eggert Prinz Andreas Stephan Philipp Kapeller Gräfin Inez de Ramirez / Sekretärin Carmen Fuggiss Mackintosh / Baron Don Lossas Ansgar Schäfer Präsident Chamoix / Dryser Frank Schneiders Matard / Barry Andreas Zaron Albert Alexander von Hugo Marylou Valentina Inzko Fink Mabel / Sekretärin Henrike Starck Herrenquartett Stephen Dole, Kevin Arand, Christopher Bolam, Konstantin Zander Damenquartett Julia Waldmayer, Miriam Neumaier, Katrin Merkl, Shari Lynn Stewen
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Premiere: Sonnabend, 16. November, 19.30 Uhr, im Opernhaus

Was für eine Figur ist der Zimmerkellner Albert, den Sie im „Märchen im Grand Hotel“ verkörpern?
Für mich ist er ein Mensch, der als Hotelerbe eher spielerisch und leicht durch das Leben gegangen ist, bis ihm sein Vater, der Besitzer des Grand Hotel, eine Aufgabe auferlegt hat. Die Bedingung, unter der er sein Erbe als Hotelbesitzer antreten kann, lautet: Erst wenn Albert fünf Monate als einfacher Zimmerkellner geschuftet hat, ist er seines Erbes würdig. Kaum hat er den neuen Job angetreten, verliebt sich Albert in einen Hotelgast, und zwar ausgerechnet in die Infantin Isabella. Eine Frau, die ihn ständig abblitzen lässt, und in deren DNA quasi eingeschrieben ist, niemals etwas mit einem Untergebenen anzufangen, zumal auch sie spürt, dass die beiden mehr verbindet ... Als Zimmerkellner hat Albert aber Zugang zu den privaten Räumen der eigentlich unerreichbaren Isabella, den er sonst nie hätte. Und das sorgt für amüsanten Zündstoff.

Das Grand Hotel ist ein Ort, an dem sich seltsame Gestalten begegnen. Es ist nicht nur ein Ort von Glanz und Glamour, sondern gerade auch in den 1930ern ein Sammelbecken von politisch Exilierten und Entwurzelten, wie hier im Stück die fiktive spanische Infantin Isabella und ihr Hofstaat.
Absolut. Paul Abraham befindet sich 1934, nachdem er Berlin ein Jahr zuvor verlassen musste, in Wien im „Exil“, und viele weitere Jahre Flucht werden folgen.
Und so ein Hotel birgt in sich eine große Anonymität. Niemand weiß, wer der andere wirklich ist. Eigentlich kann man in einem Hotel komplett eine neue Identität erfinden. Man checkt ein, und solange man sein Zimmer bezahlen kann, kann man vorgeben zu sein, wer man möchte.

Alexander von Hugo

Der Künstler studierte Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und trat nach einem Gastengagement an der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin ein Engagement am Theater Heilbronn an. Dort wirkte er in zahlreichen Produktionen mit, unter anderem in den Beatles-Uraufführungen „A Day on Abbey Road“ und „White“, und begann auch zunehmend in musikalischen Produktionen zu spielen. Zahlreiche Operetten- und Musicalproduktionen am Anhaltischen Theater Dessau, an den Staatstheatern Cottbus und Darmstadt, am Theater Bielefeld sowie zuletzt bei den Domfestspielen Fulda folgten. Mit „Märchen im Grand Hotel“ gibt Alexander von Hugo sein Hausdebüt an der Staatsoper Hannover.

Ist deshalb das Hotel nicht nur als Kulisse aufregend, sondern auch ein magischer Raum der Möglichkeiten für Begegnungen und Geschichten?
Es ist auch ein Sehnsuchtsort für viele Menschen. Jeder wünscht sich, etwas Besonderes zu sein und Identität und Fesseln des Alltags ablegen zu können.

Steppen, Gesang und temporeiche Dialoge sind in dieser Produktion gefragt: Wie gehen Sie mit den spezifischen Herausforderungen in der Rolle von Albert um?  
Steppen begleitet mich seit meiner Kindheit und ist eine Form des Tanzes, mit der ich sehr viel ausdrücken kann. Es ist eine besondere Herausforderung und ein Geschenk, ein Stück machen zu können, in dem man alle drei Sachen in einer Figur verbinden kann. Ich bin sehr froh darüber, hier in Hannover erneut mit dem Regisseur Stefan Huber zu arbeiten. Für ihn sind in der Probenarbeit alle Elemente gleichwertig. Er behandelt die Musik genau so intensiv wie die Sprache und die Sprache ist so wichtig wie die Musik oder die Choreografie.

Der Komponist

Einst gefeierter Komponist, Star der Berliner Bühnen mit Operetten wie „Ball im Savoy“, „Die Blume von Hawaii“ oder „Viktoria und ihr Husar“ –  doch der jüdischstämmige Ungar Paul Abraham, Jahrgang 1892, muss Deutschland 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, verlassen. In Wien gelingt ihm mit seinen kongenialen Autoren Fritz Löhner-Beda und Alfred Grünwald mit „Märchen im Grand Hotel“ 1934 ein weiterer Erfolg. Ein dramatisches Fluchtschicksal wie das so vieler jüdischer Emigranten lässt ihn 1940 mittellos in New York stranden. In den 1950er-Jahren wird die Überführung des nun „Staatenlosen“ aus den USA nach Deutschland von einem neu gegründeten „Paul-Abraham-Komitee“ in die Wege geleitet. Bis zu seinem Tode 1956 lebt Paul Abraham in Hamburg, wo er auf dem Ohlsdorfer Friedhof bestattet ist. Seit 2013 ist an den deutschsprachigen Bühnen eine regelrechte Renaissance der temporeichen, humorvollen und spritzigen Werke Paul Abrahams zu verzeichnen. So wird dem Komponisten von einem begeisterten Publikum wieder die gebührende Reverenz erwiesen.

Er schenkt jedem Satz, jeder Note, jedem Schritt die gleiche Aufmerksamkeit, was mir sehr entgegen kommt.Auch jedem Steppschritt kann eine unterschiedliche Qualität oder ein anderer Ausdruck zugrunde liegen, mit der ich die Figur erzähle. Natürlich kann Stepp auch eine andere, eher äußerliche Funktion haben, nämlich die des Show-Elements, aber ich finde es wichtig, dass ich auch in den choreografierten Schritten etwas Inneres, etwas, das aus der Seele der Figur kommt, ausdrücke. Im Idealfall gelingt es uns in einer Einheit der drei Disziplinen Sprache, Gesang und Tanz die Figur Albert zu kreieren.

Wenn Sie spontan jemandem Paul Abrahams Musik beschreiben müssten, sie klingt wie …?
… Operette gewürzt mit Swing. Ganz einfach: Abraham hat wunderschöne, emotional bewegende, zeitlose Melodien geschrieben, ganz im Stil der Operette der 1930er. Aber er erweist sich mit „Märchen im Grand Hotel“ definitiv als der europäische Meister des Swing!

Interview: Julia Huebner

Spielzeit November 2019 - Oper - Vom Zauber des Musiktheaters

Familienbande: neue Angebote für Kinder und Familien an der Staatsoper Hannover

24.10.2019
Spielzeit November 2019 - Schauspiel - Theater-Ticker

Weitere Termine

24.10.2019
Spielzeit November 2019 - Ballhof - Der Ballhof brummt

Premierenreigen in Hannovers Altstadt: Es geht um maßlose Wut, Rache und Wahrheitsfindung. Und um ein neues Stück in Laut- und Gebärdensprache.

24.10.2019