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Eine Brücke zwischen Stadt und Theater

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Mirko Borscht und Mara Martinez in der Cumberlandschen Galerie. Quelle: Natalie Köhler
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Die Universen gehen in die nächste Runde, diesmal mit Pop-Up-Ateliers, Workshops und Happenings. Neu im Team ist Mirko Borscht, der zusammen mit Mara Martinez das diesjährige Programm gestaltet. Wollt Ihr Euch kurz vorstellen?
Mara Martinez: Ich komme ursprünglich aus Kolumbien. Ich wohne seit 13 Jahren in Deutschland und seit zwei Jahren in Hannover. Vor Hannover habe ich Theaterwissenshaften in Berlin studiert und am Schauspiel Hannover bin ich die Produktionsassistentin für die Cumberland.
Mirko Borscht: Hey, ich bin Mirko und freiberuflicher Regisseur, manchmal mache ich auch noch Videos für Theaterproduktionen, die viel Spaß machen und sich mit extremer Musik beschäftigen. Ich bin in Cottbus geboren und lebe in Berlin. In Hannover habe ich vor zehn Jahren die Inszenierung komA an der Tellkampfschule zum Thema Amoklauf mit Schülerinnen und Schülern gemacht.

Für Menschen, die die Universen noch nicht kennen: Was verbirgt sich dahinter?
Martinez: Die Universen sind eine Brücke zwischen Stadt und Theater. Es geht darum, dass sich Menschen aus der Stadt mit Künstlerinnen und Künstlern treffen. Ohne Druck, etwas zu (er-)schaffen, sondern es geht um die transformierende Erfahrung, die man mit Kunst machen kann. Im besten Fall. Jede und jeder soll spüren, dass sie oder er Kunst machen kann.

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Was erwartet das hannoversche Publikum konkret ab dem 23. Oktober?
Borscht: Wir wollen die Türen drei Tage die Woche aufmachen, ihr könnt einfach vorbei kommen. Ihr könnt Künstlerinnen und Künstlern beim Arbeiten zugucken, die Atmosphäre genießen, gute Musik hören, schöne Kostüme, tolle Kunstobjekte oder schöne Menschen betrachten.
Martinez: Das erste Künstlerinnen-Duo sind Kadir und Lilly. Sie arbeiten unter dem Titel „Dragstore“ und entwickeln mit euch zusammen eine Drag-Persona. Vor Ort werden dann ganz viele Kostüme sein und Schminke und Schuhe und Perücken. Und es gibt – wenn alles gut klappt – noch einen professionellen Make-up Artist, der Tipps gibt und eine Fotografin. Ziel ist es mit Gender-Klischees zu spielen, diese zu brechen und ganz neue Seiten an sich zu entdecken.
Borscht: Ab 30. Oktober besetzt Yaroslav Schwarzstein die Bühne. Er ist Konzeptkünstler und wandelt geschriebene Texte in Bilder, Filme, Spiele und Animationen, manchmal auch Objekte. Wir sind über eine Figur gestoßen, die halb Schwein halb Mensch halb Baum ist, also ein Lebewesen, was im besten Fall eine Art von Kreislauf hat, was eine wahnsinnige Utopie ist, was eigentlich gar nicht richtig sterben kann, weil der Tod sofort die Transformation in das nächste Stadium ist. Und es gibt eigentlich keinen Anfang und kein richtiges Ende. Wir haben eine Konstruktion, bei der wir versuchen wollen eine Art Baum herzustellen, aus dem diese Schweinewesen schlüpfen können. Vielleicht wird es auch ein Ausgrabungsort, bei dem niemand weiß, wo die Skelettreste aufhören und der lebende Wald anfängt.

Die Universen sind dieses Jahr ziemlich musikalisch. Was könnt ihr dazu erzählen?
Martinez: Ja, wir konnten das hannoversche Kollektiv „soft spot“ gewinnen. Während es auf der Cumberland ist, können Menschen einfach vorbeikommen und ihre Musik mitbringen, aber auch lokale DJs erleben, die live spielen. Es geht darum, dass jede und jeder ein Lied teilt „which makes us move“. Was bewegt uns, körperlich, seelisch? Wieso rührt uns dieses Lied? Ist es der Rhythmus? Die Melodie? Ist das die unterschiedliche Form, wie Instrumente miteinander sprechen?
Borscht Im November haben wir Romy Camerun, eine Jazzsängerin und Pianistin und Jo Flüeler, einen Cellisten, der sehr viel auch als Elektronik-Musiker arbeitet, eingeladen. Zusammen mit mir als Videokünstler geht es um das, was sonst herausgefiltert wird: Ein Instrument ist kaputt, eine Saite ist gerissen oder es gibt ein Störgeräusch, ein Netzbrummen, wenn ich ein Instrument verstärken will. Also Sounds die normalerweise entfernt werden, für einen reinen, klaren Klang. Das bedeutet, niemand muss ein Instrument spielen können. Ziel ist vielmehr, jedes Geräusch, jede Sprache, jeden Ton zu benutzen. Für die einen klingt es wie Lärm, für andere entsteht eine große Oper aus Störgeräuschen.

Weitere Informationen

Ab dem 23.10. starten die Workshops der Universen in Cumberland.
Anmeldungen per E-Mail an universen@staatstheater-hannover.de

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