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Spielzeit Eine alles übersteigende Liebe oder wortlos glücklich
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Eine alles übersteigende Liebe oder wortlos glücklich

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Dem Raum zwischen konkreter Realität und der Innenwelt der Figuren verleihen eine Tänzerin und ein Tänzer mittels des Gestenrepertoires des japanischen Tanztheaters Ausdruck. Quelle: Thomas M. Jauk
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Ertrinken / versinken / unbewusst / höchste Lust!“ Mit diesen Worten sinkt Isolde auf Tristans Leiche, bevor die letzten Klänge verhallen und die Oper zu Ende ist. Grenzenlos und rauschhaft: Die Geschichte von „Tristan und Isolde“ gehört heute zu den großen Liebesgeschichten dieser Welt. Doch so liebestrunken und ekstatisch, wie die Geschichte endet, beginnt sie nicht: Am Anfang steht eine nicht eingelöste Schuld zwischen Tristan und Isolde, die Isolde mit einem Todestrank sühnen will. Der Todestrank ist in Wahrheit aber ein Liebestrank, heimlich vertauscht durch Isoldes Magd. Und so verstricken sich Tristan und Isolde unschuldig-schuldig in eine ausweglos leidenschaftliche Liebe, die zum Tod der beiden führt.

Für den Regisseur Stephen Langridge erzählt „Tristan und Isolde“ die Geschichte einer alles übersteigenden Liebe. Dass dabei in der Beziehung zwischen den Figuren vieles unausgesprochen bleibt, wird zur Grundidee seiner Regie: Vor den Augen der Zuschauerinnen und Zuschauer entfaltet sich ein Bühnenbild aus Licht und Formen, die sich zunehmend verwandeln, eine Butoh-Tänzerin und ein Butoh-Tänzer symbolisieren mit langsamen, kaum wahrnehmbaren Bewegungen die traumartigen Bewusstseinszustände der Figuren. Der Butoh-Tanz kommt ursprünglich aus Japan und ist für Langridge eine emotionale Ausdrucksform, die Bilder von Sehnsucht und Leiden erzeugt. Durch die Tänzer entsteht eine geheimnisvolle Ebene, die uns ohne Worte etwas über jene Sphäre zwischen Realität und Traum erzählt.

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Um solche wunderbaren Liebesträume auch in Zeiten von Corona erzählen zu können, wurde extra eine Fassung erarbeitet, in der alle drei Akte gespielt und die Schlüsselszenen bewahrt werden, die den Zauber der Oper ausmachen: die Einnahme des vermeintlichen Todestrankes, das große Liebesduett im zweiten Akt mit König Markes Auftritt sowie Tristans Todessehnsucht im dritten Akt, der mit Isoldes Liebestod abschließt. Selbst Wagner-Hardcore-Fans werden an diesem Abend auf ihre Kosten kommen.

Am Pult des zwanzigköpfigen Orchesters steht Constantin Trinks, der vergangene Saison mit „La Juive“ seinen erfolgreichen Einstand an der Staatsoper Hannover feierte. Die reduzierte Orchesterfassung stammt von Osamu Sasaki und überzeugt durch eine vielfach solistische Besetzung der einzelnen Instrumente. Übrigens: Wer im Juli bei der „Summer Session“ in Herrenhausen dabei war, wird sich an „Le Vin herbé“ erinnert fühlen, eine weitere Bearbeitung des „Tristan“-Stoffes durch den Schweizer Komponisten Frank Martin.

Ab Oktober steht „Tristan und Isolde“ in der zwar angepassten, aber ansonsten vollständig erhaltenen Originalinszenierung von Stephen Langridge inklusive des Butoh-Tanzes wieder auf dem Spielplan. Ebenfalls wieder mit dabei ist Robert Künzli, der 2015 den Tristan in der Premiere interpretiert hat.

Johanna Mangold

Der Tenor

Robert Künzli erhielt seine Ausbildung in Toronto. Nach seinem Studium wurde der Tenor Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper München, es folgten Engagements in Lübeck, Mannheim, Essen und Stuttgart. In den letzten Jahren hat sich Robert Künzli als Heldentenor an zahlreichen Bühnen Europas etabliert. Er sang Partien wie Max („Der Freischütz“), Loge („Das Rheingold“) und Hoffmann („Hoffmanns Erzählungen“) und gastierte unter anderem an den Opernhäusern von Stuttgart, in Berlin (Staatsoper, Komische Oper), Wien und Paris. Seit 2008 ist Robert Künzli Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover.

Weitere Informationen

TRISTAN UND ISOLDE
Oper von Richard Wagner (gekürzte Fassung)
Reduzierte Orchesterfassung von Osamu Sasaki
In deutscher Sprache mit Übertiteln
Musikalische Leitung: Constantin Trinks Nach einer Inszenierung von: Stephen Langridge Szenische Einrichtung: Felix Schrödinger
Bühne, Kostüme: Conor Murphy Butoh-Choreografie: Tadashi Endo Licht: Susanne Reinhardt Chor: Lorenzo Da Rio Dramaturgie: Christopher Baumann, Johanna Mangold
Tristan Robert Künzli König Marke Shavleg Armasi Isolde Magdalena Anna Hofmann Kurwenal Michael Kupfer-Radecky Melot
Gagik Vardanyan Brangäne Monika Walerowicz Ein Steuermann Darwin Prakash / Richard Walshe Ein junger Seemann Marco Lee / Long Long Butoh-Tanz Nora Otte, Tadashi Endo Herren des
Chores der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staats-
orchester Hannover
Wieder im Repertoire ab: Sonntag, 11. Oktober, 16 Uhr,
im Opernhaus

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