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Einsam im Großstadtgetriebe

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15:51 03.12.2020
Bürokrat und Literat: Im Kafka-Off-Bureau. Quelle: Theater fensterzurstadt

Die Versicherung, bei der er so lange gearbeitet hat, nannte der Prager Schriftsteller Franz Kafka das „dunkle Bürokratennest“. Der Jurist kannte sich aus mit den verschlungenen Strukturen der Verwaltung, mit den Abgründen der menschlichen Seele, mit dem Leiden an der unübersichtlichen Moderne. Ein Literat der Widersprüche zwischen verschiedenen Religionen, Sprachen und Traditionen, er wurde nicht einmal 41 Jahre alt. Ein Einsamer mitten im Großstadtgetriebe, ängstlich und menschenscheu.

Der Sohn eines jüdisch-bürgerlichen Kaufmanns, Jahrgang 1883, litt zeitlebens unter seinem übermächtigen Vater, der für die literarischen Ambitionen des sensiblen jungen Mannes kein Verständnis hatte. Das schwierige Verhältnis verarbeitete Kafka in einigen seiner Werke. Zu den bekanntesten der verstörenden Erzählungen und Romane gehören „Die Verwandlung“, „Das Urteil“ oder „Das Schloss“. Mit Kafka macht wohl jeder seine eigenen Erfahrungen.

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Eigentlich wollte das Theater fensterzurstadt im vergangenen Sommer im Hof der Alten Tankstelle das Kafka-Off-Beat-Projekt präsentieren. Corona durchkreuzte zunächst die Pläne, das Theaterteam gab nicht auf, sondern verlegte das Vorhaben ins Netz. „Wir wollen mit unserem Publikum in Kontakt bleiben. Der digitale Raum ist zwar kein Ersatz, aber eine gute und wichtige Ergänzung“, sagt Projektleiter und Kafka-Fan Carsten Hentrich. „Wir lernen sehr viel bei dieser Arbeit und entwickeln neue Formen und Möglichkeiten der Interaktion.“ Im Netz bauen die Theaterleute an einem „Ministerium für Einsamkeit“, in diesem virtuellen Gebäude hat auch das „Kafka-Off-Büro“ seinen Sitz – eine Art Rohbau mit verschiedenen Etagen, in denen Videos, Audios und Textpassagen von und über Franz Kafka zu finden sind, Miniaturen und Impressionen aus dem unergründlichen Kafka-Universum. Das Recherche-Projekt wird mit einem Stipendium der Kulturstiftung des Bundes unterstützt. Im kommenden Sommer wollen die Theatermacherinnen und Theatermacher das Kafka-Projekt dann live präsentieren. Bis dahin hoffen sie auf möglichst viel Input aus dem Publikum – telefonisch unter (0511) 213 31 35 oder k.o.b@fensterzurstadt.de.

Dz

Infos unter http://www.fensterzurstadt.de/k-o-b.

Die Freie Szene im Netz

Wegen der aktuellen Maßnahmen zum Schutz gegen die Corona-Pandemie müssen die Theater zunächst geschlossen bleiben. Einige kleine Häuser präsentieren ihre Vorstellungen deshalb digital, Informationen gibt es auf den jeweiligen Homepages. Im April 2020 wurde das neue Online-Portal der Freien Theater Hannover (FTH) ins Leben gerufen: FTH.tv. Damit hat die Freie Szene eine gemeinsame virtuelle Bühne, die mit Live-Streams, Trainingsprogrammen, Interviews und Back-Stage-Geschichten bespielt wird. Viel Spaß beim Stöbern.

Alles unter vimeo.com/freiestheaterhannover.

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