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Eleganz beim Wechselschritt

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16:05 02.12.2019
Let´s dance! Quelle: Jonas Vietzke

Walzer, Tango oder Foxtrott: „Die Grundschritte sollten weltweit gleich sein.” So jedenfalls ist es in den Unterrichtszielen des Welttanzprogramms festgeschrieben. Für Jonas Vietzke und das Team vom Theater an der Glocksee bilden diese Unterrichtsziele den Grundrhythmus für eine szenische Übung auf dem gesellschaftspolitischen Parkett, auf dem heute oft ideologische Grabenkämpfe ausgetragen werden und Meinungen unversöhnlich aufeinanderprallen: Schlagabtausch statt „Eins, Zwei, Wechselschritt“, wie man es in der Tanzstunde lernt.

Pflanzengesänge

Wie viel Empathie besitzt der Mensch anderen Lebensformen gegenüber? Ein Jahr lang hat die Theatermacherin und ehemalige Biologiestudentin Lena Kußmann gemeinsam mit dem Gärtner und Audioproducer Konstantin Schulz den Sounds der Pflanzen gelauscht und daraus die Soundfläche „Beat of the Plants“ mit tanzbaren Tracks geformt. Mit dem niederländischen Performancekollektiv Zwermers experimentieren sie mit passenden Bewegungsmöglichkeiten. Im zweiten Teil des Abends präsentieren die Zwermers einen Ausschnitt aus ihrer Produktion „Chainsew“ und werden dabei von einem Violinisten begleitet. Ein performatives Doublefeature mit Musik und (fast) ohne Sprache.
Am 20. und 21. Dezember, 20 Uhr. Karten unter www.theater-an-der-glocksee.de. 

„Wir beobachten, dass sich im öffentlichen Diskurs die Fronten verhärten, dass es nur noch ein Gut-Böse-Schema gibt, in dem kein Platz mehr bleibt für Zwischentöne.“ Vielleicht fehlt aber auch das Taktgefühl. In der aktuellen Produktion „Was Du nicht sagst! Eine gesellschaftspolitische Tanzstunde“ orientiert sich das Ensemble unter der Leitung von „Tanzlehrer“ Vietzke an den international verbindlichen Tanz-Regeln. „Dabei geht es um Haltung, Rücksicht und Eleganz“, betont Vietzke. Also um Denkweisen und Eigenschaften, die sich auf den Umgang miteinander übertragen lassen – auch außerhalb des Tanzparketts!
„Wir versuchen, den aktuellen verbalen Diskurs in neue Bilder und auch in Bewegungen aus der Tanzschule zu übersetzen. Dort gelten bestimmte Regeln, die zunächst eingeübt werden müssen. Danach aber gibt es genügend Spielraum für elegante Drehungen.“ Das Theaterteam interessiert sich vor allem für die individuellen Spielräume. „Erst wer die Regeln beherrscht, kann die Freiräume auch nutzen, kann sich also souverän auf dem Parkett bewegen, ohne die anderen zu behindern. Dieser Anspruch des Welttanzprogramms fasziniert uns. Vielleicht hilft uns dieses Programm ja auch im Alltag weiter.“
Dabei gehörte Vietzke als Jugendlicher zu den erklärten Tanzstundenmuffeln. Heute hingegen eröffnen sich ihm völlig neue Perspektiven. Welche Musik wird gespielt – und wer legt eigentlich auf? Wer hat das Sagen – und warum? Über Fragen wie diese hat das Ensemble diskutiert und auch eigene Texte entwickelt, die zwischen den einzelnen Runden auf dem Parkett zur Sprache kommen. Links, rechts, links oder rechts, links, rechts? Beginnt der Herr mit dem linken Fuß, beginnt die Dame mit dem rechten – auch das ist eine Frage der Perspektive. Sonst tritt man sich gegenseitig auf die Füße.  Eine humorvolle Suche nach gesellschaftlichen Spielregeln für ein neues, unverkrampftes Miteinander. Let’s dance!

Dz

Premiere am 6. Dezember, 20 Uhr, im Theater an der Glocksee. Karten@theater-an-der-glocksee.de.

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