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Emotional und voller Klarheit

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16:39 03.12.2020
Adam Russel-Jones in „Thin skin“. Quelle: ksw

Trainiert wird täglich! Auch wenn das Staatsballett Hannover im Moment nicht für das Publikum tanzen kann. Nach der erfolgreichen Online-Premiere des dreiteiligen Ballettabends „Rastlos“ arbeiten die Tänzerinnen und Tänzer nun wieder intensiv mit ihrem Ballettdirektor. Denn eigentlich sollte im Dezember der Ballettabend „We’ll meet again“ einen intensiven Einblick in Marco Goeckes Gesamtwerk geben.

Die Tanzsprache von Hannovers Ballettdirektor ist unverwechselbar. Der Schlüssel zu seinen Choreografien ist das Gefühl. „Selbst, wenn man die Tendenz hat, Gefühle eher nicht nach außen zu zeigen; die Arbeit mit Marco bringt dich dazu, nach innen zu schauen und dich mit dir selbst auseinanderzusetzen“, berichtet die Tänzerin Giada Zanotti aus eigener Erfahrung.

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„Marcos Choreografien zu tanzen, ist eine unvergleichbare Erfahrung. Sie sind ein ganz eigenes Universum. Sie sind emotional und gleichzeitig braucht es eine unsagbare Klarheit, über jede noch so kleine Bewegung, die du auf der Bühne ausführst“, beschreibt Tänzerin Lilit Hakobyan den Probenprozess des Solos „Tué“, das Teil des Ballettabends ist. Das Solo kreierte Marco Goecke 2009 in Monte-Carlo für Startänzerin Bernice Coppieters zu der Musik der französischen Sängerin und Komponistin Barbara und machte es Prinzessin Caroline von Monaco zum Geschenk. „Dieses Solo bringt drei sehr inspirierende Frauen in Verbindung. Ich bin sehr dankbar, dass ich in ihre Welt treten und dieses ganz besondere Solo auf meine Weise erzählen darf“, verrät Lilit.

Der Tänzer Louis Steinmetz kam durch das Solo „Äffi“ das erste Mal mit Marco Goecke und seiner Kunst in Berührung. „Das war vor drei Jahren und es begleitet mich seither. Marco sagte, ich solle hinter meiner Seele herrennen, ich solle hinter seiner Seele herrennen – trotziger, kräftiger müsse es sein. ‚Freak out‘, sagte er mir. ‚Hau etwas Kraft rein, aber zeig auch Ruhe, Selbstbewusstsein und Zartheit.‘ Ich frage mich immer noch: Wann kann ich mich mit dem Solo identifizieren und verschiedene Facetten, verschiedene Gesichter zeigen?“ „Äffi“ ist und bleibt für Louis ein Solo, das er jedes Mal wieder neu entdeckt und das ihn über seine physischen und psychischen Grenzen hinausgehen lässt.

„Für Marco und seine Choreografien wirst du niemals der falsche Tänzer oder die falsche Tänzerin sein. Er arbeitet mit deinen individuellen Eigenschaften, um das Beste aus dir herauszuholen“, so Javier Ubell. Er probt das Solo „Cry Boy“, das Marco Goecke 2014 für ihn kreierte. Darin wirft der Choreograf einen Blick auf die Schattenseite des Leistungssportes: die Einsamkeit, der immense Druck, auf Abruf funktionieren zu müssen, bloß keine Schwäche zu zeigen. Für den Tänzer kam das Solo damals einem wilden Tier gleich, das es zu besiegen galt. Es erfordert ein hohes Level an Aggression, Selbstbeherrschung und Geschwindigkeit. „Es gibt keinen langsamen Einstieg. Die Inspizientin zählt von drei abwärts und dann springst du auf die Bühne, wie aus der Kanone geschossen, und legst los.“ Wenn Javier Ubell sich jetzt, sechs Jahre später, dem Solo wieder annähert, stellt er fest, dass sich seine Haltung verändert hat: Er hat nicht mehr das Gefühl, die Choreografie überwinden zu müssen, er fühlt sich ihr gleichwertig und hat das Gefühl, mehr Kontrolle über sie zu haben. „Da ist immer noch diese Intensität, die ist nicht weniger geworden. Aber ich habe über die Zeit an innerer Ruhe gewonnen. Ich nehme mir jetzt beispielsweise mehr Zeit zum Atmen und habe neben dieser durchgehenden Anspannung auch zarte Momente entdeckt.“

Der Ballettabend „We’ll meet again“ setzt sich aus Ausschnitten der Repertoire-Stücke „Nijinski“, „Kiss a Crow“ und „Thin Skin“ sowie den drei mehrfach ausgezeichneten Solo-Choreografien aus dem Gesamtwerk des Ballettdirektors zusammen. Das Staatsballett freut sich darauf, seinem Publikum so bald wie möglich die Gelegenheit zu bieten, Marco Goecke, seine Choreografien und die Tänzerinnen und Tänzer näher kennenzulernen.

Marie Leese

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