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Endlich Händel

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10:14 31.01.2020
Quelle: Clemens Heidrich
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ALCINA

von Georg Friedrich Händel

Musikalische Leitung: Rubén Dubrovsky, Cameron Burns Inszenierung: Lydia Steier Szenische Einstudierung: Ulrike Jühe Bühne: Flurin Borg Madsen Kostüme: Gianluca Falaschi Licht: Roland Edrich Chor: Lorenzo Da Rio, Matthias Wegele Dramaturgie: Juliane Luster, Martin Mutschler Musiktheatervermittlung: Marleen Kiesel

Alcina Hailey Clark Ruggiero Vince Yi Morgana Mercedes Arcuri Bradamante Avery Amereau / Evgenia Asanova Oronte Rupert Charlesworth Melisso Richard Walshe Oberto Veronika Schäfer

Chor der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover, Statisterie der Staatsoper Hannover

Premiere: Sonnabend, 8. Februar, 19.30 Uhr, im Opernhaus

Die Arien dieser 1735 in London uraufgeführten Barockoper prunken mit virtuosen Koloraturen, die Melodien erweisen sich als sofortige Ohrwürmer, Lebenslust und Liebesleid werden durch die Musik unmittelbar erfahrbar. Dabei hat die Barockoper nicht den besten Leumund. Gerade an vielen Werken Georg Friedrich Händels (1685–1759) hängt der Ruf, bloß starren Schemata zu folgen und blasse Figuren durch langwierige Liebeswirren zu schleusen. Dieses pauschale Urteil, das oftmals mehr mit der Interpretation als mit den Werken selbst zu tun hat, trifft auf keine von Händels Opern so wenig zu wie auf „Alcina“.
Die Oper gewinnt an dramatischem Potential durch die Spannung zwischen zwei grundverschiedenen Weltanschauungen: zwischen bürgerlicher Ordnung und anarchischer Lust. Bradamante kommt auf der Suche nach ihrem Verlobten Ruggiero ins Reich der Zauberin Alcina, die auf einer verwunschenen Insel residiert. Bald findet sie ihren Ruggiero wieder, doch dieser steht im Bann Alcinas und will von seiner Vergangenheit nichts wissen. Lieber gibt er sich der Sinnenwelt der Zauberin hin und ignoriert, dass die ausrangierten Liebhaber gnadenlos in Tiere, Pflanzen oder Steine verwandelt werden – und dass er wie alle Männer gefährdet ist, auf Alcinas Abschussliste zu landen.

Freiheiten der Liebe
Zahlreiche Ver- und Entwirrungen müssen sich ereignen, bevor der Bann der Zauberin gebrochen ist und die Inselwesen wieder in Menschen zurück verwandelt werden. Natürlich stellt sich hier die Frage, ob die wiederhergestellte Ordnung überhaupt so erstrebenswert ist und ob man überhaupt noch ins alte Leben zurückkehren kann, wenn man einmal von der Freiheit anderer Liebesentwürfe gekostet hat. Welche der beiden Lebensformen ist die bessere? Wie so oft im Theater müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer sich selbst fragen: Wo positioniere ich mich zwischen Bürgerlichkeit und freier(er) Liebe?
Was den Wechsel der Gefühle angeht, steht „Alcina“ ganz im Geiste der barocken Komödie, wo zwischen Lachen und Weinen, Glück und Verzweiflung oft nur ein Augenblick liegt und ein einziges Stichwort sofort die ganz großen Affekte entzündet. Gleichzeitig ist die Oper aber auch ein „dramma per musica“: So schnell sich die Figuren ver- und entlieben mögen, so tragisch ernst ist jeder Schmerz, jeder Verlust und jede Angst – und so tief empfunden Händels Musik.

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Fantastische Welten
Lydia Steier – gefeiert für ihre Inszenierung von Halévys „La Juive“ im letzten Herbst – entwarf einen Bilderbogen, der gleichzeitig ernst und verspielt ist und die beiden Welten in ihrem Aufprall lustvoll erfahrbar macht. Gianluca Falaschis Kostüme sind dabei so fantasievoll und überbordend, dass er nach der Premiere des Stücks am Theater Basel von der Zeitschrift „Opernwelt“ zum Kostümbildner des Jahres 2017 gewählt wurde.
„Alcina“ nun auch in Hannover zu erleben, ist auch musikalisch ein Ereignis: Mit Rubén Dubrovsky steht ein ausgewiesener Experte für Barockmusik am Pult des Niedersächsischen Staatsorchesters. Die Zauberin wird verkörpert von der Sopranistin Hailey Clark, die auch in „La Juive“ die Titelpartie und zuletzt die Musetta in „La Bohème“ sang. Rupert Charlesworth, Richard Walshe und Mercedes Arcuri, ebenfalls aus dem Ensemble der Staatsoper, sowie Gäste wie die Altistin Avery Amereau und der Countertenor Vince Yi machen „Alcina“ zu einem Fest ddes Gesangs und stellen den Zauber der Barockoper lustvoll unter Beweis.Martin Mutschler

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