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Erinnerungen im Brennglas

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Die Glasmenagerie
Gefangen in der eigenen Vergangenheit: „Die Glasmenagerie” im Theater in der List. Quelle: Joachim Giesel

Jeder hat seine eigenen Träume – von einem anderen Leben, von der großen Liebe, vielleicht sogar von einer gerechteren Welt mit einem gesunden Klima. Andere sehnen sich nach Ruhe und Sicherheit in diesen seltsamen Zeiten. „Viele Menschen sind auch dabei, die Vergangenheit zu verklären. Doch das kann gefährlich werden, weil man unangenehme Dinge gern ausblendet.“ Regisseur Florian Hackspiel ist neu am Theater in der List. Dort inszeniert der gebürtige Österreicher und Wahlberliner den Theaterklassiker „Die Glasmenagerie“ von Tennessee Williams, heute ein eher nostalgisches Stück, das 1944 in Chicago uraufgeführt wurde und den Autor über Nacht berühmt machte: ein Fest für Schauspielerinnen und Schauspieler mit klassisch gezeichneten Figuren. Ein Familienstück mit einer alleinerziehenden Mutter, die sich in ihre Jugend als Ballkönigin flüchtet, mit einem unzufriedenen Sohn, der heimlich Gedichte schreibt, und einer verträumten Tochter, die mit ihren Glasfiguren spielt. Und dann taucht plötzlich noch ein Arbeitskollege des Bruders auf, man kommt sich näher. Dabei zerbricht das schönste Glastierchen der Sammlung. Traum und Realität treffen aufeinander.

„Das ist ein emotional unfassbar modernes Stück“, betont der Regisseur. „Wie oft beschwören wir etwas, das früher angeblich besser war. War das wirklich so? Mir geht es nicht um die Familiengeschichte. Ich interessiere mich für die einzelnen Personen und ihre jeweiligen Erinnerungen. Die Figuren beißen sich in den Erinnerungen regelrecht fest, sie sind darin gefangen. Das zeigt sich wie unter einem Brennglas.“ Das Ensemble des Theaters in der List hatte sich das Stück schon länger gewünscht. Während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr gab es erste Kontakte zwischen Willi Schlüter und Florian Hackspiel. Der 38-jährige Theatermacher war im Netz zufällig auf die Seite des Freien Theater Hannover (FTH) gestoßen. „Die Arbeit der freien Szene in Hannover interessiert mich, ich habe Kontakt zu Willi Schlüter vom Theater in der List aufgenommen, wir sind zunächst digital in Verbindung geblieben.“ Nun ist Hackspiel nach Hannover gekommen und hat für die Zeit der Produktion eine Wohnung bei Freunden gefunden. „Unter den geltenden Hygieneregeln und mit Maske können wir im Theater auf unserer großen Bühne mit vier Akteurinnen und Akteuren gut auf Abstand proben.“

Auf dem Weg zur Arbeit lässt sich der Regisseur vom Stadtteil inspirieren und von den Menschen, die dort – unter Coronabedingungen – unterwegs sind. „Ich mache gern Off-Theater. Und bin gespannt, wie das Publikum auf meine Arbeit reagiert.“ Möglich, dass er auch künftig mit dem Team von Willi Schlüter arbeiten wird. Die Premiere der „Glasmenagerie“ soll  noch in diesem Monat gezeigt werden – wenn nicht live und auf Abstand vor Ort, dann zunächst als Live-Stream aus dem Theater in der List.

Dz

Premiere am 23. April, 20 Uhr.
Aktuelle Infos und Karten unter www.theaterinderlist.de.

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