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„Es geht um diese Sensibilität“

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11:44 24.10.2019
Ana Paula Camargo Quelle: ksw

Frau Camargo, wo haben Sie getanzt, bevor Sie nach Hannover gekommen sind?
Mein erstes Engagement habe ich in Curitiba in Brasilien erhalten. Danach bin ich der São Paulo Dance Company beigetreten, die damals neu gegründet wurde. Ich war von Tag eins an dabei und habe mich nach elf Jahren dazu entschlossen, eine neue Herausforderung zu suchen. Im Februar 2019 wurde ich zum Vortanzen nach Hannover eingeladen und freue mich jetzt auf diesen Neubeginn.

Wie war Ihr erster Eindruck von Hannover?
Wir waren mit der São Paulo Dance Company 2017 hier auf Tour und ich hatte mich besonders in die Architektur des Opernhauses verliebt. Ich hatte immer das Bild dieses Ballettsaals im Kopf. Und diese große Bühne!
Die Bühne hier ist toll, mit vielen netten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mein erster Eindruck vom Theater: einfach super! Da ich sowieso nach einer ruhigeren Stadt als São Paulo gesucht habe, mochte ich es hier sofort. Mal sehen, wie es nach dem Winter aussieht, wenn es sehr kalt wird. Aber mir wird es bestimmt immer noch gefallen.

Welchen Eindruck haben Sie von Deutschland?
Hier ist es ganz anders als in Brasilien. Ich habe den Eindruck, dass hier alles sehr gut funktioniert. Jeder weiß, was zu tun ist. Das würde ich gerne mal in Brasilien sehen, weil es dort ganz anders läuft. In Brasilien finden die Künste nicht so viel Publikum. Hier schenkt man ihnen mehr Beachtung. Jeder weiß, wie man mit Kultur und Kunst umgeht, weil sie jeder kennt und respektiert. Ein anderer großer Unterschied ist der Rhythmus der Aufführungen. In Brasilien tanzt man von Donnerstag bis Sonntag ohne Pause. Hier werden die Vorstellungen besser verteilt. Wir haben zwischendurch freie Tage, und damit geht es mir viel besser – auch, weil wir sehr viel Ballett interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer haben. Deswegen weiß ich es wirklich zu schätzen, dass das Publikum hier so häufig ins Theater geht, um den Tanz zu sehen und uns zu unterstützen. Das ist einfach schön.

Haben Sie den Eindruck, dass sich die Vorurteile gegenüber Deutschland, von denen Sie gehört haben, bestätigen?
Nein, nicht wirklich. Ich hatte gehört, dass in Deutschland kalte und zurückhaltende Menschen wohnen. Ein bisschen zurückhaltend vielleicht – im Gegensatz zu Brasilien – aber ich hatte immer das Gefühl, dass jeder sehr hilfsbereit ist. Nur bei der Anmeldung in Deutschland war es sehr stereotyp. Ich durfte kein Englisch sprechen, nur Deutsch!

Was hat Ihnen in Brasilien besser gefallen?
In Brasilien sind wir immer bereit zu improvisieren, wenn die Dinge nicht so funktionieren, wie sie sollen, sodass wir einfach mehr Möglichkeiten haben. Manchmal finden wir schneller Lösungen. Hier ist vieles vorgegeben. Das heißt nicht, dass wir beim Tanzen keine Freiheiten haben, aber in Brasilien war es ein bisschen mehr.

Sie sind jetzt schon zwei Monate hier ...
... ich fühle mich aber immer noch ein bisschen wie eine Touristin. Zwei Monate sind nicht genug Zeit, richtig in einer neuen Stadt anzukommen, aber nach der Premiere und den Aufführungen fühle ich mich allmählich als Teil des Ensembles und des Theaters.
Es fühlt sich schon fast wie zu Hause an, nur noch nicht ganz. Wir konnten schon vor dem Start in den Ballettsälen trainieren. Also war ich zwei Tage hier, am Freitag und Sonnabend, bevor wir anfingen zu arbeiten. Das war der erste Kontakt mit den neuen Tänzerinnen und Tänzern, und ich habe mich einfach willkommen gefühlt. Das war schön. Generell mag ich die Stimmung in der Compagnie.

Haben Sie schon einen Lieblingsort in Hannover?
Noch nicht, weil ich so nah an der Oper wohne und der Weg nach Hause nicht so weit ist. Ich war aber schon am Maschsee, dort hat es mir sehr gut gefallen. Aber ich muss Hannover wohl noch etwas mehr erkunden, um einen Lieblingsort zu finden.

Kannten Sie Marco Goecke vorher?
Ich liebe die Choreografien von Marco Goecke. Ich hatte vorher mit drei Stücken von ihm zu tun. Es ist einfach schön, mit einem Künstler zusammenzuarbeiten, an dem ich schätze, wie er denkt und wie er mit den Tänzerinnen und Tänzern umgeht.

Sie tanzen in zwei Stücken des Ballettabends „Beginning“. Wie würden Sie die beiden Stücke beschreiben?
„Prélude“ ist für eine Gruppe gemacht. Es ist perfekt für eine neue Compagnie – alle müssen sich gegenseitig kennenlernen und lernen, einander zu vertrauen. Und „Thin Skin“ war das erste Stück von Marco, das ich getanzt habe. Ich habe die Kreation im Internet verfolgt, und ich glaube, dass es ein wirklich sensibles Stück ist: Wie geht man mit dem um, was man selbst für das Stück mitbringt, und mit dem, was Marco dafür braucht? Ich glaube, es ist eine Balance zwischen unserer Persönlichkeit und seinen Ideen. Es geht um diese Sensibilität.

Wie ging es Ihnen vor Ihrer ersten Premiere in Hannover?
Ich hatte vor der Premiere einen Albtraum! Ich bin nach der Probe nach Hause gegangen und habe geträumt, dass ich die Musik von „Prélude“ höre und die Premiere schon angefangen hat, aber ich konnte mein Kostüm nicht finden und war so verzweifelt! Und als ich dann auf die Bühne gehen wollte, sagte unser Ballettmeister zu mir: „Geh ins Büro!“ Ich bin zu Marco gegangen und er hat mich panisch gefragt, wo ich denn gewesen sei. Ich habe ihm erklärt, dass ich mein Kostüm gesucht habe! Und dann haben die beiden diskutiert, wie es mit dem Ballettabend „Beginning“ weitergehen soll. Oh Mann! Und das direkt vor der Premiere … Aber es ist ja alles gut gegangen.

Interview: Henri Nidzwetzki

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