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Wagner 3.0 Hubert Zapior wird mit einem Kunstkopf Mikrofon aufgenommen
Ensemblemitglied Hubert Zapiór bei den Tonaufnahmen im Opernhaus, die in die Studie mit einfließen werden. Quelle: Clemens Heidrich

Wie sieht die Zukunft des Hörens aus? Jüngst hatte die Staatsoper Besuch vom kooperativen Forschungsprojekt Wagner 3.0 der Hochschule für Musik, Theater und Medien und der Leibniz Universität Hannover. Das Forscherteam untersucht, welche elektroakustischen Aufnahme- und Wiedergabeverfahren – Stereo, Surround, Multikanal-3D-Audio – den natürlichen Höreindruck in einem Opernhaus an einem anderen Ort bestmöglich wiedergeben. Außerdem stellt sich die wissenschaftliche Frage, mit welchen Methoden der Grad der akustischen Einhüllung (Immersion) gemessen werden kann. Lässt sich mit modernen Mitteln der digitalen, virtuellen Klangraumerzeugung das Ideal eines vom Orchesterklang eingehüllten Hörers realisieren? So hatte es bereits 1873 Richard Wagner zukunftsweisend formuliert – und mit dem Bau des Festspielhauses in Bayreuth 1876 auch realisiert.
Um die besondere akustische Raumerfahrung in der Staatsoper mit immersiven 3D-Audio-Formaten nachbilden zu können, wurden einige Ton-Aufnahmen in unterschiedlichen Räumen des Opernhauses gemacht. Ensemblemitglied Hubert Zapiór, der in Hannover schon als Figaro in „Der Barbier von Sevilla“ zu erleben war, sang die Hörbeispiele ein. Mithilfe dieser Aufnahmen werden Professor Reinhard Kopiez und Professor Jürgen Peissig ihr Forschungsvorhaben dem Publikum vorstellen.
"Die Idee, dass es einen perfekten Klang gibt, ist meiner Ansicht nach falsch. Eigentlich lieben wir die Kunst, weil sie von Menschen gemacht ist. Da spielt das Individuum eine sehr große Rolle. Zu Beginn der Musikgeschichte hat man einen sehr individuellen Klang bewundert. Heute hat sich das zum Teil verändert. Ich hoffe aber, dass wir wieder dorthin kommen, dass man die Sängerinnen und Sänger wegen ihres individuellen Timbres, ihrer Mimik und Gestik anerkennt. Die Imperfektion dabei macht das Erlebnis interessant. Die Menschen haben sich heute in vielerlei Hinsicht an schlechten Klang gewöhnt – vom Fernseher, vom Computer oder von Lautsprechern. Dadurch ist das Klangerlebnis umso überwältigender, wenn sie zu uns ins Opernhaus kommen und merken, wie toll der Live-Klang sein kann.“ Laura Berman
Die digitale Weiterentwicklung wird nicht nur auf  akustischer Ebene in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Staatsopern-Intendantin Laura Berman kann sich vorstellen, gemeinsam mit dem Publikum neue Experimente zu wagen: „3D-Aufnahmen, Blicke hinter die Kulissen oder Bühnen-Geschichten online weitererzählen und die Fantasie der Zuschauenden anregen.“

Weitere Informationen

Der Besuch des Forschungsteams im Opernhaus wurde mit der Kamera begleitet. Die Aufnahmen und ein Interview mit Laura Berman werden Mitte März beim Technik-Salon, dem Kulturpodium für Technik an der Leibniz Universität, auf der Website technik-salon.de veröffentlicht. Weitere Informationen zum Forschungsprojekt: richard-wagner3-0.de.

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