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Oskar und die Dame in Rosa
Johanna Freigang und Paul Wiesmann Quelle: Katrin Ribbe

Das Stück basiert auf dem Roman „Oskar und die Dame in Rosa“. Darin geht es um das Sterben eines jungen Menschen. Gab es einen konkreten Anlass, dich diesem Thema zu nähern? Was hat dich daran interessiert?
Das Thema ist kein geläufiges für Theaterstücke für junges Publikum. Oft wird es sogar eher tabuisiert und entsprechenden Fragen wird ausgewichen oder die Antworten werden beschönigt. Dabei ist Sterben und der Tod an sich auch für junge Menschen ein zentrales Thema, womit sie sich auseinandersetzen. Als ich mit der Dramaturgin Barbara Kantel nach einem Text gesucht und über den Stoff gesprochen habe, hat sie „Oskar und die Dame in Rosa“ vorgeschlagen. Ich habe es gelesen und sofort war mir klar, dass das ein toller Text ist, in dem die Themen Tod und Sterben sensibel, aber auch verständlich und klar behandelt werden. Und dabei hat der Roman noch die Besonderheit, dass Oskar sich nicht mit dem Tod befassen muss, weil er einen Menschen, der ihm nahesteht, verliert, sondern weil er selbst unheilbar erkrankt ist und sich mit seinem eigenen Sterben auseinandersetzen muss.

Ist der Tod als bestimmendes Motiv des Romans das einzige Thema, das das Stück behandelt?
Nein. Oskar ist im Krankenhaus mit Situationen konfrontiert, die auch junge Menschen ohne tödliche Krankheit erleben: Stress mit den Eltern, Freundschaft, das erste Mal verliebt sein …

Wie näherst du dich mit deinem Ensemble diesen Themen?
Es ist natürlich schwer für uns, die wir niemals so eine Situation durchgemacht haben, uns in Oskar hineinzuversetzen. Wir haben viel recherchiert, Materialien gesammelt und gelesen sowie ein Interview mit einer Psychologin aus der Kinder-Onkologie geführt. Auch über unsere eigenen Vorstellungen vom Sterben zu sprechen hilft, um offen mit dem Thema umgehen zu können und das auf Rosa zu übertragen, die (ungewollt) eine tolle palliative Betreuerin ist und sich auf Oskar und seine Bedürfnisse einlassen kann, wo andere es nicht können.

Welche Rolle spielt die Figur der Rosa in dem Stück?
Rosa ist eine (vielleicht) ehemalige Catcherin und findet für Probleme, die Oskar verzweifeln lassen, immer eine Parabel mit einem Kampf, den sie selbst erlebt hat. Als Beispiel dient ihre Gegnerin „Sarah Flutschi-Flutsch“. „Sarah Flutschi-Flutsch“ mit eingeöltem Körper flutscht Rosa immer wieder durch ihre Hände weg. „Sarah Flutschi-Flutsch“ nutzt sie als Sinnbild für Oskars Eltern und seine schwierige Beziehung zu ihnen, denn seine Eltern weichen immer wieder den von ihm ersehnten Gesprächen über seine Situation aus und flutschen weg. Rosa ermutigt ihn, in seiner Vorstellung „eine Tüte Mehl“ zu nehmen, sie damit zu überschütten, sodass sich eine Kruste bildet, damit er seine Eltern zu fassen kriegt. Denn so hat sie es mit ihrer Gegnerin „Sarah Flutschi-Flutsch“ gemacht, um den Kampf zu gewinnen.

Nun war das Stück-Format ja zuerst analog geplant und hat sich aufgrund der Pandemie in eine digitale Variante verändert. Wie wird diese aussehen und wie kann man sich ein Klassenzimmerstück online vorstellen?
Rosa spielt mit Oskar ein Spiel, in dem ein Tag so lang ist wie zehn Jahre. So bekommt er die Chance, 120 Jahre alt zu werden, und er lässt sich vollkommen darauf ein. Dieses „Von-Tag-zu-Tag-Hüpfen“ hat uns an unterschiedliche Level erinnert, wie sie in den Videospielen vorkommen. Vor diesem Hintergrund bauen wir eine Art Videospielgerüst, in dem Oskar die Level durchlebt. Wir verbinden die im Theaterraum abgefilmten Szenen mit grafischen Elementen, um nicht nur das Theater ins Netz zu bringen, sondern auch das Digitale für unser Stück zu nutzen. Wir sind uns sicher, dass so eine Mischform besonders spannend für das junge Publikum ist.
Ein wichtiger Teil des Theaterspielens im Klassenzimmer sind die Nachgespräche, in denen die Schülerinnen und Schüler der Produktionsassistenz oder unserem Schauspieler und unserer Schauspielerin Fragen zum Stück stellen können. Das wird in einer digitalen Variante natürlich schwieriger. Wir wollen dennoch ermöglichen, Fragen zu stellen in der Form eines abgefilmten Interviews mit vorbereiteten Fragen, die wir als Produktionsteam beantworten, aber auch stellen.
Sobald es wieder möglich ist, das Stück analog zu spielen, möchten wir dieses gerne in Aulen von Schulen zeigen.

Weitere Informationen

OSKAR UND DIE DAME IN ROSA
von Éric-Emmanuel Schmitt
Regie: Ruth Langenberg
Premiere am 25. Februar, 11 Uhr auf schauspielhannover.de