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Im Königreich der Pflanzen

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15:42 02.06.2020
Quelle: Jonas Vietzke
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Ab ins Grüne! Mit einem Audiowalk an der Ihme oder mit einem Gewächshauswagen, der in einer Art Prozession durch die Stadt gezogen wird. Das Theater an der Glocksee verlässt den Bühnenraum und zieht in diesem Sommer hinaus in die Natur. „Wir lassen uns von den Pflanzen inspirieren“, erläutert die Theaterleiterin und Schauspielerin Lena Kußmann. Gemeinsam mit Jonas Vietzke hat sie ein zehnteiliges Projekt konzipiert, das auf mehreren Ebenen vernetzt ist. Schauspielerinnen und Schauspieler, Performerinnen und Performer, Stadtführer, Aktivisten, Gartenexperten und Biologen bilden ein Kollektiv und entwickeln in einer interdisziplinären Recherche verschiedene Formate an unterschiedlichen Orten, sie sind auch während der Sommernächte im Theaterhof zu Gast. Die Idee zu diesem Konzept jenseits des klassischen Theaterbetriebs kam dem Bühnengärtner-Duo Kußmann-Vietzke bereits im vergangenen Jahr. Damals konnte noch niemand ahnen, dass die Corona-Pandemie die Theaterlandschaft derart herausfordern würde.

„Unser Projekt bekommt in diesen Zeiten noch ganz andere Dimensionen“, stellt Jonas Vietzke fest. „Und es ermöglicht uns, uns auf die besondere Situation einzustellen.“ Allein der Auftakt wurde zum Erfolg. Mit der Eins-zu-eins-Performance „Connection“, die Mitte Mai Premiere feierte und die wegen der großen Nachfrage im Juni fortgesetzt wird, hat das Chefgärtner-Team auf die Hygieneregeln reagiert und eine Form entwickelt, die es so bisher noch nicht gab: eine poetische Reise in die Welt der Pflanzen für jeweils eine Person im Publikum. Theater face to face. „Das ist schon eine besondere Erfahrung“, sagt Schauspielerin Lena Kußmann, die im Astronautenkostüm den Bühnenparcours betritt. Ihr Solo endet im Freien – im kleinen Garten vor dem Theater. „Was verbindet Menschen und Pflanzen und wie gehen wir mit dem Erreger um, der uns Menschen das Atmen so schwer macht?“ 

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 Ab Juni soll auch ein Audiowalk unter dem Motto „Plantoon – Die urbane Pflanzenguerilla“ starten, eine Guerilla-Gardening-Einsatztruppe im öffentlichen Raum mit dem Schauspieler Johannes Fast, der Gartensouffleuse Dorothea Kurtz und dem hannoverschen Gärtner Konstantin Schulz. Eine inszenierte Tour ins Unterholz „an der Schwelle zwischen pflanzlichem und menschlichem Leben“. Der Parcours beginnt vor dem Theater und orientiert sich an den Pflanzen vor Ort. „Das sind die Pioniere, die durch die Ritzen sprießen“. Die Theatermacherin Lena Kußmann hat auch einige Semester Biologie studiert und beschäftigt sich intensiv mit der Pflanzenwelt. Dabei geht es ihr um die Pflanze an sich, um Mythen, Legenden, und um aktuelle Forschungsergebnisse aus den Naturwissenschaften.

Wir alle brauchen Luft zum Atmen. Im Sommer arbeitet das Pflanzentheater-Team gemeinsam mit der Initiative Transition Town an der interaktiven Installation „No border plants“ – dort entsteht ein großer grüner Gewächshauswagen, der in Form einer Performance unter der Leitung von Laura Jakschas und Britta Bremer im Sommer durch die Straßen der Stadt gezogen wird. Ein mobiles Gewächshaus mit Rankpflanzen. Was wäre die Welt ohne die Sauerstoff produzierenden Pflanzen? Der Gewächshauswagen wird übrigens auch während der Kunstfestspiele Herrenhausen im Herbst im Georgengarten unterwegs sein.

Geplant ist zudem die Rauminstallation „Der Omega Mensch“ im botanischen Institut der Leibniz-Universität, eine interaktive Aktion unter der Leitung von Jonas Vietzke. Schon jetzt wächst ein rankendes Graffiti an den Wänden des Theaters an der Glocksee. Der Fotograf Jonas Wömpner und die Designerin Jascha Müller lassen mit „Growing Colors“ eine Urwaldwand entstehen. Mit dem Ziel, die Malerei so zu entwickeln, „dass sie dem Wachstum einer Pflanze gleichkommt".

Es grünt und blüht also allerorten. Zum Pflanzenfeeling gehört auch die elektronische Sound-Collage „The Loop of Life“ über den Lebenszyklus der Gewächse. Für Kinder ist ein einwöchiger Workshop geplant. Wie klingen die Pflanzen eigentlich? Das „Pflanzenorchester“ unter der Leitung von Frauke Hohberger erforscht die Verbindung zwischen Pflanzen, Musik und Technik. Am Jahresende wollen sich alle Projektteams gemeinsam im Slam-Format auf einer großen Gala auf der Bühne im Theater an der Glocksee präsentieren. Zum Ausklang von „Plantkingdom“ - und als Impuls, eigenständig weiterzuwachsen. 

Karin Dzionara

Weitere Informationen

Informationen zu den einzelnen Projekten sowie die aktuellen Aufführungsorte und Termine finden Sie unter www.theater-an-der-glocksee.de

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