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Kalte Herzen?

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15:03 20.12.2019
Großstadteinsamkeit. Quelle: Frank Schinski
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Zu viele Infos, zu viel  Lärm, zu viel Sex – aber zu wenig Berührungen? „Es gibt Menschen, die gar kein Interesse an Sexualität haben. Uns interessiert, warum das so ist und woran es liegen könnte.“ Carsten Hentrich von Theater fensterzurstadt spricht von einer „szenischen Forschungsreise“. Mit der Collage „Die Unberührbaren“ schließt das Ensemble die Trilogie „Inside-Outside-Nowhere“ ab, die sich mit dem Themenkomplex Liebe, Sexualität und Intimität im Stadtraum auseinandersetzt. Mit Fragen, die in der öffentlichen Debatte oftmals skandalisiert oder kommerzialisiert werden. Die Theatermacherinnen und Theatermacher wollen den Dingen auf den Grund gehen und die Menschen berühren.

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Aufführungen des professionellen Freien Theaters Hannover (FTH) gingen im Jahr 2019 über die Bühnen, davon allein 156  im November und Dezember.

„Wir Theatermenschen sind davon überzeugt, dass wir den Austausch brauchen. Wir sind ja auch selbst darauf angewiesen.“ Mit dem ersten Stück der Trilogie, der Transgender-Performance „Penthesilea – mein Leben als Frau“ präsentierte sich das Ensemble in einem Container auf dem Goseriedeplatz. Hentrich selbst war in der Titelrolle zu sehen. Eine Herausforderung – und zugleich eine spannende Form der Begegnung mit dem Publikum. Im zweiten Teil „Outside – Das Pornoding“ beschäftigte sich das Team mit den hannoverschen Pornoproduzenten Teresa Orlowski und Hans Moser. Zum Finale nun geht es um das Phänomen des Rückzugs. Warum brechen viele Menschen den Kontakt zu anderen ab, verschanzen sich in digitalen Welten und igeln sich in ihren eigenen vier Wänden ein?

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Premieren feierte das FTH in den einzelnen Stadtquartieren zwischen Nordstadt und Südstadt. Das Repertoire reicht von Inszenierungen für Kinder und Jugendliche im Kindertheaterhaus bis zur theatralen Eroberung unterschiedlicher Orte im Stadtraum.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts leben 41 Prozent der Bevölkerung heute allein, in den Großstädten ist der Anteil an Single-Haushalten noch höher. In Form von Interviews und Recherchen nähert sich das Theater fensterzurstadt den Biografien der Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – von Sex nichts mehr wissen wollen. „Einsamkeit, Überalterung, Bindungsängste – wir wollen keine Urteile fällen, sondern Räume schaffen, in denen sich Menschen heute neu begegnen können. Und wir versuchen, poetische Bilder zu finden, um dieses Thema in seinen unterschiedlichen Facetten darzustellen.“ Geplant ist eine Art Winterreise, Hentrich denkt dabei auch an Märchenmotive wie „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen oder an „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff.
„Berührungen sind lebensnotwendig“, sagt Hentrich. Die Realität hingegen sehe meist anders aus: „Immer öfter gilt die letzte oder auch die erste Berührung des Tages nicht dem Körper des Lebenspartners, sondern dem Touchscreen des Smartphones.“ 

Dz

Premiere am 17. Januar, 20 Uhr, in der Alten Tankstelle. Karten unter www.fensterzurstadt.de.

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