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Konzert Mythos
Gefühle, Farben und Formen der Musik Jean Sibelius‘ werden zu Illustrationen. Videokünstler Tal Rosner kreiert digital seine eigene Bildwelten. Quelle: Tal Rosner

Frühjahr 2019
Die Keimzelle von MYTHOS liegt in den ersten Treffen von Laura Berman mit Musikerinnen und Musikern des Niedersächsischen Staatsorchesters in der Vorbereitungszeit ihrer Intendanz. Da trifft die Neugier der zukünftigen Intendantin auf den Wunsch des Orchesters, neue Konzertformate zu erfinden. Die traditionelle Programmreihenfolge eines Sinfoniekonzerts, bestehend aus Ouvertüre, Solokonzert und Sinfonie – liebevoll „Sandwich“ genannt –, wird in der Staatsoper schon länger aufgebrochen und variiert; zeitgenössische Musik gehört selbstverständlich ins Programm. Aber was ist mit den anderen Künsten, mit Tanz, Video, Bühnenbild oder Performance? Und lassen sich die technischen und künstlerischen Möglichkeiten eines Opernhauses nicht auch für den Konzertspielplan fruchtbar machen?

 
September 2019
Am ersten Konzertwochenende der Intendanz von Laura Berman kommt Tal Rosner nach Hannover. In Jerusalem geboren, lebt und arbeitet der Videokünstler heute in London und zeichnet sich durch seine faszinierenden visuellen Umsetzungen von Musik in bewegte Bilder aus. Er hat mit großen Orchestern in den USA und London gearbeitet, aber noch nicht in Deutschland. Er bringt Erfahrung aus der kommerziellen Bildgestaltung für große Modenschauen oder Rock-Pop-Konzertshows mit – und ihn reizt die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Team der Staatsoper ein Konzertprojekt zu entwickeln.
Im Brainstorming über mögliche Musik nennt Rosner einen Titel von Jean Sibelius: „Luonnotar“, eine kurze Tondichtung für Sopran und Orchester, nach einer Erzählung aus dem finnischen National-
epos Kalevala. Ein selten aufgeführtes, für den Sopran hoch anspruchsvolles, expressives, großartiges Stück Musik. Um „Luonnotar“ entsteht das musikalische Programm des Abends: eine Folge unbekannter Tondichtungen und Schauspielmusiken des großen finnischen Sinfonikers. Sibelius’ Musiksprache ist singulär, mit ihrer Vorliebe für tiefe Register, dem Widerhall der Natur in den Weiten der Partituren, ihrer Wurzel in den mythischen Stoffen der Kalevala. Und seine Musiksprache scheint offen zu sein für die visuellen Welten von Tal Rosner.

Februar 2020
Das Staatsorchester bekommt einen neuen Chefdirigenten. Stephan Zilias steigt sofort ins Projekt ein: „Sibelius’ Musik ist evokativ und sprechend. Ihre Bebilderung ist naheliegend, birgt aber auch die Gefahr des Kitsches. Doch die visionären Videos von Tal Rosner illustrieren die Musik nicht, sondern setzen ihre Gefühle, Farben und Formen auf einer anderen abstrakten Ebene um.“ Mit Zilias zusammen wird der musikalische Ablauf aus sieben Kompositionen endgültig festgelegt. Von der Staatsoper ist nun auch Beleuchtungsmeisterin Elana Siberski mit im Boot, verantwortlich für die technische Umsetzung von Tal Rosners Videowelten am Opernhaus. Und es gibt einen Titel für das 5. Sinfoniekonzert: MYTHOS.

Herbst 2020
Nach den Theaterferien wird geprüft, ob und wie das Sibelius-Projekt unter Pandemie-Bedingungen entstehen kann. Anders als bei vielen anderen Konzert- und Opernprojekten sind auf der Bühne aber nur wenige Anpassungen notwendig: Alle ausgewählten Partituren lassen sich mit den notwendigen Abständen zwischen den Musikerinnen und Musikern spielen. Nur die Streicherbesetzung muss etwas kleiner sein – das ist bedauerlich, aber kein Grund zur Absage. MYTHOS kann entstehen! Tal Rosner kreiert seine Bildwelten in London, stellt erste Entwürfe in Zoom-Konferenzen vor, die Zusammenarbeit geht digital weiter.

Dezember 2020
Kurz vor dem harten Lockdown im Dezember treffen sich die Abteilungen der Staatsoper zu einer Bauprobe im Opernhaus, um den genauen Orchester- und Bühnenaufbau, Position und Lichtstärke der Video-Beamer zu verabreden. Tal Rosner ist per Video zugeschaltet – die Anreise aus London verbietet sich zum jetzigen Zeitpunkt der Pandemie.

Februar 2021
Alle Vorbereitungen sind getroffen, um MYTHOS so bald wie möglich proben und zeigen zu können.
Swantje Köhnecke

Weitere Informationen

MYTHOS
Visual concert
Musik von Jean Sibelius
(1865–1957)
Video und Raumkonzept: Tal Rosner
Licht: Elana Siberski
Dramaturgie: Swantje Köhnecke
Solistin: Hailey Clark (Sopran)
Dirigent: Stephan Zilias
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Die Aufführungstermine werden auf staatsoper-hannover.de veröffentlicht.

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