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Nur ein Rädchen im Getriebe?

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14:15 28.08.2019
Torben Kessler und Stella Hilb. Quelle: Kerstin Schomburg

Zeit aus den Fugen

Schauspiel nach dem Roman von Philip K. Dick

Uraufführung: 13. September,
19.30 Uhr, Schauspielhaus
Begrüßung: 18.30 Uhr,
anschließend Premierenparty
mit Jacky-Oh Weinhaus und Jade Pearl Baker in der Cumberlandschen Galerie

Regie: Laura Linnenbaum
Bühne: Valentin Baumeister
Kostüme: David Gonter
Musik: Justus Wilcken
Video: Jonas Englert
Dramaturgie: Johanna Vater

Groß – Wale – Ahab – Arche Noah – Olivenzweig – Griechenland – 5.00 pm. So oder so ähnlich könnte eine der Assoziationsketten aussehen, die Ragle Gumm seit Jahren zum ungeschlagenen Gewinner des täglichen Preisausschreibens in der „Gazette“ machen, zum nationalen Champion, dessen Gesicht jeder in dem bescheidenen Städtchen „Oldtown“ kennt. Wir schreiben das Jahr 1959, und das Leben für Ragle verläuft denkbar friedlich und unaufgeregt. Wenn da nicht immer wieder Vorkommnisse wären, die ihn nicht nur an sich, sondern auch an seiner Welt zweifeln lassen – Zeit für Ragle, herauszufinden, was dahintersteckt.
Ein Mann, der das Postkartenidyll seiner Welt zu hinterfragen beginnt – manchem mag die Geschichte vertraut vorkommen. 1998 nutzte Hollywood den Roman von Philip K. Dick, wie auch viele andere seiner Werke („Matrix“, „Blade Runner“ oder „Total Recall“), und machte aus dem Roman  über gesellschaftlichen Eskapismus eine Kritik an Kommerzialisierung und Medienmanipulation. „Die Truman Show“ nimmt das Thema auf und wird zum Millionenhit – ein Erfolg, der Dicks Roman nicht beschieden war. Mit seinem von Shakespeare entlehnten Titel erhoffte sich Dick eine größere Aufmerksamkeit auch in der etablierten Literaturkritik, letztlich gelang es dem Werk jedoch nicht, sich aus dem Ruf der Science-Fiction als Trivialliteratur zu befreien. Eine Etikettierung, die oft zu kurz greift: Ausgangspunkt für die düsteren Zukunftsvisionen ist meist die Realität des Schriftstellers, aus aktuellen gesellschaftspolitischen Situationen entsteht ein dystopischer Blick in die Zukunft.
Science-Fiction ist nicht nur ein Spiel mit der Fantasie, mit den Möglichkeiten der Technik und den Grenzen menschlichen Vorstellungsvermögens, sondern auch ein Spiegel des Zusammenlebens, politischer Situationen und Systeme. Dicks Amerika der 50er-Jahre war geprägt vom Kalten Krieg, vom nuklearen Wettrüsten und dem Wettlauf um den Mond. Spaltung und Abschottung waren die Themen, die den Alltag beherrschen – und sind es heute immer noch. 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer existieren auf dem Globus 70 Grenzmauern oder sind in Planung, das sind fünfmal so viele wie 1989 – und die Zahl wächst. Dies geschieht heute, vor unser aller Augen, in unser aller Bewusstsein. Dicks Held ist auf dem Rückzug in Anbetracht einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Wie sich positionieren zwischen all den drängenden Fragen unserer Zeit? Als einzelnes Rädchen im Getriebe des Weltgeschehens? Rückzug ins Private oder politische Verantwortung des Einzelnen? 1959. Elvis läuft im Radio und der Petticoat schwingt dazu – es könnte heute sein.

Johanna Vater

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