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Spielzeit Platonowa: Der Kampf zweier Weltanschauungen
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Platonowa: Der Kampf zweier Weltanschauungen

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14:52 28.08.2019
Seyneb Saleh und Viktoria Miknevich. Quelle: Kerstin Schomburg

Platonowa

Schauspiel nach Platonow
von Anton Tschechow
Regie: Stephan Kimmig  
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Anja Rabes
Musik: Michael Verhovec  
Dramaturgie: Hannes Oppermann
Premiere: 15. September,
19 Uhr, Schauspielhaus
anschließend Premierenparty
in der Cumberlandschen Galerie.

Die Vorlage für die Inszenierung ist „Platonow“, Anton Tschechows erster dramatischer Versuch. Er schrieb das Stück als Abiturient, eigentlich wollte er nie, dass es veröffentlicht wird. Vom Theater abgelehnt, vom eigenen Bruder verrissen, ließ Tschechow es im Schreibtisch verschwinden und benutzte später Figuren, Themen und Motive für seine großen Klassiker wie „Der Kirschgarten“ oder „Drei Schwestern“. Dass dieser Text heute gespielt werden kann, ist also eher dem Zufall zu verdanken.
Das Team um Regisseur Stephan Kimmig  stellt nun eine Frau ins Zentrum von Tschechows Frühwerk: Platonowa lebt ein bescheidenes Leben als Lehrerin. Bei einer Hochzeitsfeier trifft sie überraschend auf ihre Jugendliebe Sofia und fühlt sich zurückversetzt in ihre Studienzeit. Sie beginnt, an sich zu zweifeln. Früher war sie eine Rebellin und große Idealistin. Was ist sie heute?
Platonowa spürt, dass sie ständig aneckt und von den anderen benutzt wird, um als eine Art Clown von der Langeweile und dem Stillstand im Ort abzulenken. Die Anderen sehen in ihr alles, was sie selbst nicht sind. Sie wollen ihre Unabhängigkeit, ihren Stolz und ihr inneres Glühen besitzen, wollen sie erlösen von ihren wachsenden Zweifeln. Platonowa merkt das zunächst nicht, denn alle reden immer nur über Liebe und Beziehung. Sie will auch gar nicht „erlöst“ werden – und das führt zum Konflikt.
Durch die Frau im Zentrum hat das Regieteam tatsächlich etwas Neues entdeckt. Sonst steht immer die amouröse Beziehung zwischen Sofia und Platonow(a) im Mittelpunkt. Aber nun wird dahinter der Streit zweier Weltanschauungen sichtbar: Sofia verteidigt die Ansicht, dass stetes Wachstum und Veränderungen unser Leben prägen sollten. Platonowa hält dagegen, dass Bescheidenheit und Stillstand in der heutigen Zeit gefragt sind. Angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen, etwa die Digitalisierung oder die Überalterung der Gesellschaft, erscheint das als eine politische Frage, die auf dem Theater diskutiert werden soll.
Und außerdem ist es ja nicht nur ein männliches Problem, in Rollen gedrängt zu werden, die mit den eigenen Vorstellungen vom Leben wenig bis gar nichts zu tun haben. Das betrifft Frauen mindestens genauso – wenn nicht sogar viel mehr.

Hannes Oppermann

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