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Politisch engagiert und voller Sinnlichkeit

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16:35 28.08.2019
Hailey Clark singt die Hauptrolle in La Juive. Quelle: Sven Marquardt

Frau Steier, was reizt Sie an der Oper „La Juive“?
Das Thema dieser Oper ist heute wieder brandaktuell. Der Stoff erlaubt die Opulenz von fünfhundert Kostümen, von großen Chören und ausladenden Szenen, gibt uns aber auch die Möglichkeit, die Eindringlichkeit heutiger Bilder einfließen zu lassen.

Worin besteht die Aktualität des Stoffes?
Wenige Leute, die die Macht haben, lenken die allgemeine Aufmerksamkeit auf eine Minderheit und stärken sich daran, dass diese Minderheit niedergemacht wird, absichtlich, als politische Strategie – das passiert im Stück und in unserer Zeit.

Sie inszenieren die Eröffnungspremiere der neuen Intendanz – was wird das Opernpublikum zu sehen bekommen?
Historische Opern sind oft sperrig und moralisch, und meist sind sie nicht besonders sinnlich. Wir zeigen dem Publikum einerseits bewusst ein Spektakel, das aber gleichzeitig dazu anregen soll, sich selbst im Spiegel zu betrachten, individuell und gesellschaftlich. Das Interessante an „La Juive“ – und der Erfolg einer Grand Opéra – ist eben diese Mischung: dass das Stück politisch engagiert ist und trotzdem gute Unterhaltung. Ich freue mich über die Einladung, in der Eröffnungspremiere diese Mischung für das Publikum in Hannover erfahrbar zu machen.

La Juive / DIE JÜDIN

von Fromental Halévy
Inszenierung: Lydia Steier
Musikalische Leitung: Constantin Trinks / Valtteri Rauhalammi
Bühne und Video: Momme Hinrichs
Kostüme: Alfred Mayerhofer
Licht: Susanne Reinhardt
Chor und Extrachor: Lorenzo Da Rio
Dramaturgie: Martin Mutschler
Musiktheatervermittlung: Marleen Kiesel
Rachel Hailey Clark / Barno Ismatullaeva Éléazar Zoran Todorovich Léopold Matthew Newlin Prinzessin Eudoxia Mercedes Arcuri Kardinal Brogni Shavleg Armasi Ruggiero Pavel Chervinsky Albert Yannick Spanier
Chor der Staatsoper Hannover, Extrachor der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
 
Premiere: Sonnabend, 14. September, 19.30 Uhr, im Opernhaus.

Zum Stück

Als eine der erfolgreichsten Opern des 19. Jahrhunderts wurde sie von Verdi und Wagner bewundert und war zuletzt in den 1930er- Jahren in Hannover zu sehen, zu einer Zeit, als das Werk des jüdischen Komponisten Fromental Halévy (1799-1862) in anderen Städten schon vom Spielplan verschwunden war: „La Juive“ ist ein Paradebeispiel für die Gattung der französischen Grand Opéra, die mit prunkvoller Ausstattung, virtuosen Arien und monumentalen Chorszenen aufwartet. Zugleich traten Halévy und sein Textdichter Eugène Scribe in den 1830er-Jahren an, ein explizit politisches Stück zu erzählen: Die Geschichte der Jüdin Rachel in der aufgeladenen Situation des großen Konstanzer Kirchenkonzils zu Beginn des 15. Jahrhunderts hielt der bürgerlichen Gesellschaft unmissverständlich den Spiegel vor. Anhand der klassischen Geschichte vom Verhältnis der Religionen fragen sie mit ihrer „Jüdin“: Wie viel Toleranz gegenüber Anderen, gegenüber den vermeintlich Fremden in den eigenen Reihen, muss die Mehrheit aushalten? Eine Frage, die auch Lydia Steier ins Zentrum ihrer Neuinszenierung stellt.

Frau Clark, was kennzeichnet die Figur, die Sie verkörpern?
Rachel, die Titelrolle von „La Juive“, macht eine ziemliche Entwicklung durch. Zu Beginn ist sie eine junge Frau in einer Gesellschaft, in der sie aufgrund ihrer Religion verfolgt wird. Am Ende klagt sie sich selbst an und stirbt für den Mann, den sie liebt, und als Märtyrerin ihres jüdischen Glaubens. Das Traurigste ist, dass sie von allen betrogen wird, sogar vom eigenen Vater ... Aber natürlich will ich hier nicht zu viel verraten ...

Ist Rachel eine Figur, mit der man mitfühlen kann?
Die Figur der Rachel ist mit ungeheurer Feindseligkeit konfrontiert, gegen die sie kaum ankommt. Es bricht mir das Herz, jemanden zu spielen, der wirklich liebt und nach Strich und Faden betrogen wird. Ich denke, wir alle können die Situation nachfühlen, wenn sich etwas als Lüge herausstellt, woran man geglaubt hat. Andererseits wird Rachel immer stärker, immer härter in ihren Überzeugungen. Anfangs wirkt sie wie ein Opfer, im Laufe des Stücks übernimmt sie jedoch immer mehr die Kontrolle über ihr Schicksal. Das finde ich bewundernswert, aber es endet eben nicht gut, sondern tragisch.

Interview: Martin Mutschler

Die Sopranistin und die Regisseurin

Die amerikanische Sopranistin Hailey Clark erhielt ihre Ausbildung an den Universitäten von Maryland und Michigan. Gleich für ihr Europa-Debüt am Salzburger Landestheater in der österreichischen Erstaufführung von „Brokeback Mountain“ (Charles Wuorinen) als Alma Beers erhielt sie den Österreichischen Musiktheaterpreis in der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle”. Seitdem war sie unter anderem in Stuttgart und Basel zu hören. Mit Beginn dieser Saison ist sie Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover.

Die Regisseurin Lydia Steier wurde 1978 in Connecticut geboren und lebt seit 2002 in Berlin. Ihre Operninszenierungen waren im gesamten deutschsprachigen Raum zu sehen, bereits zwei waren für den Theaterpreis DER FAUST nominiert. Ihre Inszenierung von Karlheinz Stockhausens „Donnerstag aus ‚LICHT’“ am Theater Basel wurde 2016 in der Zeitschrift „Opernwelt“ zur Aufführung des Jahres gekürt.

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