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Radikal unangepasst

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16:36 08.10.2019
Hannah und der Punk oder Wie geht Freiheit? Quelle: Theater an der Glocksee

Punk und Politik, politische Analyse und brachiales Bauchgefühl: Im Theater an der Glock-see geht beides zusammen, Herz über Kopf. Jedenfalls für Lena Kußmann, die dieses ungewöhnliche Projekt entwickelt hat und auch Regie führt. Lassen sich die komplexen Texte der 1906 in Hannover-Linden geborenen Philosophin und politischen Theoretikerin Hannah Arendt mit Punkrock in Szene setzen? Bis zu ihrem Tod 1975 in New York hat sich die deutsch-amerikanische jüdische Denkerin in aktuelle politische Debatten eingemischt und sich den Herausforderungen ihrer Zeit gestellt.
Es geht um Freiheit und um politische Teilhabe. Lena Kußmann und ihr Team wollen die Reflexionen nun  „rhythmisch aufbrechen“. Drei Performerinnen verkörpern Hannah Arendt in ihren unterschiedlichen Lebensphasen in Deutschland, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten und in den USA, sie nähern sich ihr mit Texten, Dialogen und Interviewpassagen, die teils auch auf eine große Wand projiziert werden.
Hinter dieser Wand greift die Hardcor Punkband Pisscharge mit der Brasilianerin Kassandra als Frontfrau den „Lärm der Zeit“ auf. Und eine vielsprachige Suche nach dem Wesen der Freiheit, nach Mut und Verantwortung beginnt. Mit unterschiedlichen Kunstformen, in mehreren Sprachen, mit vollem Körpereinsatz – und mit Ohrenschützern für die, die ansonsten eher auf leise Töne setzen.

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Premiere ist am 11. Oktober, 20 Uhr, im Theater an der Glocksee. Karten unter (0511) 161 39 36 oder wwww.theater-an-der-glocksee.de. Am 22. Oktober, ab 19 Uhr, öffnet das Glocksee-Team den Salon Nr. 10 mit Briefen und Texten von Hannah Arendt. Eintritt frei.

Auf ein Wort

mit Lena Kussmann

Frau Kußmann, wie viel Punk steckt in Hannah Arendt?
Hm. Ich habe mal meine Punks im Ensemble gefragt und sie meinten, die Antwort sei „ungefähr 7“. Das „Punkigste“ an ihr ist ihr Denken, das ich als radikal unangepasst und widerständig empfinde.
Abgesehen davon gibt es viele, viele Unterschiede – und das ist ja gerade das Spannende an dem Unterfangen.

Wie geht Freiheit für Sie persönlich?
Ich glaube, genau das will ich mit dem Projekt herausfinden. Daher ja unser Untertitel. Es scheint so banal und ist trotzdem vertrackt. Wenn ich und wir alle uns darüber im Klaren wären, bräuchten wir keine künstlerische Auseinandersetzung damit.

Warum holen Sie Hannah Arendt gerade jetzt nach Linden zurück?
Wir haben das Glück, in einem Land zu leben, in dem wir momentan noch viele Formen von Freiheit genießen, während sie anderswo immer schneller verschwindet. „Frei zu“ etwas zu sein im Sinne von Arendt (im Gegensatz zu „frei von“) und gemeinsam aktiv Freiheit zu erschaffen,  bringt eine Form von Verantwortung sich und der Gesellschaft gegenüber mit sich, die uns ermächtigt und in die Pflicht nimmt, selbst tätig zu werden. Das scheint mir überaus wichtig und drängend momentan.

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