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Rauschende Klänge, klingender Rausch

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11:31 24.10.2019
Holzschnitt „Die große Welle vor Kanagawa“ von Katsushika Hokusai als Titelbild für den Erstdruck seiner sinfonischen Skizzen „La Mer“. Quelle: Public Domain des Metropolitan Museum of Art

3. Sinfoniekonzert

Klangrausch
Maurice Ravel (1875–1937) „Menuet antique“
Claude Debussy (1862–1918) „La Mer“, drei sinfonische Skizzen für Orchester
Alexander Zemlinsky (1871–1942) „Lyrische Sinfonie“ op. 18 in sieben Gesängen nach Gedichten von Rabindranath Tagore
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Solisten: Katherine Broderick (Sopran), Michael Kupfer-Radecky (Bariton)
Dirigent: Jordan de Souza
Sonntag, 24. November, 17 Uhr
Montag, 25. November, 19.30 Uhr
Einführung jeweils 45 Minuten vor dem Konzert

Verführerisches Fin de Siècle: Um 1900 wurden die Orchesterbesetzungen groß und größer, die Musik rauschhafter, die Inhalte exotischer. Mit drei Werken aus dem Geist der Jahrhundertwende debütiert der Dirigent Jordan de Souza, musikalischer Senkrechtsstarter aus Kanada und seit 2017 Erster Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin, beim Niedersächsischen Staatsorchester Hannover.
Auf Maurice Ravels „Menuet antique“ – ein heiteres Menuett, gekleidet in ein klanglich raffiniertes Orchestergewand – folgen Claude Debussys sinfonische Skizzen „La Mer“. „Wenn man die See betrachtet, wird man keine so starken Sinneseindrücke haben wie beim Hören von ‚La Mer‘“, soll der berühmte russische Pianist Swjatoslaw Richter über dieses Schlüsselwerk des französischen Impressionismus gesagt haben. Die Natur selbst wird zu Musik. Debussy macht das Spiel der Wellen zum Gegenstand des musikalischen Spiels, das Licht auf der Wasseroberfläche wird klingend sichtbar, der Dialog zwischen Wind und Meer hörbar. Das Orchester murmelt, wogt und rauscht, glitzert, gleißt und blendet. Auch wenn Debussy selbst die Bezeichnung „Impressionismus“ für seine Musik gar nicht so passend fand, wurden gerade die drei Sätze von „La Mer“ zum Inbegriff einer ganzen musikalischen Stilrichtung.
Nicht die Natur, sondern die menschliche Liebe fasst Alexander Zemlinsky in seiner „Lyrischen Sinfonie“ betörend expressiv in Töne. In seinem bedeutendsten Werk beschwört er 1923 geradezu anachronistisch den Klangrausch der Jahrhundertwende. Ähnlich wie Gustav Mahler im „Lied von der Erde“ vertont Zemlinsky exotische Texte zu Orchesterliedern, darunter die metaphorisch überreichen Gedichte des Bengalen Rabindranath Tagore. Tagore hatte 1913 als erster asiatischer Autor den Literaturnobelpreis gewonnen, was in Europa einen regelrechten Indien-Hype auslöste. In den folgenden Jahren wurden über 20 seiner Bücher ins Englische übersetzt, 1921 erschien die erste Werkausgabe auf Deutsch. Eine aufsehenerregende Europareise mit massenhaft besuchten Vortragsveranstaltungen führte den charismatischen Dichter aus dem Fernen Osten im selben Jahr auch nach Prag, wo Zemlinsky in dieser Zeit als Dirigent und Komponist arbeitete.
Zemlinsky wählte für seine „Lyrische Sinfonie“ sieben Liebesgedichte aus der Gedichtsammlung „Der Gärtner“, die er abwechselnd einer Männer- und einer Frauenstimme zuteilte. Die sieben opulent orchestrierten Lieder verband er mit Zwischenspielen zu einem veritablen sinfonischen Musikdrama. Drängende Sehnsucht und hoffnungsvoller Traum, Erfüllung der Leidenschaft und seliger Überschwang, Freiheitsdrang, Entsagung und schließlich indisch-asketisch verklärte Einsamkeit sind die Stationen dieses Dramas. So wie bei Debussy die Natur wird hier die Liebe in Kunst verwandelt. „Ich habe dich eingesponnen, Geliebte, in das Netz meiner Musik“, sind die Worte im dritten Gedicht von Rabindranath Tagore, die zur Vertonung geradezu herausfordern. Im Netz seiner Musik verwebt Alexander Zemlinsky zauberhaft irisierende Klänge und stürmischen Aufruhr, lodernde Leidenschaft und überirdisch anmutende Ruhe. Zum ersten Mal wird dieses Meisterwerk im 3. Sinfoniekonzert in Hannover zu hören sein.
Zusammen mit Dirigent Jordan de Souza stehen in der „Lyrischen Sinfonie“ mit Katherine Broderick (Sopran) und Michael Kupfer-Radecky (Bariton) zwei renommierte Solisten auf dem Podium: die britische Sopranistin ist Preisträgerin des Kathleen Ferrier Awards und erfolgreiche dramatische Mozart- und Wagner-Sängerin. Der deutsche Bariton, neu im Ensemble der Staatsoper, hat Wagner- und Strauss-Partien an den großen Opernhäusern Europas gesungen, darunter die Mailänder Scala, die Pariser Opéra Bastille und die Bayerische Staatsoper München. 

Swantje Köhnecke

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