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Tröstende Nähe

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Choreografie
Im Roman beschreibt Marguerite Duras die drückend heiße Atmosphäre Vietnams: Diese soll auch in die Choreografie einfließen. Zu sehen sind Tommy Rous und Marco Goecke bei der Probe. Quelle: Lilit Hakobyan

Die Nähe, die ich zu den Tänzerinnen und Tänzern empfinde, ist mein täglicher Trost“, sagt Ballettdirektor Marco Goecke. Gemeinsam mit ihnen tastet er sich momentan in seiner choreografischen Adaption des Romans „Der Liebhaber“ von Marguerite Duras vorwärts.

Dieser Kreationsprozess ist etwas ganz Besonderes! Nicht nur wegen der regelmäßigen Corona-Tests, denen sich die Compagnie freiwillig unterzieht, um dadurch auch in der aktuellen Situation die Proben für die anstehende Online-Premiere möglich zu machen. Die Romanvorlage, in der sich die Erinnerungen und Fiktionen der Autorin zu einer untrennbaren Einheit mischen, schwebt wie eine Wolke über der Erarbeitung des Ballettabends. Sie ist allgegenwärtig, auch wenn der Fokus der Proben zurzeit vor allem auf der Suche nach Bewegungen und Musikausschnitten liegt.

„Für mich gibt es zwei Ebenen“, so der Choreograf. „Einmal das, was ich mit der Geschichte vorhabe, und dann gibt es die nackte Realität, in der man etwas Bewegtes in den Raum bringt.“ Der Ausgangspunkt für die gemeinsame Suche ist zunächst das eigene Innenleben, die eigene Geschichte einer jeden Tänzerin und eines jeden Tänzers. Ist das passende Bewegungsmaterial gefunden, nimmt Marco Goecke die Romanvorlage wieder hinzu und verbindet beides. So wird die Erzählung von Marguerite Duras im Laufe des Entstehungsprozesses gleichsam auch zu seiner eigenen und der aller Tänzerinnen und Tänzer.

Zur Musik

Endlich wird es wieder aus dem Orchestergraben der Staatsoper klingen: Das Niedersächsische Staatsorchester unter der Musikalischen Leitung von Valtteri Rauhalammi probt derzeit ebenfalls für den Ballettabend „Der Liebhaber“. Unter strengen Hygienemaßnahmen werden in kleinen Gruppen Werke von Maurice Ravel, Gabriel Fauré und Claude Debussy einstudiert. Debussy greift in seiner Komposition „La Mer“ das Motiv des Wassers auf – ein Motiv, das dem Roman von Marguerite Duras entspricht. Schließlich begegnen sich die junge Frau und ihr künftiger Liebhaber das erste Mal bei der Überquerung des Mekong.

Mit diesem Roman verbindet der Choreograf ein starkes Gefühl von Trost, aber auch etwas Absolutes und Radikales, denn Marguerite Duras verharre in ihren Werken nicht im Bequemen, wie er es ausdrückt. Sie dekonstruiere Gefühle, bis hin zur völligen Auflösung. Ein künstlerischer Ansatz, in dem Marco Goecke sich wiederfindet: „Das Zerlegen der Dinge ist ein Versuch, der Wahrheit ein Stück näherzukommen und ihren Grund zu erfühlen. Das Nichts ist gleichzeitig auch ein Ausdruck von Wahrheit.“

Nach drei Anläufen wird Marco Goeckes erste abendfüllende Neukreation für Hannover Ende Februar live online zu erleben sein. Ein Ballettabend, welcher Duras’ Geschichte gleich einen Blick zurück auf das Leben wirft und dabei versucht, das Wesentliche greifbar zu machen, auch jenseits vom eigenen erlebten Schicksal.

Marie Leese

On air! Auch das Staatsballett stellt unter dem Motto „Sind wir uns nah?“ ein vielfältiges Programm zusammen: Gemeinsam mit den Tänzerinnen und Tänzern der Compagnie entstehen thematisch an die Produktion angelehnte Video- und Audiobeiträge auf staatstheater-hannover.de/online-spielplan.

Weitere Informationen

DER LIEBHABER
Ballett von Marco Goecke
frei nach Marguerite Duras
Uraufführung
Musikalische Leitung: Valtteri Rauhalammi
Choreografie: Marco Goecke
Bühne, Kostüme: Michaela Springer, Marvin Ott
Licht: Udo Haberland
Dramaturgie: Esther Dreesen-Schaback
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover, Staatsballett Hannover
Online-Uraufführung am 27. Februar live auf staatsoper-hannover.de
Eine Aufzeichnung ist im Anschluss 30 Tage online verfügbar.

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