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Von der Schwierigkeit, ein guter Mensch zu sein

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13:29 27.02.2020
Barno Ismatullaeva singt die Witwe Katerina, die sich im Stück zu Maria Magdalena verwandelt. Quelle: Clemens Heidrich
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THE GREEK PASSION/ DIE GRIECHISCHE PASSION

von Bohuslav Martinů

Musikalische Leitung: Valtteri Rauhalammi/Cameron Burns Inszenierung: Barbora Horáková Choreografie/Dance Captain: James Rosental Bühne: Susanne Gschwender Kostüme: Eva-Maria Van Acker Lichtdesign: Susanne Reinhardt Video: Sarah Derendinger Chor: Matthias Wegele, Lorenzo Da Rio Kinderchor: Tatiana Bergh Dramaturgie: Martin Mutschler Musiktheatervermittlung: Kirsten Corbett

Priester Grigoris: Tassos Apostolou Archon: Daniel Eggert Hauptmann: Frank Schneiders Lehrer: Latchezar Pravtchev Ladas/Kommentator: August Zirner Michelis: Pawel Brozek Kostandis: James Newby Dimitri: Darwin Prakash Manolios: Magnus Vigilius Yannakos: Rupert Charlesworth Panait: Uwe Gottswinter Andonis: Aljoscha Lennert Nikolio: Philipp Kapeller Lenio: Nikki Treurniet Die Witwe Katerina: Barno Ismatullaeva Priester Fotis: Michael Kupfer-Radecky Despinio: Clara Nadeshdin Eine alte Frau: Monika Walerowicz Ein alter Mann: Stephen Owen Stimme im Orchester: Gagik Vardanyan

Chor, Extrachor, Projektchor, Kinderchor und Bewegungschor der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Premiere: Sonnabend, 21. März, 19.30 Uhr, im Opernhaus

Modern und archaisch, leidenschaftlich und lyrisch – wenige Opern vereinen so viele Gegensätze zu einem stimmigen Ganzen wie Bohuslav Martinůs letztes Bühnenwerk, „The Greek Passion“. Die Musik ist zeitgenössisch, aber nicht verkopft, sie ist leicht und verspielt – und wurzelt zugleich in uralten Volksweisen aus Martinůs böhmischer Heimat. Dabei behandelt die „Griechische Passion“ ein durchaus ernstes Thema, nämlich die Frage, inwieweit wir bereit sind, im Ernstfall Nächstenliebe zu praktizieren.

Revolutionäre Nächstenliebe

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Hintergrund der 1957 fertiggestellten Erstfassung der Oper, die in Hannover zu sehen sein wird, ist der Griechisch-Türkische Krieg zu Beginn der 1920er-Jahre. Wir erleben ein friedliches, wohlhabendes Dorf, dessen Älteste sich gerade daranmachen, die Rollen für das Passionsspiel zu verteilen, das im nächsten Jahr aufgeführt werden soll. Die einfachen Dörfler sollen Jesus, die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes, aber auch Maria Magdalena und Judas spielen – und sich bis dahin in ihre Rollen einfühlen. Als ein zweites griechisches Dorf auf der Flucht vor türkischen Truppen um Asyl bittet, werden die Dorfbewohner sofort auf die Probe gestellt: Wie viel sind sie bereit, mit den hungernden Neuankömmlingen zu teilen? Wie viel Verantwortung hat der einzelne Mensch in Zeiten der humanitären Katastrophe? Und übertreibt es der Hirte Manolios nicht ein wenig mit seiner Einfühlung in die Rolle des Jesus?

Zur Aufführung

Die „Griechische Passion“ ist ein Werk, das wie kein anderes in dieser Saison alle Kräfte des Theaters mobilisiert: Neben groß besetztem Orchester umfasst die Oper 20 Einzelfiguren, dazu kommen zwei Chöre, die für die beiden Dorfgemeinschaften stehen, 30 Kinder sowie die Statisterie, die unter Anleitung eines Choreografen für eine zusätzliche, symbolische Ebene steht. Insgesamt werden fast 150 Menschen die Bühne beleben – Sängerinnen und Sänger aus dem Ensemble der Staatsoper sowie Gäste. Eine besondere Rolle übernimmt der bekannte Schauspieler August Zirner – als doppelbödiger „Kommentator“ führt er durchs Geschehen.

Wenn man sich Martinůs eigene Lebensgeschichte anschaut – er wurde 1890 in Tschechien geboren, als dieses noch zu Österreich-Ungarn gehörte, und starb nach Stationen in Frankreich und den USA 1959 in der Schweiz – versteht man sein Interesse an diesem Stoff über Heimat und Entwurzelung. Er basiert auf einem Roman von Nikos Kazantzakis mit dem vielsagenden Titel „Der wiedergekreuzigte Jesus“ (1948) und übermittelt den Menschen des Dorfes Lycovrissi ein ziemlich pessimistisches Urteil: Die Passionsgeschichte wird sich immer wiederholen, Jesus wird auch ein weiteres Mal für seinen humanistischen Aufstand sterben. Denn die spontane Solidarität, wie sie der Jesus-Darsteller Manolios vertritt, ist der konservativen Kirchenmacht der Ältesten ein Dorn im Auge. Sie halten nichts von einer Gemeinschaftlichkeit, die ihre Herrschaft infrage stellt. Das Gedankengut der biblischen Bergpredigt erweist sich als revolutionär.

Wie gehe ich durch die Welt?

Natürlich liegen die Sympathien zunächst bei diesem Manolios, es ist jedoch die Stärke von Martinůs Oper, keine Schwarz-Weiß-Zeichnung zuzulassen: Manolios steigert sich so weit in die Rolle des Messias hinein, dass er jeden Realitätsbezug zu verlieren scheint. Die Inszenierung von Hausregisseurin Barbora Horáková und ihrem Team nähert sich den Figuren mit einer Mischung aus Sympathie und analytischem Ernst. Sie legt einen Schwerpunkt auf Fragen der Identität: Wer bin ich überhaupt? Wer kann ich sein? Und mit welchem Gepäck wandere ich durch die Welt? Es ist Martinůs Musik, ihre Leichtigkeit und Energie, die diesen schweren Fragen einen Schimmer Hoffnung mit auf den Weg gibt. Barbora Horákovás mitreißende Personenregie wiederum macht das Hadern der Bühnenfiguren unmittelbar erfahrbar und ermöglicht es dem Publikum, mitgenommen zu werden von dieser sehr fernen und doch sehr nahen Geschichte. Höchste Zeit, die „Griechische Passion“ wiederzuerleben.

Martin Mutschler

Drei Fragen an

die Regisseurin Barbora Horáková

Priska Ketterer / Theater Basel

Was reizt Sie an der „Griechischen Passion“?

Zentral für dieses Stück ist die Frage, ob und wie man als Individuum in der Gesellschaft eine Rolle spielen, ob man als Einzelperson überhaupt etwas bewirken kann. Eine weitere Frage lautet: Was wäre die Welt ohne Glauben? Und was, wenn wir jegliche Moral verlören?

Die Oper ist also ein Stück über Religion?

Nicht nur, aber sie ist natürlich inspiriert von der Passionsgeschichte und orientiert sich in ihren vier Teilen an wesentlichen Ereignissen der Karwoche. Es gibt also eine starke symbolische Ebene – und Religion selbst beruht auf Symbolen, denen man nur nachforschen, die man nie ganz erklären kann. Manche glauben an diese Symbole, andere glauben an etwas anderes.

Als Hausregisseurin werden Sie drei Jahre lang einmal pro Saison hier arbeiten. Wie war Ihre Ankunft in Hannover?
Ich fühle mich hier extrem wohl. Ich war zuletzt in London, einer schnellen, chaotischen, unruhigen Stadt. Hier dagegen ist es sehr ruhig und angenehm. Ich wurde sogar von Fremden auf der Straße gegrüßt, einfach so.

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