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Was bleibt uns eigentlich übrig?

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14:47 03.06.2021
Marktes für nützliches Wissen und Nicht-Wissen
70 Expertinnen und Experten treffen in simultanen Vieraugengesprächen auf die Besuchenden des „Marktes für nützliches Wissen und Nicht-Wissen“. Quelle: Maximilian Probst

In Zeiten von Fake News, Abstandhalten, Onlineshopping und allzeit und überall verfügbaren Wissens mit fragwürdigen Quellenangaben wird am 12. September der „Markt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen“ im Schauspielhaus Hannover eröffnet. Unter dem Titel „Hab und Gut – Eigentum, gemachte Armut und eine Welt, die wir teilen“ geht es um ein  Thema, das mitunter als unanständig gilt: die Eigentumsverhältnisse – in Hannover und global.

Durch die Kuratorin, Kopistin und Künstlerin Hannah Hurtzig und die Mobile Akademie Berlin ins Leben gerufen, widmet sich jeder „Markt für nützliches Wissen“ einem spezifischen Thema, eingeladen werden Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Disziplinen. In einer maschinisierten Arena, getaktet im Rhythmus administrierter Zeit, im Rausch der Simultanität und Kollektivität, bieten diese Expertinnen und Experten ihr spezifisches Wissen an und lassen zusammen mit dem Publikum ein vielschichtiges Erlebnis entstehen, das in seinem Kern einem Jahrmarkt ähnelt und Orte der Wissensvermittlung – wie das Archiv und den Lesesaal – imitiert.

Mit dem Titel „Hab und Gut“ steht der „Markt für nützliches Wissen“ in Hannover ganz unter dem Thema: Wem gehört was? Und warum? Eigentum ist heilig. Eigentum ist Menschenrecht. Demokratie, Marktwirtschaft und wir als moderne, handlungsfähige Subjekte sind kaum vorstellbar ohne die Sicherheit unseres Privateigentums. Warum aber ist es dann so ungleich verteilt? Zwischen Mein und Dein könnte aber auch die Frage stehen: Was bleibt? Und was bleibt uns eigentlich übrig?

Der „Markt für nützliches Wissen“ trägt diese Fragen in die Stadt und unter die Menschen von Hannover. Wenn also der Startschuss für den Markt fällt, finden sich Hannoveranerinnen und Hannoveraner auf beiden Seiten der Tische wieder und können über ihre Arbeit und ihre Expertise berichten oder einer der ca. 70 Expertinnen lauschen und mit ihnen ins Gespräch kommen.  

Jemand, der in Hannover von dieser Frage umgetrieben wird und beim „Markt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen“ eine Gesprächspartnerin für das Publikum sein wird, ist Inge-Lore Rackisch, die dem ein oder anderen vielleicht als Verkäuferin des „Asphalt“-Magazins in der Südstadt bekannt ist. Über ein Anders­denken von Haben und nicht Haben kann man mit dem Experten Tobi Rosswog sprechen, der in einem Selbstversuch zwei Jahre lebte, ohne Geld einzunehmen oder auszugeben. Er ist Autor, Initiator und Coach, der zu dem Thema Commons – also der gemeinschaftlichen Nutzung von Ressourcen – und über Suffizienz spricht und forscht. Das Thema Verzicht spielt auch bei der Expertin Bärbel Görcke eine große Rolle, Äbtissin im Zisterzienser Kloster Mariensee bei Neustadt am Rübenberge. Die Entscheidung für ein klösterliches Gelübde und für ein gemeinschaftliches Leben in Verzicht hat sehr grundsätzlich mit Fragen an das Materielle und den Konsum zu tun.
In einem Gespräch mit  dem Mediziner Andreas Wulf kann man sich über ein Thema austauschen, das unsere Gegenwart und unmittelbare Zukunft beherrscht: Wem gehört der Impfstoff? Er ist Berliner Repräsentant für medico international, einer Menschenrechtsorganisation, die global für das Recht auf Gesundheit durch eine faire und ethische Verteilung der Covid19-Impfstoffe kämpft.

Auf der Bühne im Schauspielhaus treffen 70 Expertinnen und Experten in simultanen Vieraugen­gesprächen von je 30 Minuten auf die Besuchenden des „Marktes“. In dieser Form eines kollektiven Slow-Datings wird ein demokratischer Diskurs in Liveaktion erlebbar. Das Publikum, das um die Bühne herum sitzt, kann sich über das „Markt-Radio“ einzelnen Gesprächen zuschalten.

Die Kunst des Zuhörens, der Perspektivwechsel, das Neu- und Umdenken, das Wunder des Gesprächs wird an diesem Tag geübt und praktiziert.

Am 12. September im Schauspielhaus. In Kooperation mit der Stiftung Niedersachsen

Wissen gefragt!

Sind auch Sie Expertin oder Experte für Eigentum? Haben Sie besonderes Wissen zu dem Thema oder haben Sie etwas Außergewöhnliches erlebt? Möchten Sie beim „Markt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen“ Ihre Erfahrung und Ihre Kenntnisse über Eigentum, dessen Fehlen, zu Armut und Reichtum, Verzicht, Neid, Gier, Verlust und zu der Frage, wer besitzt was in Hannover, zum Gespräch anbieten? 

Dann schreiben Sie an markt@staatstheater-hannover.de.

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