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Wem gehören die Ressourcen?

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10:36 31.01.2020
Fabian Felix Dott in The Männy. Eine Menschtierverknotung. Quelle: Kerstin Schomburg
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The Männy. Eine Menschtierverknotung

von Kevin Rittberger, Dasniya Sommer und Nora Khuon

Regie: Kevin Rittberger
Mit: Fabian Felix Dott, Tabitha Frehner, Anja Herden, Torben Kessler, Alban Mondschein

Uraufführung: 21. Februar, 19.30 Uhr, Ballhof Zwei

Ich bin unfähig, das Kleine im Alltag als etwas zu akzeptieren, das es zu behandeln gilt. Ich sträube mich dagegen. Wenn ich etwa Schnupfen habe oder zu wenig Geld verdiene, wenn meine Beziehung platzt, nachdem wir es wirklich lange versucht haben, mit Paartherapie und allem, so bin ich der Meinung, dass all das nichts Relevantes darstellt. Das gehört hier nicht hin, in diese irre komplett kaputtzerstörte Welt, auch wenn wir uns auf Tinder kennengelernt haben und der ein oder andere Mensch hier damit mehr anfangen kann als mit der Besiedlung des Mars.“

Mit diesen Worten eröffnet Kevin Rittberger sein neues Stück „The Männy“ und macht sich damit in die nahe und ferne Zukunft auf. Die konkrete Utopie der kommenden Welt interessiert ihn. Und so durchstreifen er und das Ensemble die nächsten 400 Jahre unserer Erde. Was wird passieren mit unserer ruinierten und doch so schönen Erde? Wird die Bevölkerung sich vervielfachen oder schrumpfen? Wem gehören die restlichen Ressourcen? Wer kümmert sich um wen?

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„The Männy“ behandelt die Geschichte der Symbiontin Camille, die noch Mensch ist und immer mehr Monarch-Schmetterling wird und den menschlichen Gattungsnarzissmus überwinden will. „The Männy“ erzählt über fünf Generationen von der Gemeinschaft der „Kompostisten“, die unsere zerstörerische Lebens- und Produktionsweise immer weiter verlernen, um einen Versuch des Überlebens zu wagen. „The Männy“ verhandelt aber auch die Idee der Besiedelung des Mars, dem alten Sehnsuchtsort für Freiheit, Gleichheit und Solidarität. „The Männy“ bezweifelt den Menschen als Krone der Schöpfung. „The Männy“ fragt danach, in welchem Verhältnis Gefühl und Rationalität künftig stehen werden.

Inspiriert von Texten von Donna Haraway, Alexander Bogdanov und vielen mehr entwickeln sich verschiedene Welt-Werdungen, die sich berühren und entfernen: Expansion trifft auf Reduktion, überfüllte Zeit auf erfüllte Leere, der radikale Neuanfang auf die Fortschreibung der Geschichte, Konkurrenz auf Kooperation.

Kevin Rittberger, der sowohl Text, Inszenierung als auch Bühnenbild verantworten wird, ist Gewinner des „Kurt-Hübner-Regiepreises“, des „Jürgen-Bansemer-&-Ute-Nyssen-Dramatikerpreises“ und inszenierte unter anderem am Theater Basel, dem Schauspielhaus Hamburg und dem Düsseldorfer Schauspielhaus.

Welt retten oder Mars besiedeln?

Anja Herden, Tabitha Frehner und Torben Kessler aus dem „The Männy“-Team haben sich Gedanken über die Zukunft gemacht – und im Stakkatostil geantwortet.

Anja Herden
Wie, glauben Sie, sieht die Welt in 400 Jahren aus?
Unvorstellbar anders!

Geht die Welt unter, bevor ich sterbe?
Sicher nicht. In diesem Punkt bin ich sehr optimistisch.

Glauben Sie, Pflanzen können fühlen?
Auf jeden Fall. Sie wachsen, blühen und gedeihen, wenn sie sich wohlfühlen, und sie gehen ein, wenn sich nicht wohlfühlen. Genau wie bei uns ...

Tabitha Frehner
Sind Sie optimistisch oder pessimistisch?
Ich bin viel lieber optimistisch, das ist nicht immer einfach, aber der Mehrwert daraus lohnt sich immer.

Glauben Sie, Pflanzen können fühlen?
Ich glaube, dass Pflanzen fühlen können. Es ist ein verwurzeltes Lebewesen, das sich stetig verändert. Die Wahrnehmung ist vielleicht eine andere, als wir sie haben, aber auch Pflanzen kann man ansehen, wenn es ihnen bzw. schlecht geht.

Donna Haraway sagt: Macht keine Kinder, macht euch verwandt. Was bedeutet das, sich verwandt machen?
Donna Haraway sagt klar, dass wir uns mit den anderen Spezies unseres Planeten verwandt machen müssen, wenn wir überleben wollen. Uns also tierische Gene implantieren lassen, um Eigenschaften anderer Tiere auszuprägen, um so deren Bedeutung zu verstehen und zu leben. Nur gemeinsam gibt es eine Zukunft.

Torben Kessler
Glauben Sie, Pflanzen können fühlen?
Nein, aber sterben.

Donna Haraway sagt: Macht keine Kinder, macht euch verwandt. Was bedeutet das, sich verwandt machen?
Zu kooperieren. Sich nicht als wichtigste Gattung zu begreifen, sondern als Teil eines großen Ganzen, der die Fähigkeit besitzt, Verbindungen zu knüpfen.

Welt retten oder Mars besiedeln? Was ist die Lösung?
Wie retten wir die Welt? Die Welt wird sich selbst retten. Haben wir als Menschen den Mut, die Demut und den Verstand, auf ihr und mit ihr zu
leben?

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