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„Wir können alle über unsere Schatten springen“

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11:26 24.10.2019
Katherina Sattler

RONJA RÄUBERTOCHTER

nach dem Roman von Astrid Lindgren

Regie: Nina Mattenklotz, Bühne und Kostüme: Johanna Pfau,
Musik: Matze Kloppe, Dramaturgie: Hannes Oppermann. Mit Mohamed Achour, Jörg Kunze, Wolf List, Nicolas Matthews, Alban Mondschein, Christiane Ostermeyer, Katherina Sattler

Premiere: 10. November um 15 Uhr, im Schauspielhaus

Frau Sattler, wie war der Start in Hannover bisher?
Mein Start hier war super. Mit „Plato­nowa“ war ich ja in einer Produktion mit vielen neuen Kolleginnen und Kollegen und mit Stephan Kimmig, der ja regelmäßig hier arbeiten wird. Das hat alles große Lust auf mehr gemacht. So langsam bin ich angekommen und weiß, wer die Truppe ist.

Als Nächstes kann man Sie als Ronja Räubertochter auf der Bühne des Schauspielhauses sehen. Identifizieren Sie sich mit der Rolle der Ronja oder sind Sie eigentlich ganz anders?
Ronja und die Räubercrew sind mir extrem sympathisch. Ich fühle mich in dieser ganzen Welt und der Natur so wohl wie Ronja selbst. Es ist ein kleiner Traum für mich, wirklich draußen zu leben, auf nichts angewiesen zu sein und mit der Natur umzugehen. Diese Felsen und den Wald – den suche ich schon immer wieder auch selbst auf. Ronja ist sensibel, kann aber auch wie ihr Vater sehr temperamentvoll abgehen. Ich bin ja nicht genau wie Ronja und jetzt erwachsen, aber ihre Reaktionen berühren mich schon sehr.

Sollte Ronja ein Vorbild für heutige Kinder sein?
Definitiv. Sie bringt sich durch ihre Neugier und ihr Selbstbewusstsein in Situationen, die nicht immer angenehm sind. Sie versucht sich den Dingen zu stellen, vor denen sie sich eigentlich fürchtet, und wagt etwas.

Wie sieht die Bühne aus? Sehen wir eine echte Mattisburg im Schauspielhaus? Was können Sie verraten?
Was spoilert man da jetzt, ist die Frage (lacht) … Wir sehen das Innen- und Außenleben der Mattisburg. Und einen „Höllenschlund“, der ja in Astrid Lindgrens Roman auch eine ganz große Bedeutung hat. Ich verrate aber nicht, wie der aussehen wird. Die Bühne wird sich jedenfalls drehen und verändern. Es wird ziemlich viel passieren und spannend werden.

Katherina Sattler

Geboren 1991 in Erlangen. Studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und an der École Philippe Gaulier in Paris. Sie spielte unter anderem an der Staatsoper im Schillertheater, an der Schaubühne und dem Theater an der Parkaue in Berlin. 2013 erhielt sie beim 3. Internationalen Festival der Schauspielschulen in Peking den Outstanding Acting Award. 2015 gewann sie den Walter-Jurmann-Preis beim 44. Bundeswettbewerb Gesang in Berlin. 2016 wurde Katherina Sattler festes Ensemblemitglied am Jungen Schauspielhaus in Hamburg. Hier arbeitete sie unter anderem mit Alexander Riemenschneider, Gertrud Pigor und Clara Weyde zusammen. Zuletzt war sie in Hamburg zu sehen in der Titelrolle in „Antigone“ sowie in dem Solo „Ellbogen“. Seit Beginn der neuen Saison gehört Katherina Sattler zum Ensemble des Schauspiel Hannover.

Inwiefern ist der Stoff politisch?
Es geht um Eltern-Kind-Beziehung und somit auch um Erziehung.. Und Erziehung kann man ja als Politikum sehen. Aber da sind natürlich auch diese verfeindeten Räubergruppen, die aus irgendwelchen blödsinnigen Traditionen heraus das Gefühl haben, sie würden nicht zusammengehören. Das war schon immer so. Borkaräuber und Mattisräuber. Aus Prinzip geht das nicht zusammen. Da braucht man einen neuen Blick, und den haben Ronja und Birk, die sich befreunden, um sich mal wieder in die Augen zu schauen und zu bemerken: Eingentlich sind wir doch alle Menschen und stärker zusammen als verfeindet. Und das ist ja hochpolitisch.

Was war die abenteuerlichste Geschichte, die Sie selbst erlebt haben?
Ich habe es geliebt, in der Hütte meiner Großmutter in den Tiroler Bergen zu sein und mit meinem Bruder die wildesten Abenteuer zu erleben, die wir uns dann selber ausgedacht haben. Im Schnee draußen, oder dann im Sommer in der Wanne davor, oder beim Wandern. Besuche bei meiner Großmutter waren in meiner Kindheit immer ein großes Abenteuer!

Nach der Premiere von „Ronja Räubertochter“ geht es direkt weiter mit einer Hannover-Premiere – eine Übernahme vom Jungen Schauspielhaus Hamburg. In der Regie von Alexander Riemenschneider haben Sie  „Ellbogen“ gespielt,  dieses Stück wird jetzt nach Hannover geholt. Worum geht es?
Es geht um eine junge Frau, kurz vor ihrem 18. Geburtstag, aufgewachsen in Berlin. Sie hat „nur“ die türkische Staatsbürgerschaft, wurde aus dem Schulsystem rausgeschmissen und arbeitet nun bei ihrem Onkel in der Bäckerei.
Sie hat das Gefühl, dass niemand in dieser Gesellschaft auf sie gewartet hat und das ist ziemlich depremierend. Sie hat eine ordentliche Wut in sich aufgebaut und diese Wut explodiert an ihrem Geburtstag mit einer schweren Tat, die sie begeht. Sie flieht nach Istanbul, ihrem Sehnsuchtsort, in dem sie aber auch kein Zuhause-Gefühl findet.

RONJAS ABENTEUER

Donner grollen, Blitze zucken und der Wind tost heftig, als Ronja auf der Mattisburg geboren wird. Sie wächst im Mattiswald zwischen lustigen Räubern und
mystischer Natur auf und entdeckt eines Tages Birk, Sohn des verfeindeten Borka. Beide sind sich spinnefeind. Doch nach und nach entdecken sie Gemeinsamkeiten. Während ihre Eltern die Feindschaft pflegen, versuchen die beiden, diese zu überwinden und ihre Familien zu versöhnen. Für Kinder ab sechs Jahren. 

Was für ein Publikum spricht „Ellbogen“ an?
Ich wünsche mir, dass es ein ganz breites Publikum anspricht. Eigentlich geht es alle ab 14 Jahren an- die, die von struktureller Gewalt betroffen sind, und genauso jene, die die Möglichkeit besitzen, an gesellschaftlichen Strukturen etwas zu verändern.„Ellbogen“ rüttelt am Publikum und stellt viele Fragen.

„Ellbogen“ wird im Ballhof spielen. Was haben Sie bisher vom Ballhof mitbekommen und worauf freuen sie sich dort?
Ich hatte schon Vorproben für „Ellbogen“ im August, dementsprechend kenne ich die Bühne schon. Und ich war in den letzten Jahren auch öfter dort und habe mir einiges angeschaut. Der Ballhof an sich hat eine so schöne Lage, mit diesem tollen Innenhof. Ich freue mich schon total darauf, dort zu arbeiten und Pause zu machen. Das ist ein Ort, an dem ich mich jetzt schon wohlfühle.

Sie sind für Ihre Rolle in „Ellbogen“ für den FAUST-Preis nominiert, den wichtigsten Theaterpreis Deutschlands. Was bedeutet das für Sie?
„Ellbogen“ liegt mir sehr am Herzen, der Text und das Thema generell. Dass so eine kleine Produktion, die in Hamburg im Jungen Schauspielhaus, also in einer kleinen Spielstätte, stattfand, so eine Anerkennung bekommt, hat mich besonders gefreut. Was das genau für mich bedeutet, weiß ich gar nicht. Es ist eine Anerkennung.  

Interview: Natalie Köhler

Mehr zu „Ellbogen“ lesen Sie auf Seite 5.

Pferd oder Esel?

Katherina Sattler hat im Stakkatostil auf Stichworte rund um Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker „Ronja Räubertochter“ geantwortet - per SMS.

Was macht dich wütend?
Wenn ich mich missverstanden fühle.

Lieblingsdinosaurier?
Keine Ahnung, wie der heißt. Es gibt so einen süßen. Einer, der fliegen kann. Den würde ich nehmen.

Lieblingsraubtier?
Löwin.

Lieblingshaustier?
Hund. Ich wollte immer einen haben. Wobei sich mein Blick heute auf Tiere haben verändert hat.
Pferd oder Esel?
Esel.

Held*in deiner Kindheit?
Esel. Nee, also ich glaube: mein Bruder.

Wer ist dein größter Feind?
Immobilienmakler*innen!

Dein größtes Vorurteil?
Boah, sag mal, das sind ja Riesenfragen.

Schien am Tag deiner Geburt die Sonne oder hat es geregnet?
Es schien die Sonne und ich bin zur „Sportschau“ gekommen.

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