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„Wir wollen Theater für alle machen“

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12:58 28.08.2019
Gemeinsam am Start: Laura Berman (links) und Sonja Anders. Quelle: Katrin Ribbe

Frau Berman und Frau Anders, Sie beide sind neu in dieser Stadt. Wie haben Sie Hannover bisher erlebt?
Laura Berman: Sehr offen und unkompliziert, aufgeschlossen und warmherzig. Ich empfinde die Menschen in der Stadt als sehr freundlich und hilfsbereit – man fühlt sich sehr gut aufgenommen. Jeder Tag bringt neue, bereichernde Begegnungen, und der Austausch mit Kulturschaffenden und Besucherinnen und Besuchern ist schon jetzt intensiv.
Sonja Anders: Ich glaube, es geht uns beiden ganz ähnlich: Die Stadt ist mit offenen Armen auf uns zugegangen, das betrifft sowohl unser Publikum, also Abonnentinnen und Abonnenten oder Freundeskreise, als auch andere Kulturinstitutionen, Organisationen und die Menschen überhaupt. Hannover überrascht mich persönlich immer wieder, ist sehr breit aufgestellt, sehr unterschiedlich, je nachdem, wo ich mich gerade bewege. Es gibt sehr viele interessante Ecken und Orte zu entdecken ...

Worauf darf sich das hannoversche Publikum in der kommenden Saison besonders freuen?
Anders: Was das Schauspiel angeht, so komme ich ins Schwärmen, wenn ich unser Ensemble anschaue. Ich freue mich schon darauf, dass alle diese tollen Schauspielerinnen und Schauspieler gemeinsam Geschichten erzählen: Klassiker, Romane, aber auch viele unbekannte Stücke oder Stoffe und Projekte, die zum Teil erst in den Proben entwickelt werden.
Berman: Auch in der Staatsoper und im Staatsballett darf man sich auf viele neue Künstlerinnen und Künstler freuen. Unsere Künstlerinnen und Künstler kommen aus unterschiedlichen Ecken der Welt. Wenn ich über sie spreche, spürt man gleich meine Vorfreude. Unsere Zuschauerinnen und Zuschauer werden neue künstlerische Handschriften und Sichtweisen auf die Stücke erleben, die sie überraschen werden.

Wie haben Sie Ihre Ensembles zusammengestellt?
Berman: Das war viel Arbeit: Opern-Ensemble, Solistinnen und Solisten für die Konzerte, Dirigentinnen und Dirigenten, Tänzerinnen und Tänzer – um alle Künstlerinnen und Künstler zu finden, sind gute Kontakte notwendig und unzählige Vorsingen und große Vortanzen, um die Besten für die Staatsoper auszuwählen. Wir haben dabei nicht nur künstlerische Qualität gesucht und gefunden, sondern auch Persönlichkeit und Spielfreude.
Anders: Uns war wichtig, möglichst unterschiedliche Menschen zueinander zu führen – wobei die Freude der Schauspielerinnen und Schauspieler an der Öffnung zum Publikum hin, am körperlichen und sinnlichen Spiel, am Miteinander, für uns wichtig war. Die ersten Premieren sind deshalb auch als große Ensemblestücke konzipiert, sodass alle Schauspielerinnen und Schauspieler recht bald zu sehen sind.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Intendantin?
Anders: Das ist gar nicht so leicht zu beschreiben. Zum einen gleicht ein Haus wie das Staatstheater Hannover einer kleinen Stadt und es ist wichtig, alle Gewerke und Abteilungen mitzudenken. Zum anderen setzen wir sehr auf die Kraft der Gruppe. Mein künstlerisches Leitungsteam zum Beispiel, also Dramaturgie, Kommunikation, Betriebsbüro ..., besteht aus lauter sehr klugen und engagierten Spezialistinnen und Spezialisten. Wenn die loslegen, dann braucht es mich im besten Fall auch mal nicht. Das betrifft ebenso die großartige Technik dieses Hauses und viele andere Abteilungen. Wir finden hier einen wirklich guten Boden vor, das ist nicht selbstverständlich.
Berman: Das stimmt absolut. Meine Hauptaufgabe ist, gute Kunst für Hannover zu ermöglichen. Künstlerinnen und Künstler müssen sich öffnen und Risiken eingehen können. Dazu muss der richtige Rahmen geschaffen werden, sodass alle, die an einer Vorstellung beteiligt sind, am Abend für das Publikum ihr Bestes geben können. Ich muss auch schauen, dass wir die richtigen Stücke und die passenden Teams finden, um mit den Menschen in Hannover und der Region in einen lebendigen Dialog zu treten.

Wen bringen Sie mit nach Hannover?
Berman: Viele Menschen! Es ist ja ein großer Neuanfang am ganzen Staatstheater – mit vielen für Hannover neuen Gesichtern vor und hinter den Kulissen.
Anders: Neben den Schauspielerinnen und Schauspielern prägen die Regisseurinnen und Regisseure und ihre Teams die Spielweise des neuen Schauspielhauses. Darunter sind viele Frauen, das war uns wichtig. Überhaupt ist uns ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis ein Anliegen, auch im Ensemble. Unabhängig davon aber geht es meinen Regisseurinnen und Regisseuren darum, für diese Stadt Theater zu machen, ganz konkret für Hannover relevante Themen und überraschende Erzählweisen zu finden.

Einen doppelten Neustart hat es in Hannover lange nicht mehr gegeben. Was bedeutet das für die Staatstheater?
Anders: Erst mal ist es eine große Herausforderung – für alle! Das ganze Haus steht gerade kopf! Aber natürlich ist es auch eine Chance für die Staatstheater, denn bisher hatten die Sparten nicht sehr viel miteinander zu schaffen, das soll sich ändern.
Berman: O ja – wir bereiten zum Beispiel gemeinsam eine ungewöhnliche Produktion vor! Ein Wechsel in nur einer Sparte ist schon sehr viel für ein Theater – so ein doppelter Neustart aber ist extrem. Viele Kolleginnen und Kollegen haben in der Spielzeitpause Unglaubliches in den Häusern geleistet, damit wir anfangen und eröffnen können und damit unsere Besucherinnen und Besucher sich in den frisch renovierten Foyers wohlfühlen können. Darüber hinaus müssen sich alle mit neuen Temperamenten, Persönlichkeiten und Meinungen auseinandersetzen – dazu benötigt man viel Energie. Die am Staatstheater zum Glück vorhanden ist!

Eines der wichtigen und auch verbindenden Themen scheint Diversität zu sein. Warum?
Berman: Weil Hannover eine diverse Stadt ist – vor allem in den letzten 20 Jahren hat sich die Stadt sehr verändert und ist multikultureller geworden. Wir wollen Theater für alle machen und einen künstlerischen Raum schaffen, in dem unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Gesellschaft widerspiegeln.
Anders: Ganz richtig. Migration hat die Gesellschaft in Deutschland bereits verändert und wird dies in Zukunft weiter tun. Auch Hannover und die Region sind von wachsender gesellschaftlicher Vielfalt geprägt. Darauf müssen und wollen auch wir Theater reagieren. Neben Programm und Ensemble wollen wir in Hinblick auf Diversität in den nächsten Jahren auch interne Prozesse und Betriebsstrukturen überprüfen. Hier ist in der Vergangenheit zwar schon viel geschehen, aber unser Haus muss ein neues Gesicht bekommen.

Wie sieht Ihr persönlicher Start in die neue Saison aus?
Anders: Ich stehe bei der MINUTE – einer Art Revue im Rahmen des Eröffnungsfestes – als Moderatorin einen ganzen Abend lang auf der Bühne. Und habe jetzt schon Lampenfieber!
Berman: Ich freue mich auf das Eröffnungs- und auf das Stiftungskonzert, bei denen sich unser neues Ensemble und vier ganz besondere Künstlerinnen und Künstler vorstellen werden. Das Ballettensemble ist bei einem offenen Training während des Eröffnungsfests zu erleben!

Das Eröffnungsfest

Oper, Schauspiel und Künstlerhaus feiern den Beginn der Saison – feiern Sie mit beim Eröffnungsfest am 31. August mit Familienprogramm, Musik, Tanz, Karaoke, Zirkus, Lesungen, Konzert und Begegnungen mit den Ensembles der Staatstheater! Los geht es ab 13.30 Uhr vor dem Opernhaus, dort eröffnen die beiden Intendantinnen Sonja Anders und Laura Berman gemeinsam mit dem niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler um 14 Uhr offiziell die neue Spielzeit. Von 14 bis 16 Uhr stehen die Türen des Opernhauses offen für einen Parcours durch die aktuellen Produktionen, auf der Außenbühne präsentiert sich die Ballett-Compagnie. Um 16 Uhr führt eine große Parade vom Opernhaus zum Schauspielhaus – hier startet dann das traditionelle Hoffest von Künstlerhaus und Schauspiel Hannover mit einem fulminanten Kinderprogramm mit Abenteuer-Parcours, Führungen, Workshops und Theaterkaraoke. Gefeiert wird bis spät in die Nacht, der Eintritt ist frei.

Nach der Sommerpause startet die Staatsoper Hannover mit einem neuen Team. Die „Spielzeit“ sprach mit der designierten Intendantin Laura Berman über die ersten Premieren der Saison.

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