Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Spielzeit „Wir wollen für unser Publikum da sein“
Anzeigen & Märkte Themenwelten Spielzeit

„Wir wollen für unser Publikum da sein“

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Saham El-Gaban, Barbara Kantel und Rabea Schubert aus dem Team der Künstlerischen Vermittlung und Interaktion des Schauspiel Hannover. Quelle: Kerstin Schomburg

Barbara Kantel: Gestern habe ich – in Vorbereitung auf einen Plan B für unser Festival „Jugend spielt für Jugend“ –ein bisschen rumgestöbert in einer Broschüre zum Netztheater. Dabei habe ich mich wieder gefragt: Was wollen wir eigentlich? Was sind unsere Wünsche und Nöte? Und die unserer Zielgruppen, also vor allem Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern?

Christine Klinke: Ich habe vor allem Sehnsucht. Sehnsucht nach Kontakt, Austausch. Nach dem Theater als Sehnsuchtsort, wo viele Dinge ermöglicht werden können, die im normalen Leben nicht möglich sind – das geht auch ein Stück weit digital.

Anzeige

Rabea Schubert: Ich bin in einem Zwiespalt. Natürlich habe ich auch Sehnsucht nach den gängigen Andockpunkten und Formaten, andererseits kann ich auch unsere Zielgruppe total verstehen, dass sie Schwierigkeiten hat, sich so schnell umzustellen und neu zu orientieren. So abgenudelt der Slogan „Die Krise als Chance“ auch klingt, er ist ja trotzdem auch wahr. Deshalb wünsche ich mir zwar oft was zurück, aber dann denke ich, nein Quatsch, wenn du den Auftrag, Wirklichkeit ernst zu nehmen, wirklich ernst meinst, dann guck lieber nach vorne.

Kantel: Klar gibt es die Sehnsucht, zurückzugehen und im Gewohnten zu landen und diesen analogen Raum als Begegnungsort zu behaupten. Aber wollen wir komplett dahin zurück, wo wir vorher waren? Haben wir nicht auch erfahren, dass das Digitale uns spannende Wege und Räume eröffnet – und wir darüber hinaus unsere Reichweite erhöhen und junge Menschen, die wir bisher nicht ansprechen konnten, erreichen?

Christine Klinke, Ansprechpartnerin für Lehrende im Schul- und Gruppenreferat. Quelle: Katrin Ribbe

Klinke: Wir sind auf einem guten Weg, in unseren digitalen Workshops partizipatorische Elemente einzubinden. Sowohl das neue Videoformat „Crashkurs“ als auch das Format „Time Out“ bieten definitiv Möglichkeiten mitzumachen. Ich glaube, es gibt aber auch eine Angst vor dem digitalen Raum. Daher bieten wir ja Lehrerinnen und Lehrern auch an, Workshops in Online-Sprechstunden durchzuspielen. Um zu zeigen, wie einfach es ist.

Kantel: Und sollten wir – neben unseren partizipativen Ansätzen – für die Lehrkräfte mehr von den Curricula her denken, die stark von klassischen Theaterformen ausgehen? Vielleicht sollten wir, solange wir nicht spielen und die Schulen nicht ins Theater kommen können, eher an „ein Theater ohne Theater“ denken. Als Beispiel fällt mir eine digitale Veranstaltung des Burgtheaters Wien ein, die unter dem #vorstellungsänderung gemeinsam mit „Zuschauer*innen“ in über dreitausend Tweets eine kollektive Erzählung von einem Vorstellungsabend, der gar nicht stattfand, entwickelte. Die Ankündigung des fiktiven w gehorchte den konventionellen Vorstellungen eines Theaterabends: Titel, Genre, personales Setting usw. Das gemeinsame Spiel, die gemeinsame Imagination und Kreation waren dann die zentralen Mechanismen des Abends. Ausgehend von den Lernzielen der Fächer Darstellendes Spiel oder Deutsch könnten wir auch solche Angebote entwickeln.

Saham El-Gaban: Wir sollten auch digitale Workshops zu allgemeinen Theaterfragen für Lehrkräfte anbieten. Und wir können Tutorials für unsere Workshops machen, also Workshops aufzeichnen und die Aufzeichnungen den Lehrkräften zur Verfügung stellen, damit sie sehen, dass digitales Arbeiten kein Hexenwerk ist. Oder wir können Schülerinnen und Schüler, nachdem sie einen digitalen Workshop etwa zu „Don Karlos“ oder „Dance Nation“ mit uns gemacht haben, einladen, selbst digital zu arbeiten. Zum Beispiel könnten sie kleine TikTok-Videos zu bestimmten Aspekten des Stücks aufnehmen und wir stellen sie dann zusammen und auf unsere Website.

Klinke: Mit der Nutzung der digitalen Angebote gewinnen die Schulklassen auf jeden Fall Flexibilität. Sie müssen damit ja gar nicht um 19.30 Uhr im Theater sein. Crashkurse oder die Time-Out-Formate können sie vormittags in den Schulen nutzen und zwar egal, ob sie gerade in Plan A oder B der Corona-Maßnahmen sind. Wir können diese Workshops mit Gesamtklassen genauso wie mit geteilten Klassen durchführen, sowohl analog in den Schulen als auch digital.

Kantel: Zurzeit gibt es in den Schulen enormen Druck, Stoff zu vermitteln. Da bleibt den Lehrkräften – auch wenn sie es grundsätzlich richtig und wichtig finden – kaum Zeit, andere Formen der spielerischen Auseinandersetzung für ihre Klassen zu organisieren. Ich finde es total wichtig, sie darin mit allen erdenklichen Mitteln zu unterstützen. Schließlich haben wir die Konzepte, die das können.

Schubert: Also, rufen Sie uns an!

Klinke: Oder schreiben Sie uns!

Informationen

Sie finden alle analogen und digitalen Angebote der Künstlerischen Vermittlung & Interaktion unter: www.staatstheater-hannover.de/de_DE/spielräeume-fuer-schuelerinnen-und-lehrkraefte.

03.12.2020
Spielzeit Dezember 2020 - Schauspiel - Klick doch mal rein!
Spielzeit Dezember 2020 - Ballhof Zwei - Die Abstände wachsen