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Lahe Hier rollt die Wärme von Lahe nach Isernhagen
Hannover Aus den Stadtteilen Lahe Hier rollt die Wärme von Lahe nach Isernhagen
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17:51 03.05.2018
Einer der Wärmecontainer parkt vor dem Schulzentrum in Altwarmbüchen.
Einer der Wärmecontainer parkt vor dem Schulzentrum in Altwarmbüchen. Quelle: Carina Bahl
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Altwarmbüchen/Hannover

Im August 2017 hatten Abfallwirtschaft (Aha), Klimaschutzagentur und die Gemeinde Isernhagen das Modellprojekt „Wärme to go“ vorgestellt. Die Hoffnung, dass die innovative Wärmeversorgung des Schulzentrums Isernhagen mit Beginn der Heizperiode den Regelbetrieb aufnehmen könnte, hat sich jedoch nicht erfüllt. Das war erst vor kurzem der Fall – mitten im Frühling.

Dass bei der Vorstellung im Hochsommer 2017 noch nicht alles Gold war, was glänzte, daraus hatten die Verantwortlichen keinen Hehl gemacht. Eine geliehene Zugmaschine hatten damals einen ebenfalls gebrauchten Wärmecontainer von der Deponie in Hannover-Lahe bis vor das Gymnasium am Helleweg gezogen – beobachtet von zahlreichen Fotografen und mehreren Radioteams. Doch die Erwartung, dass die Container nach dem „Taschenwärmer-Prinzip“ bereits ab Beginn der kalten Jahreszeit im Herbst einmal pro Werktag bislang ungenutzte Abwärme von der Deponie zum sechs Kilometer entfernten Schulzentrum bringen und so viel Erdgas sparen könnten, wurde enttäuscht. 

„Jeder hatte seine eigenen Probleme“, fasst Joost Götze von der Gemeindeverwaltung die Gründe für den verspäteten Start zusammen. So hätten sich Planungen und Ausführungen verzögert, zudem seien zusätzliche Arbeiten beispielsweise an Reglern notwendig geworden. Bei der Auftaktveranstaltung seien alle Beteiligten optimistisch gewesen, die Arbeiten in den vorgesehenen Zeitfernstern erledigen zu können, sagt Aha-Sprecherin Helene Herich. „Im Detail kam es leider zu Verzögerungen.“ Exemplarisch nennt sie Standortfragen, Baugenehmigungen, Verzögerungen bei Ausschreibungen, Lieferschwierigkeiten und Probleme, dass nicht immer Handwerker verfügbar gewesen seien. Zudem sei es im Dezember auch noch zu einem Frostschaden gekommen.

Vor so etwas sei man nicht gefeit, meint Udo Scherer von der Klimaschutzagentur – „mit sowas muss man umgehen, das ist ganz normal“. Nun liege der Fokus darauf, das Modellprojekt „ins Laufen zu bringen und am Laufen zu halten“. Denn tatsächlich läuft der „Wärme to go“-Regelbetrieb mittlerweile zwar seit 16. April, doch immer noch mit gebrauchten Containern – und die endgültige Elektro-Zugmaschine wird auch noch erwartet. Dass der schleppende Beginn Auswirkungen auf die 1,4-Millionen-Förderung durch den Bund haben könnte, erwarten die Projektpartner nicht: „Das Modellprojekt wird weiterhin mit hoher Priorität umgesetzt. Das bestätigen auch die Fördermittelgeber“, so Aha-Sprecherin Herich. 

Allen Anlaufschwierigkeiten zum Trotz hat das Modellprojekt Aufmerksamkeit erzielt. Es habe bereits Anfragen nach den Belieferungsmöglichkeiten weiterer Objekte gegeben, so Aha. Wichtig seien unter anderem kurze Wege von maximal 15 bis 20 Kilometer und eine möglichst geringe erforderliche Heizmitteltemperatur im Heizungssystem. Man habe da noch ein paar Objekte, hatte Isernhagens Wirtschaftsförderer Michael Frerking bereits bei der Projektvorstellung im Sommer 2017 geworben und exemplarisch die Grundschulen Altwarmbüchen und N.B. genannt. Profitieren von „Wärme to go“ könnte aber auch ein neues Isernhagener Hallenbad, über dessen Bau seit einigen Monaten diskutiert wird. Technisch betrachtet seien Schwimmbäder mit den erforderlichen Temperaturen und als ganzjährige Verbraucher optimale Abnehmer, so Udo Scherer von der Klimaschutzagentur.

Von Frank Walter