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Linden Neue Galerie zeigt Werke zu Leben und Tod
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Neue Galerie zeigt Werke zu Leben und Tod
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12:16 24.01.2019
Kunst beim Bestatter: Kurator Johann Brandes, Fotograf Andre Germar und Bestatter Sven Friedrich Cordes (v.l.) in der aktuellen Ausstellung der Galerie Metavier in Linden.
Kunst beim Bestatter: Kurator Johann Brandes, Fotograf Andre Germar und Bestatter Sven Friedrich Cordes (v.l.) in der aktuellen Ausstellung der Galerie Metavier in Linden. Quelle: Moritz Frankenberg
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Linden

Narben sind die Signaturen des Lebens auf einem Körper. Gemessen daran haben die Menschen auf diesen Bildern viel erlebt. Mehr, als Menschen erleben sollten. Der hannoversche Fotograf Andre Germar ist nach San Salvador gereist, wo rivalisierende Straßengangs sich erbittert bekämpfen. Die Folgen der mörderischen Konflikte hat der 34-Jährige in eindringlichen Bildern dokumentiert: die Narben von Schusswunden in der Haut eines jungen Mannes. Die Tätowierungen, die Gang-Mitglieder als Erkennungszeichen tragen. Die Leiche eines erschossenen Mannes. Und die Trauer im Gesicht einer Mutter, die ihren Sohn verloren hat.

Jetzt sind Germars Fotos in Linden zu sehen – in der ersten Ausstellung überhaupt, die in der neuen Kunstgalerie Metavier über die Bühne geht. „Diese Galerie ist ein Angebot, sich mit Tod und Sterblichkeit zu beschäftigen, ehe das Thema in eigenen Leben akut wird“, sagt deren Gründer Sven Friedrich Cordes. Die Galerie soll vor allem Arbeiten zur Vergänglichkeit des Lebens zeigen: „Der Diskurs über die eigene Endlichkeit gehört in die Mitte der Gesellschaft“, sagt Cordes.

„Tod darf kein Tabu sein“

Mit dem Thema kennt er sich aus: Cordes ist Bestatter in dritter Generation, sein Großvater gründete 1934 ein Bestattungsunternehmen in Empelde. Seit vergangenem November betreibt Cordes zusätzlich eine Filiale in der Lindener Stephanusstraße – und der Raum, in dem sonst Trauergespräche stattfinden, dient jetzt zusätzlich als Kunstgalerie.

„Ich habe einen spannenden Beruf“, sagt Cordes. „Man lernt unterschiedliche Menschen kennen und weiß nie, was der Tag bringt.“ Der unkonventionelle Unternehmer setzt unter anderem auf „alternative Trauerfeiern“. So richtet er schon mal ein „Letztes Abendmahl“ aus, ein Drei-Gänge-Menü, bei dem die Urne mit der Asche des Verstorbenen ihren Platz am Kopfende der Tafel hat. „Dabei wird gegesssen und getrunken, geweint und gelacht“, sagt er. Angehörige dürfen bei ihm auch helfen, den Verstorbenen für die Beisetzung zurecht zu machen. „Als Bestatter habe ich Leichen im Keller – und der Tod darf kein kein Tabu-Thema sein“, sagt er.

Die Galerie Metavier soll nun helfen, dass der Tod seinen Platz unter den Lebenden findet. „Wir haben schon zahlreiche Zusendungen von Künstlern bekommen“, sagt Kurator Johann Brandes. Etwa vier Ausstellungen pro Jahr sind geplant: Fotografie, Malerei und Skulptur; dazu soll es Lesungen, Workshops und einen Vortrag mit festlichem Abendmahl geben. Unter dem Titel „Leichenschmaus“.

Bilder aus San Salvador

Die Ausstellung mit den Fotos von Andre Germar aus San Salvador ist in der Galerie Metavier, Stephanusstraße 2 (Eingang über Heesestraße) bis zum 1. April zu sehen. Geöffnet ist diese donnerstags von 18 bis 20 Uhr sowie sonnabends von 11.30 bis 13.30 Uhr. Am 16. Februar soll es einen „Leichenschmaus“ bei festlich gedeckter Tafel zu dem Thema geben. Am 9. März gibt es einen Vortrag über die Arbeit von Andre Germar. Infos unter (0511) 70052029.

Von Simon Benne

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