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Linden Das Lindener Urgestein Egon Kuhn wird 90
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Das Lindener Urgestein Egon Kuhn wird 90
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00:15 23.01.2017
Von Juliane Kaune
Kleines Geschichtskabinett: An den Wänden in Kuhns Wohnung in der Limmerstraße hängen viele Erinnerungen an ein linksbewegtes Leben. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Das Quietschen der Stadtbahn muss man mögen. Für viele ist es sicher nicht der Grund, warum sie gern in der Limmerstraße wohnen. Egon Kuhn sieht das anders. „Da merkt man, hier ist das Leben.“ Die Limmerstraße ist seine Lebensader. Seit gut drei Jahrzehnten. Er mag es, wenn Studenten im Sommer unter seinem Wohnzimmerfenster lautstark „limmern“. Er liebt den Mix aus Gastronomie und Geschäften, den vietnamesischen Imbiss und das italienische Eiscafé nebenan. Kuhn wird morgen 90 Jahre alt. Aber auf seine Weise ist er jung geblieben.

Grinsender Marxist

Der frühere langjährige Leiter des Freizeitheims, der auch das Stadtteilarchiv und die Geschichtswerkstatt gegründet hat, ist eine Institution in Linden. So etwas hört er nicht gern. „Ich bin Marxist und Sozialist“, sagt er mit einem Grinsen unter dem breiten Schnauzbart und fügt selbstironisch hinzu: „Davon gibt es nicht mehr so viele.“

Seit 1958 hat Kuhn das SPD-Parteibuch - und als streitbarer Genosse stets versucht, die hannoversche Sozialdemokratie an ihre linken Wurzeln zu erinnern. Die Parteifreunde aus den frühen Siebzigern, darunter Oberbürgermeister a. D. Herbert Schmalstieg, haben andere Karrieren hinter sich. Sie sind Kuhn aber immer freundschaftlich verbunden geblieben.

„Die Edelgard ist die Ehrlichste“, sagt er rundheraus. Gemeint ist die frühere Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn. Die hat angekündigt, dass sie nach 30 Jahren im Bundestag nicht mehr kandidieren will - und tritt nun als Vorsitzende des Vereins Lebendiges Linden an. Auch dies ist für Kuhn eine Form der Ehrlichkeit. Umso mehr, weil er Gründungsmitglied der Linden-Lobbyisten ist und fünf Jahre an der Vereinsspitze stand.

Geboren in Osnabrück

Kaum zu glauben, dass Kuhn gar nicht aus Linden stammt - geboren wurde er in Osnabrück. „Meine Mutter war Italienerin, mein Vater Deutscher“, erzählt er. Und er ist sich ziemlich sicher, dass seine Familie im Arbeiterstadtteil Wüste die erste war, die seinerzeit Spaghetti auftischte. Acht Volksschuljahre hatte er hinter sich, als er 1943 als Soldat zur Marine ging. U-Boot-Kommandant wollte er werden. Doch es kam anders. Als Autodidakt eignete er sich Wissen in der politischen Jugend- und Gewerkschaftsarbeit an. Auch als er 1965 nach Linden kam und Leiter des Freizeitheims wurde, förderte er die Bildung „von unten“ - mit bundesweit beachteten Kultur- und Geschichtsprojekten. Die Leitung der von ihm gegründeten generationsübergreifenden Otto-Brenner-Akademie hat er erst vor zwei Jahren abgegeben. Das Stadtteilarchiv im Freizeitheim betreut er heute „als Berater“, mit Unterstützung seiner Lebensgefährtin Susanne Böhmer. Mit der 52-Jährigen ist er seit 18 Jahren liiert.

Auch Kuhns Wohnung ist ein kleines Geschichtskabinett. Die Wände sind bedeckt mit Fotografien und Bildern. Da hängt SPD-Urvater August Bebel neben Bertolt Brecht, dem Künstler Heinrich Vogeler und dem Genossen Gerhard Schröder. Und überall historische Aufnahmen aus Linden - die Fannystraße, die Kochstraße, die Limmerstraße. Nicht zu übersehen im Regal: Ein Mini-Marx steht als Statue neben einem Lindener Butjer mit rotem Schal, dem Markenzeichen Kuhns.

Drei Stunden bei Beppo

Wenn er erzählt, kann das ausschweifend werden. Doch jede Jahreszahl sitzt. „Der Kopf ist klar“, sagt er mit typisch ironischem Unterton. „Aber die Beine machen nicht mehr so mit.“ Der kleine, quirlige Mann, dem nachgesagt wurde, er sei der wohl schnellste Fußgänger Lindens, muss im wahren Wortsinn kürzertreten. Im Sommer verbringt er „mindestens drei Stunden am Tag“ im Eiscafé Da Beppo um die Ecke und beobachtet bei einem Cappuccino das Treiben auf der Limmerstraße.

„Das alles hier“, sagt er, „hat sich wirklich positiv entwickelt“. Dass es auch neue, teils schickere Läden gibt, stört den Altsozialisten nicht. „Die Menschen kommen auf der Straße mehr miteinander ins Gespräch als früher, die jungen wie die alten.“ Dass die Wohnungsmieten in Linden steigen, hält Kuhn hingegen für bedenklich. Er selbst musste das erfahren, als er vor fünf Jahren umgezogen ist. Vom vierten Stock, Limmerstraße 83, in den ersten Stock, Limmerstraße 28. „Genau über der Fleischerei Gothe.“ Heute betreibt dort Bäcker Göing eine trendige Filiale.

Seinen 90. Geburtstag will der zweifache Uropa Kuhn - anders als den 85. und den 80. - ohne Großveranstaltung mit passender Politikprominenz feiern. Eingeladen hat er in sein Lieblingsrestaurant („bitte nicht schreiben, wo genau“) nur engste Freunde. Sollten Ministerpräsident Stephan Weil, den Kuhn „schon als Juso“ kannte, Oberbürgermeister Stefan Schostok oder gar der Genosse Schröder aber doch vor der Tür stehen, werde er sie sicher auch reinlassen.

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