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Linden Fällt Fährmanns Kinder- und Kulturfest aus?
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Fällt Fährmanns Kinder- und Kulturfest aus?
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00:15 05.02.2017
Spaß auf der Wiese: Die Zukunft des Kinderfestes beim Fährmannsfest ist ungewiss.
Spaß auf der Wiese: Die Zukunft des Kinderfestes beim Fährmannsfest ist ungewiss. Quelle: Archiv
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Hannover

Jetzt hat der Verein Fährmanns Kinderfest beim Rat der Stadt Hannover um finanzielle Unterstützung gebeten: Jeweils 10.000 Euro für 2017 und 2018 möchten die Organisatoren des Fährmannsfestes haben.

In dem Zuwendungsantrag heißt es, die Ausgaben für die behördlichen Auflagen seien so hoch, dass der Verein die Kosten für die Infrastruktur nicht mehr decken könne. Dazu zählen Beträge für Strom und Wasser, Toiletten und Einlasstore. Seit der Tragödie bei der Loveparade 2010 gebe es deutlich mehr Sicherheitsauflagen zu erfüllen als davor, argumentiert der Verein. Diese würden folglich zu höheren Kosten führen. Sollte eine Finanzspritze der Stadt ausbleiben, müsse das Kinderfest schon in diesem Sommer ausfallen.

Info

2016 wurde das Fährmannsfest mit dem Niedersächsischen Inklusionspreis ausgezeichnet. Dieses Jahr wird das Musikfestival vom 4. bis 8. August gefeiert.

In den vergangenen Jahren hatte der übergreifende Fährmannsfest-Verein die Kosten für die Infrastruktur des Kinderfestes auf der Faust-Wiese übernommen. Das sei in Zukunft aber nicht mehr möglich. Der Verein werde in diesem Jahr nur die Kosten für das Rockfestival am Weddigenufer stemmen können, heißt es in dem Schreiben. Das Kinderfest bliebe somit auf der Strecke.

Größte Open-Air-Party in Linden

Die Stadtverwaltung werde in dieser Woche Gespräche zum Antrag des Vereins führen, sagt Sprecherin Anja Menge am Montag. Nach Auskunft der Stadtverwaltung gibt es aber keine erhebliche Kostensteigerung durch behördliche Auflagen. Außerdem würden das Fährmannsfest und das Kinderfest die Sicherheitsauflagen vorbildlich erfüllen, sodass an der Durchführung bisher nichts geändert werden müsse. Eine endgültige Entscheidung gebe es aber noch nicht.

Das Fährmannsfest am Weddigenufer gilt als größte Open-Air- Party im Stadtteil Linden. Jeden Sommer zieht es mehr als zehntausend Besucher auf das Festival. Das kulturelle Angebot umfasst vorrangig Livemusik, doch auch andere Künstler, Vereine und Initiativen präsentieren sich. Am gegenüberliegenden Ufer, auf der Faust-Wiese, findet das Kinder- und Kulturfest statt. Dort feiern und spielen die Kleinen, dieses Jahr könnten sie aber zu kurz kommen.

2007 wurde der gemeinnützige Verein für das Kinderfest gegründet. Seither organisiert Fährmanns Kinderfest e.V. ein umfangreiches Angebot für die kleinen Gäste. Das kostenfreie Fest trage zum „kulturellen, inklusiven, interkulturellen und stadtteilfördernden Angebot des Rockfestivals bei“, sagt Fährmannsfest-Geschäftsführer Peter Holik. Umso wichtiger sei es, das Kinderfest am Leben zu erhalten.

Von Tamy Beyeler

Hohe Kosten und offene Fragen

Seit gut drei Jahrzehnten ist das Fährmannsfest eine feste Größe im sommerlichen Veranstaltungskalender. Allein im vergangenen Jahr kamen rund 18.000 Besucher. Keineswegs nur die, die Musik jenseits des Mainstreams mögen. Längst ist das einst als alternatives Rockfestival gestartete Fest zum Event für alle geworden, die Spaß am Feiern im Freien haben – Familien inklusive. Daran hat das Kinder- und Kulturfest entscheidenden Anteil.Dass dieses Festvergnügen an den Kosten für behördliche Regularien scheitern soll, ist nicht vertretbar. Allerdings muss wohl noch einmal genauer nachgerechnet werden. Wie hoch ist der Anteil der Sicherheitsauflagen an den Infrastrukturkosten tatsächlich? Während die Macher des Festes von einer deutlichen Steigerung sprechen, stellt die Stadt die Lage anders dar. Könnte es vielmehr sein, dass der Fest-Verein grundsätzlich Probleme hat, die organisatorischen Kosten – vom Toilettenwagen bis zum Stromaggregat – für die Großveranstaltung am Ihme-Ufer weiterhin finanziell zu stemmen? Und was bedeutet das für die Struktur des Festes?

Die offenen Fragen müssen schnellstmöglich geklärt werden. Nur wenn verlässliche Zahlen auf dem Tisch liegen, können Stadt und Politik über mögliche Zuschüsse für das Kinder- und Kulturfest entscheiden. Vielleicht können auch Sponsoren helfen. Künftig Eintritt für die bisher kostenfreie Freiluftfete zu erheben wäre keine gute Lösung. Das Fest abzusagen erst recht nicht.

Ein Kommentar von Juliane Kaune