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Misburg Das ist die Unterkunft für Flüchtlingsfamilien
Hannover Aus den Stadtteilen Misburg Das ist die Unterkunft für Flüchtlingsfamilien
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02:15 11.03.2017
Von Conrad von Meding
Nächste Woche kommen die ersten Bewohner: Undine-Marie Spitzbart leitet die DRK-Unterkunft. Am Mittwoch begrüßte sie intreressierte Besucher´. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Zum Start der nächsten Woche beginnt die Belegung der neuen Flüchtlingsunterkunft Kampstraße. Am Mittwoch durften sich Anwohner und Interessierte ein Bild von der Anlage machen. Gut 50 Besucher nutzten die Gelegenheit. Derweil sucht die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Uta Engelhardt (Grüne) Ehrenamtliche, die sich im Nachbarschaftskreis engagieren wollen. Wer mitmachen will, kann sich tagsüber bei der Leiterin der Unterkunft, Undine-Marie Spitzbart, melden.

Für 100 Bewohner ist die Anlage ausgerichtet, bei Maximalbelegung lassen sich Betten für bis zu 130 Flüchtlinge unterbringen. Einige Bereiche sind für alleinreisende Männer reserviert, „vor allem aber werden hier Familien einziehen“, sagt Ralf Lüdtke, Sachgebietsleiter im Wohnungsamt der Stadt. Als erstes werde eine Familie einziehen, die bisher in der Notunterkunft im ehemaligen Oststadtklinikum wohnt – die Stadt gibt es auf, weil dort ein Neubaugebiet entsteht. Weitere Wohnbereiche in der Kampstraße halte man frei für Familien, die künftig nach Hannover kommen, darunter auch Familiennachzüge.

In der Kampstraße ist eine neue Unterkunft für Flüchtlingsfamilien fertig eingerichtet. Bevor die künftigen Bewohner einziehen durften sich Anwohner ein Bild von der Anlage machen.

Woher die künftigen Bewohner kommen werden, ob aus arabischen oder afrikanischen Ländern – das konnten weder Lüdtke noch Sozialarbeiterin Graziela Rose-Adam auf die immer wiederkehrenden Nachfragen von Besuchern sagen. „Wenn es syrische Flüchtlinge sind, ist das ok, aber bei den Afrikanern, da ist ja immer eine Frau schwanger“, sagte eine 63-jährige Buchholzerin bei einer Besichtigungstour – und erntete zustimmendes Gemurmel. Mit Namen wollte aber niemand in die Zeitung.

Ihr Ehemann, ein Rentner, war es, der die Platzverhältnisse luxuriös fand. In den Familienbereichen gibt es ein größeres Schlafzimmer und drei Kinderzimmer mit je zwei Betten. „Wir haben damals mit Kindern auf 63 Quadratmetern gewohnt, die haben hier mehrere Schlafräume und zwei Bäder für eine Familie“, ärgerte er sich. Eine 25-Jährige hingegen sagte: „Luxuriös finde ich das hier überhaupt nicht – eher sehr zweckmäßig. Ich möchte keine fünf Nächte in solch einem Bett schlafen müssen.“ Die Zimmer sind sehr nüchtern mit Stahlrohrbetten eingerichtet. Für Einzelpersonen misst ein Zimmer etwa 12 Quadratmeter – immerhin 50 Prozent mehr als die Zellen in der JVA Schulenburg.

Eine Frau lobt, dass die Außenanlagen „liebevoll gemacht“ sind, es gibt einen Spielplatz und sogar kleine Blumenbeete. „Wir hoffen, dass hier vernünftige Menschen einziehen“, sagt eine andere, „Kriegsflüchtlinge sind ja zum Teil hochtraumatisiert, da darf man nicht davon ausgehen, dass mit ihnen immer alles ganz einfach ist.“ Es sind ähnliche Sätze, wie sie wohl nach dem letzten Weltkrieg über Vertriebene gesagt wurden, als sie nach Hannover kamen.

Die Unterkunft ist zweistöckig in Holzrahmenbauweise auf festen Fundamenten gebaut. Wasser und Abwasser für 130 Menschen, Strom und Gas mussten gelegt werden. Etwa 4,5 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Das Bauwerk ist bis auf die Fassadenfarbe identisch mit dem in der Badenstedter Woermannstraße. „Sozusagen das Gleiche in Grün“, scherzte ein Besucher: Die Module sind mit blassgrünen Wellplatten verkleidet.

In der Mitte ist ein großer Gruppenraum eingerichtet, es gibt Verwaltungstrakte und Besprechungszimmer, eine Waschküche und Besprechungszimmer. Die Küchen haben keine Spülmaschinen. Eine Anwohnerin sagt, das sei auch gut, denn sie habe gehört, dass in einer anderen Unterkunft Flüchtlinge Einmalwindeln in eine Spülmaschine gesteckt hätten. Wirklich in eine Spülmaschine, oder eher eine Waschmaschine? „Ach so, nein, natürlich Waschmaschine“, sagt sie.

Am Eingang befindet sich eine Loge mit Sichtfenster für die Sicherheitskräfte von der Reinigungs- und Wachfirma Schmalstieg aus Waldhausen. Zwei Mitarbeiter sollen rund um die Uhr anwesend und auch Ansprechpartner für Anwohnersorgen sein. „Man hört ja, dass es in anderen Unterkünften nachts zu Streitereien kommt“, sagt eine besorgte Anwohnerin zu Ralf Eickhoff, der beim DRK den Bereich Unterkünfte leitet. Der beruhigt: „Die Mitarbeiter rufen uns auch nachts oder am frühen Morgen an, wenn mal etwas passieren sollte“, sagt er. Auch die Kontaktbeamtin Gabriele Halves vom Polizeikommissariat Misburg verspricht: „Wenn etwas ist, können Sie mich tagsüber und grundsätzlich immer die Nummer 110 erreichen.“ Bei so viel Beruhigung ging fast unter: Eigentlich passiert selten Dramatisches.

Ein älterer Herr will wissen: „Schauen Sie bei der Zusammensetzung in den Unterkünften auf Nationalitäten? Weil es da ja Animositäten gibt.“ Wohnungsamts-Manager Liedtke kennt diese Frage schon. „Wir wissen aus 20 Jahren praktischer Flüchtlingsarbeit, dass es da bei den Familien keine Probleme gibt. Die meisten Menschen fliehen aus ihrer Heimat, weil sie keine Lust haben auf Streit – deshalb sind die Nationalitäten kein Problem.“ Nur bei alleinreisenden Männern versuche man, Gruppen halbwegs homogen zusammenzusetzen.

Die 26-Jährige Einrichtungsleiterin Spitzbart ist seit Herbst 2015 beim DRK, war vorher in der Notunterkunft im Schulzentrum Ahlem eingesetzt, die allmählich aufgelöst wird. „Wenn Sie Fragen haben, können Sie sich jederzeit an unser Team wenden“, sagt sie. Insgesamt fünf DRK-Mitarbeiter hat die Unterkunft, darunter mit einer Halbzeitstelle eine Erzieherin für die Kinder. Falko Markberth von den Linken in Misburg-Anderten will sie überzeugen, dass es besser wäre, in den Unterkünften Flüchtlinge, Obdachlose und vielleicht auch Studenten zu mischen. Sie verspricht artig, das Thema mitzunehmen.

Ein Thema brennt mehreren Anwohnern aus der Flurstraße unter den Nägeln. Weil auf der Rückseite der Unterkunft ein Stück Zaun fehlt, ist dort faktisch ein zweiter Ein- und Ausgang entstanden. Dort hätten schon früher Männer gestanden und geraucht, sagt ein älterer Herr, „unsere Frauen haben Angst, dort nachts entlangzugehen, wenn sich dort ein zweiter Eingang etabliert“. Liedtke verspricht, sich zu kümmern: „Ich weiß nicht genau, warum dort kein Zaun ist – aber wir werden das klären.“

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