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Mitte, Hannover Anfangs belächelt, heute ein Hingucker
Hannover Aus den Stadtteilen Mitte, Hannover Anfangs belächelt, heute ein Hingucker
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00:15 21.12.2016
Von Conrad von Meding
„Sehr intelligente Lösung“: Der künstliche Birkenwald mit Windspiel am Aegi.
„Sehr intelligente Lösung“: Der künstliche Birkenwald mit Windspiel am Aegi. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

„Luftig, fröhlich und verspielt“: So hat Hannovers langjähriger Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg bei seinem letzten öffentlichen Termin im Amt 2006 den Birken-Fahnenwald am Aegi genannt. Damals war die Installation frisch eröffnet worden. 28 gefleckte Stangen, an denen tarnfarbene Windsäcke rotieren - in der Kunst- und Kulturszene rümpfte manch einer die Nase ob der Installation, aber niemand äußerte öffentlich Kritik. Schließlich war es ein Studentenprojekt.

Und heute? Möchte kaum einer das Windspiel vom Aegi wegdiskutieren. Als ein „sehr gutes Beispiel für die enge Zusammenarbeit von Stadt und Leibniz-Universität“ bezeichnet Stadtgestalter Thomas Göbel-Groß den Birkenwald und als eine „sehr intelligente Lösung“.

Tatsächlich war die Aufgabe nicht leicht. Bäume zu pflanzen verbietet sich auf dem Platz, denn direkt darunter befindet sich die U-Bahn-Station Aegidientorplatz, die den Wurzeln im Weg gewesen wäre. Udo Weilacher, kreativer Uni-Professor für Landschaftsarchitektur, hatte seine Studierenden einen Workshop absolvieren lassen. Obskure Ideen waren dabei herausgekommen, etwa eine Pyramidenskulptur aus Spiegeln, an denen Autofahrer abends mit eingeschaltetem Licht wohl ihre zweifelhafte Freude gehabt hätten. Und eben der Birkenwald. Dass der tatsächlich umgesetzt werde, sei „ein Signal, dass in Hannover frische, unkonventionelle Ideen ernst genommen“ würden, frohlockte der Dozent. Göbel-Groß stimmt dem zu: „Der Workshop hat damals kreative Ideen zutage gefördert.“

Im ersten Anlauf gab es Nachbesserungsbedarf, die Windsäcke mussten ausgetauscht werden, auch bei der Bepflanzung mit Gräsern wurde nachgesteuert. Bei mindestens einem Autounfall wurde zudem eine Stange demoliert. Aber insgesamt ist die Idee geblieben: das Unsichtbare dieses Platzes sichtbar zu machen, den ewig pfeifenden Wind.

Die beiden Studierenden Stefanie Schmoll und Dominik Geilker waren vor zehn Jahren die Ideengeber. Wer sie erreichen will, findet für Schmoll einen Interneteintrag in einem Landschaftsplanerbüro in Bad Oeyenhausen. „Das war Wahnsinn damals“, sagt die heute 36-Jährige. „Uns hat total gefreut, dass unser Konzept umgesetzt wurde.“ Immer, wenn sie in Hannover sei, schaue sie danach, wie es dem Birkenwald gehe. „Ich freue mich, dass die Stadt ihn so pflegt“, sagt sie.

Die Pflege wird fortgesetzt. Alle paar Jahre muss das zuständige Kulturbüro der Stadt die Windsäcke austauschen. Zuletzt war dies 2013 der Fall. „Im nächsten Jahr wird es einen erneuten Austausch geben“, sagt Stadtsprecherin Susanne Stroppe. Der Birkenwald am Aegi wird also noch weiter die (Wind-)Richtung zeigen.